Hintergrund: Die evangelische Trauung
In der evangelischen Kirche ist die Trauung ein Gottesdienst anlässlich einer staatlichen Eheschließung. Das Brautpaar bekräftigt in einem öffentlichen und festlichen Rahmen sein „Ja“ zueinander. Und die christliche Gemeinde bittet für das Paar um den Segen Gottes, freut sich mit ihnen und versichert ihnen für die Zukunft ihren Beistand.
Wie in vielen anderen christlichen Kirchen ist die Ehe im evangelischen Verständnis auf Lebenszeit angelegt. Sie bedarf der Liebe, des gegenseitigen Verständnisses, aber auch der jeweils eigenen Freiheit der Partner, um wachsen zu können und so die Grundlage für eine tiefe Partnerschaft und ggf. Familie mit Kinder zu legen. Den Willen dazu bekräftigt das Brautpaar im Trauversprechen („Ja, mit Gottes Hilfe!“)
Anders als in der katholischen Kirche ist es aber in der evangelischen Kirche möglich, nach einer Ehescheidung erneut kirchlich zu heiraten. Denn Gottes Segen gilt unabhängig davon,
ob Menschen ihre erste oder eine weitere Ehe eingehen, eben bei jedem Neuanfang.
Die Ehe biblisch und theologisch betrachtet
In der Bibel findet sich keine allgemein gültige Ehelehre, sondern vereinzelte Aussagen zur Ehe aus unterschiedlichen Zeiten und Zusammenhängen. Sie entspringen einer Lebenswirklichkeit,
die von der jetzigen sehr verschieden ist. Darum werden biblische Aussagen zur Ehe und Partnerschaft in den christlichen Kirchen teils unterschiedlich theologisch gedeutet. In der Evangelischen Kirche gibt es keine einheitliche Lehrmeinung zu Fragen der Ehe oder Sexualität. Jedoch finden sich in der Bibel Aussagen, die auch heute wichtig und tragend sind.
„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei!“ beginnt ein bei vielen Trauungen verlesener Text aus der Schöpfungsgeschichte des Alten Testamentes, in der Gott den Menschen als Mann und Frau erschafft. Der Mensch ist von Gott geschaffen als ein auf Beziehung und Partnerschaft angewiesenes Wesen. Und er findet sie in der dauerhaften Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau.
Die Ehe als eine solche Lebensgemeinschaft bietet ein Fundament für menschlichen Zusammenhalt, Stärke und Solidarität. Und damit bietet die Ehe einen Schutzraum für die Partner ebenso wie für heranwachsende Kinder. Darum wird sie durch Staat und Kirche geschützt und gefördert.
„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ In der Bibel wird an vielen Stellen die Bindungskraft der Liebe zwischen Menschen beschrieben, wie hier im „Hohelied der Liebe“. Sie reicht von der körperlichen bis zur geistigen Verbundenheit, gegenseitiger Treue und Vergebung bis zur Solidarität mit anderen und über eigene Interessen hinaus. Und in all dem ist sie ein Zeichen der Liebe Gottes.
Darum werden in Traugottesdiensten gerne biblische Texte über die Liebe verlesen und im Blick auf das Brautpaar ausgelegt. Vielfach wird hierbei ein zentraler Leitgedanke des Apostels Paulus aufgenommen, dass Christen und Christinnen zur Freiheit berufen sind, die einander in Liebe dienen und die Last des anderen tragen.
„Was Gott zusammen gefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden!“ Über den Sinn und die Weisheit dieses Satzes Jesu wird heute oft nachgedacht. Im damaligen Zusammenhang war es zunächst Jesu Antwort auf die ihm gestellte Frage, ob es Männern erlaubt war, sich von ihren Ehefrauen zu trennen. Im damaligen patriarchalen Rechtssystem kam das einer Verstoßung der Frau gleich – eine Form des Ehebruchs durch die Männer. An anderer Stelle schützt Jesus eine Ehebrecherin vor der Steinigung durch Männer, die sich hochmütig als Richter aufspielen. Ihnen sagt er: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“
Die Evangelische Kirche lässt sich (nicht nur) in ihrem Eheverständnis von diesem Geiste Jesu leiten. Beziehungen, Partnerschaft und Ehe stehen damals wie heute unter Belastungsproben und können zerbrechen. Sie bedürfen des Segens, der Stärkung, der Vergebung und Erneuerung. Darum begleitet und stärkt die Kirche die Menschen in ihrem Zusammenleben: Mit Gottesdiensten und Kindergärten, Beratungs- und Seelsorgeangeboten, und vielem mehr.
„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
In den vergangenen Jahrzehnten ist in der evangelischen Kirche auch das Bewusstsein dafür gewachsen, dass auch in anderen Lebensformen als der Ehe die Liebe zur Entfaltung kommt, z.B. bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Dies findet seinen Ausdruck in der Segnung schwuler und lesbischer Paare. Je nach Gemeindetradition bestehen aber noch unterschiedliche Haltungen zu gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften und deren Segnung. In Bremen erhalten Sie nähere Auskünfte hierüber im „Ev. Informationszentrum – Kapitel 8“ und unter dem Thema "Segnung".
Rat & Hilfe bei Fragen bzw. Konflikten in der Partnerschaft, Ehe oder bei einer Schwangerschaft finden Sie bei der Familien- und Lebensberatung der Bremischen Evangelischen Kirche
Texte im Zusammenhang mit Liebe, Partnerschaft und Ehe - in der Online-Bibel:
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sein … aus der Schöpfungsgeschichte: 1.Mose 2
Stark wie der Tod ist die Liebe … aus dem „Hoheslied“ des Alten Testamentes: Hoheslied 2 + Hoheslied 8,6+7
Jesus zur Ehe: Matthäus-Evangelium 19,1-12 + Johannes-Evangelium, 8,1-11
„Glaube, Hoffnung, Liebe …“ - Das Hohelied der Liebe: 1. Korintherbrief 13
Zur Freiheit berufen – einander in Liebe dienen: Galaterbrief, 5,1 – 6,10
Gott ist Liebe …: 1. Johannesbrief 4,7-21
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