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Glauben auf dem Weg


Konfirmation

 


 

 


 

Konfirmation - Glauben auf dem Weg

Wenn man kirchliche Zeitmaßstäbe anlegt, dann ist die Konfirmation noch eine ziemlich junge Einrichtung. "Erst" vor etwa zwei bis drei Jahrhunderten hat sie sich in der evangelischen Kirche durchgesetzt. Was ist das schon - verglichen mit der Taufe, die es seit beinahe 2000 Jahren gibt.

Martin Luther hatte die Konfirmation noch abgelehnt. Der aus Straßburg stammende Reformator Martin Bucer dagegen befürwortete sie. So regte er 1538 eine Versammlung der Stadt Ziegenhain (Nordhessen) an, die dann ein Jahr später eine Kirchenordnung verabschiedete. In dieser Ordnung wird zum ersten Mal die Konfirmation eingeführt (übrigens auch das Amt der Kirchenvorsteher). Aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis sich die Konfirmation in der evangelischen Kirche durchsetzte. Erst im 18. Jahrhun-dert, in einer Zeit, wo das persönliche Bekenntnis zum christlichen Glauben wichtiger wurde, hielt die Konfirmation ihren Einzug in ganz Deutschland. Nur in den evange­ lischen Kirchen, die keine Kinder, sondern Erwachsene taufen, gibt es auch heute noch keine Konfirmation. Zu der Zeit, wo unsere Kinder konfirmiert werden, werden sie zum Beispiel in den baptistischen Kirchen getauft. Aus Kindern werden Leute. Lange Zeit stand die Konfirmation auch für das Ende der Schulzeit. Für die Generation meines Vaters war die Konfirmation am Palmsonntag verbunden mit dem Beginn der Lehrzeit eine Woche später nach dem Osterfest. In manchen Gegenden war die Konfirmation auch am Sonntag nach Ostern, am so genannten "Weißen Sonntag". Bis zu diesem Sonntag wurden in der frühen Kirche die weißen Taufgewänder der Täuflinge der Osternacht getragen. In der katholischen Kirche ist es Tradition, dass an diesem Tag die Erstkom-munion stattfindet.

Aus Kindern werden Leute, sagte man da. So gehörten zur Konfirmation auch die ersten Ausstattungsstücke für die Erwachsenenwelt. Für die Jungen der erste Anzug mit langen Hosen und der erste Hut, in wohlhabenden Familien auch die erste eigene Taschenuhr. Natürlich gehörte auch die erste Zigarre zum nunmehr erwachsenen Konfirmierten. Bei den Mädchen war es das Festkleid (das in manchen Gegenden auch das Hochzeitskleid war), Handschuhe und im letzten Jahrhundert die ersten Nylon-Strümpfe.

Noch heute sind Jugendliche mit dem vollendeten 14. Lebensjahr religionsmündig. Das heißt, sie dürfen selbst darüber entscheiden, zu welcher Religion oder Konfession sie gehören wollen - sie sind sozusagen "kirchlich Erwachsen".

Kaum ein Konfirmand oder eine Konfirmandin wird heute nach der Konfirmation mit der Lehre beginnen. Und 14- oder 15-jährige gelten heute auch nicht als Erwachsene. Sie sind Jugendliche, Teens, die beginnen, ihre eigenen Wege zu gehen. Der Unterricht will ihnen keine vorbereiteten Antworten auf Fragen nach dem Glauben, nach Gott, Jesus und Kirche bieten. Er macht Angebote. Der Konfirmandenunterricht und die Konfirmation sollen ihnen dabei so etwas wie Wegweiser sein. Viele Jugendliche machen heute im Konfirmandenunterricht ihre ersten Begegnungen mit dem Glauben.

Welche Form des Glaubens und ob Glaube überhaupt für sie in Frage kommt, das müssen die Konfirmanden selbst entscheiden.

Wenn sie sich nach einem Jahr Konfirmandenunterricht in unseren drei Gemeinden dafür entscheiden, ihren Glaubensweg mit unserer Kirche zu gehen, dann feiern wir das im Konfirmationsgottesdienst, in dem die Jugendlichen ihre Entscheidung öffentlich aussprechen.

Der Konfirmandenunterricht ist mit diesem Gottesdienst beendet. Aber das Lernen im Glauben, das Suchen nach dem richtigen Weg mit Gott, das hält (hoffentlich) ein Leben lang an.

Ronald llenborg

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Letzte Änderung: 1.05.05