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Winterbaum

Es träumt der Winterbaum
im Winter seinen Traum.

Er träumt von neuem Blätterkleid,
von weißen Blüten und roten Früchten,
vom Frühlingswind und Sommerregen,
von Vögeln, die in seinen Zweigen brüten,
vom Wanderer, der in seinem Schatten ruht,
von Liedern und Gesängen,
von Tänzen und Reigen.

Es träumt im Winter der Baum
von Sommer und Sonne seinen Traum,
ruht aus von Wind und Stürmen,
sammelt neue Kraft in kalter Winternacht.
Unter Reif und Schnee
schläft er seinen tiefen Schlaf
neuem Knospen und Blühen entgegen

*
Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden und es selbst am Tage kaum heller wird, wenn die Natur sich schlafen legt und das Land sich mit einer Decke aus Schnee und Eis bekleidet, dann ziehen sich auch die Menschen in die Häuser zurück, suchen die Wärme und Gemütlichkeit der eigenen Wohnung, die auch entsprechend geschmückt wird. Manche genießen diese Zeit des Jahres, ziehen hinaus zu den zugefrorenen Seen und Wiesen. Manchen verreisen auch, machen Wintersport. Viele aber fürchten gerade diese Zeit des Jahres. Sie fühlen sich einsamer, werden depressiv und können es kaum erwarten, dass der Frühling wieder kehrt.

In der Mitte dieser Zeit liegt das Weihnachtsfest, dessen Botschaft die Hoffnung und die Freude ist: „Ein Kind ist geboren, ein Sohn ist uns gegeben“ (Jesaja 9,5). Diese Welt ist nicht verloren. Gottes Liebe ist erschienen. Die Symbole, die das Weihnachtsfest begleiten, sind darum auch die Lichter der Kerzen, sind strahlende Sterne, ist das ewige Grün der Nadelbäume. Die verpackten Geschenke, die wir zu Weihnachten auspacken, sind ein Zeichen für die Liebe von Menschen und auch Gottes, eine Liebe, deren Wert wir nicht sogleich erkennen, sondern erst, wenn wir sie annehmen, auswickeln, betrachten und gebrauchen.

Dass Weihnachten gerade in der Mitte der kalten Jahreszeit gefeiert wird, auf dem Höhepunkt der dunklen Zeit, ist ein großes Geschenk. Es hilft uns, daran zu denken, dass nach Gottes Willen nicht Eis und Kälte diese Welt bestimmen sollen, dass es nicht für immer Nacht bleiben wird, sondern dass Licht und Wärme wieder kehren werden. Der einsame Baum auf dem schneebedeckten Feld wirkt wie tot und erstarrt. Doch er steckt voller Leben, das im Frühjahr zu neuer Blüte erweckt wird. Die Rose, von der ein bekanntes Weihnachtslied erzählt, ist ja auch in Wahrheit ein Reis, ein scheinbar dürrer Zweig, aus dem neues Leben entspringt: Christus, „wahr Mensch und wahrer Gott“.

Kurt Dohm

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Letzte Änderung: 1.12.2011