Wenn ein Mensch gestorben ist
Trauer und Erinnerung brauchen einen Ort
Auch bei anonymen Formen der Bestattung suchen Menschen nach Möglichkeiten und identifizierbaren Orten, um zu trauern. So gibt es zum Beispiel einen Blumenhügel neben dem anonymen Gräberfeld des Huckelrieder Friedhofes in Bremen. Dort können Blumen und Kränze hinterlegt werden. Und die Vielzahl der Blumen zeugen davon, dass viele in der Trauer die räumliche Nähe zur Grabstelle suchen.
Andere Orte der Trauer gewinnen in Zeiten der anonymen Gräber an Wichtigkeit. In Kirchen kann gebetet und eine Kerze angezündet werden. Und in bestimmten Gottesdiensten im Jahresverlauf wird der Verstorbenen auf besondere Weise gedacht, wie am Ewigkeitssonntag („Totensonntag“), dem Sonntag vor dem 1. Advent, oder dem Friedenssonntag („Volkstrauertag“), dem Sonntag vor dem Ewigkeitssonntag, an dem in besonderer Weise der Opfer von Kriegen gedacht wird.
Gräber sind sichtbare Orte der Erinnerung an einen Menschen. Sie bieten den Hinterbliebenen einen Ort, an dem sie trauern, sich erinnern und beten können.Je nach religiöser Tradition sehen Gräber unterschiedlich aus. Sie werden meist mit einem Namensstein versehen, mit Blumen oder Pflanzen. Auch Grablichter, Fotos oder persönlichen Gegenständen des Verstorbenen erinnern dort an den Verstorbenen.
Die Bestattungsformen ändern sich. Längerfristige Bindungen in den Familien und religiösen Gemeinschaften weichen der Mobilität und Individualisierung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse. Und das verändert auch die traditionellen Formen der Bestattung und Trauer. Besonders in den Städten nehmen anonyme Bestattungen zu. Dabei werden die Verstorbenen in Gräber ohne Namenssteine beigesetzt - oft ohne die Anwesenheit von Angehörigen. Manche wünschen, die Urne mit der Asche des Verstorbenen im eigenen Garten oder Haus zu behalten. Dies ist in Deutschland nicht erlaubt, weil es der Vorstellung von der Totenwürde widerspricht. Die Toten sollen ihren eigenen Ort der Ruhe finden, an einem Ort, der für Trauernde allgemein zugänglich ist.
Die Gründe für die Zunahme anonymer Bestattungsformen sind vielfältig. Sie können dem individuellen Trauerempfinden entspringen. Sie können Folge eines einsamen Lebens und Sterbens eines Menschen sein, der keine Familie oder enge Bindungen an Menschen mehr besitzt. Oder Angehörige wohnen weit entfernt und sollen nicht mit der Grabpflege bzw. hohen Bestattungskosten belastet werden. Gleichzeitig tritt die Realität von Sterben, Tod und Trauer immer mehr aus dem Bewusstsein der Lebenden.
Mittlerweile finden sich auch Gedächtnisseiten im Internet, auf denen Menschen der Trauer einen Ort geben, indem sie mit kurzen Texten oder Gedichten, Bildern oder Fotos, Tondokumenten oder Filmen eines Verstorbenen gedenken bzw. nach dem eigenen Tod ein Zeichen der Erinnerung setzen. Im Trauernetz der evangelischen Kirche können sich Menschen z.B. ins „Trauerbuch“ eintragen, ihrer Trauer Ausdruck geben oder lesen, wie andere Menschen mit ihrer Trauer leben.


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