Hilfe für Trauernde
Den Weg der Trauer gehen
Jede Trauer verläuft anders: Aber auf dem Weg gibt es bestimmte Stationen, die angesteuert werden, um Abschied nehmen zu können. Und dabei verläuft dieser Weg meist nicht gerade wie durch flaches Land, sondern wellenförmig, wie durch eine hügelige Landschaft.
1.) Die Realität des Todes akzeptieren
Es ist sehr schmerzhaft und kostet viel Kraft zu akzeptieren, dass ein naher Mensch nicht mehr lebt und nicht wieder kommen wird. Dabei hilft es klar auszusprechen: Er / Sie ist tot. Mein Leben wird sich ändern. Vielen hilft dabei, den Toten noch einmal zu sehen und ihn vielleicht auch ihn zu berühren. (Lesen sie hierzu auch: Den Toten noch einmal sehen).
2.) Gefühle und Reaktionen zulassen
Gehen sie behutsam mit sich und anderen um. Trauernde brauchen viel Zeit zum Zuhören, Erzählen und Erinnern. Damit verarbeiten sie ihre Trauer. Darum lassen sie sich Zeit, wenn sie selbst trauern. Sie brauchen sich nicht drängen oder hetzen lassen. Wenn sie Trauernden helfen wollen, gehen sie auf sie zu und verabreden sich. Bieten sie ihre Aufmerksamkeit und Zeit für Gespräche an, ohne zu bedrängen.
Gefühle besitzen einen größeren Stellenwert als vielleicht sonst. Auch wenn sie in der norddeutschen Mentalität oft eher verborgen bleiben. Es ist nicht gleich ein Zeichen mangelnder Trauer, wenn „nicht genug geweint“ wird. Aber rechnen sie andererseits auch damit, dass Gefühle stärker gezeigt werden als sonst. Das kann von Traurigkeit und Verzweiflung bis zu großer Wut reichen. Ermutigen sie dazu, Gefühle in geschützten Situationen zuzulassen. In der besonderen Situation der Trauer dürfen Menschen auch besonders reagieren. Sie werden sich auch an Schönes und Lustiges erinnern, und vielleicht auch lachen. Auch das hilft in der Zeit der Trauer.
In der Trauer helfen selten rationale Erklärungen oder Schuldzuweisungen. Was hilft sind Mitgefühl, Aushalten, persönlicher Beistand und wo nötig öffentliche Solidarität. Sagen sie als Trauernder den Angehörigen aktiv, was sie jetzt brauchen: Nähe, Alleinsein, Gespräche, Begleitung, Hilfen und Entlastung bei Behördenangelegenheiten. Denn oft sind sie unsicher, wie sie sich angemessen verhalten sollen.
3.) Den Verlust anerkennen
Der Schmerz der Trauer kann nicht mit Weisheiten klein geredet („Zeit heilt alle Wunden“), der Verlust und seine Folgen nicht verharmlost werden („jetzt ist er erlöst“). Und Floskeln vermögen nicht zu trösten („Das Leben geht weiter“). Auch wohlgemeinte Ratschläge (“du solltest nicht so oft zum Friedhof gehen“) helfen nicht, den Weg der Trauer schneller zurückzulegen. Es braucht mitunter viel Zeit, den Verlust anzuerkennen. Helfen sie Trauernden zu akzeptieren, das etwas nicht mehr gemeinsam gelebt oder zu Ende gebracht werden kann, z.B. der Wunsch miteinander alt zu werden. Was hilft ist eine konkrete Form der Unterstützung, seelisch, sozial, materiell („ich bin bei dir, ich helfe dir, das durchzustehen, du kannst mich anrufen, wenn du nicht allein sein willst, darüber sprechen willst, Hilfe mit den Behörden brauchst“).
4.) Einen klaren Abschied ermöglichen
Hierbei spielen die Trauerfeier und die Abschiedsrituale eine besondere Rolle. Dazu gehört für viele, Trauerkleidung zu tragen, sich dem Toten zuzuwenden, am Totenbett, in der Trauerfeier, am Grab, als letzten Gruß Erde in das Grab zu werfen und sich dann umzudrehen, sich vom Toten zu verabschieden und zu den Lebenden zurück zu kehren.
Es gibt hier viele gewachsene Traditionen und Rituale, die die Trauernden entlasten und verbinden. Viele finden im Kreis von Angehörigen und Freunden in dieser Zeit einen besonderen Rückhalt. Der Rahmen einer kirchlichen Trauerfeier und die Ansprache des Pastors / der Pastorin und die Begleitung zum Grab werden von vielen Menschen als schützend und tröstend erlebt.
5.) Erinnern, bewahren und weitergeben
Gespräche sind wichtig, in denen sie sich gemeinsam an den Verstorbenen / die Verstorbene erinnern, mit Geschichten, Briefen, Fotos, Videos, Musik, Basteleien, Genähtem oder Gesticktem. Dabei wird bedacht, was der / die Verstorbene einem bedeutet hat, was verloren ist, was bleibt, was im eigenen Leben aufgenommen und was in seinem Sinne aber doch auf die eigene Weise weitergeführt werden kann, z.B. durch spenden, unterstützen einer Initiative im Sinne des / der Verstorbenen.
Der / die Verstorbene ist nicht einfach verloren oder vergessen – aber erhält einen neuen Platz, ganz körperlich auf dem Friedhof, aber auch im Rahmen der Erinnerung unter Angehörigen und Freunden, und in der Perspektive des Glaubens, den Verstorbenen in den Händen Gottes zu wissen. Im Gebet kann die Klage über den Verlust ausgedrückt werden, aber auch der Dank für dieses Leben, die Bitte um Vergebung, wenn etwas offen geblieben ist.
Alles braucht und hat seine Zeit: Erinnerungen wachrufen, darüber sprechen und schweigen, zu beten und an Gottesdiensten teilnehmen, das Grab besuchen und pflegen, an gemeinsame Orte zurückkehren und neue Wege zu gehen. Der Weg durch die Trauer führt dann vielleicht zu einem ganz neuen Lebensabschnitt. Dieser kann durch neue Freundschaften, eine neue Ehe oder Partnerschaft erfüllt sein, oder auch durch eine Vertiefung des Beruflebens oder eines Hobbys.


kirche-bremen
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