Reformationstag
Bedeutung
Am 31.10.1517 nagelte der Augustinermönch Martin Luther am 31.10.1517 seine 95 Thesen zum Ablasshandel der Kirche an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Es war üblich, seine Thesen an der Kirchtür zu befestigen, sozusagen dem schwarzen Brett der Universität, wenn eine Auseinandersetzung unter den Gelehrten der Universität in Wittenberg geführt werden sollte. Ablassprediger zogen durch die Straßen und verkauften für viel Geld Ablassbriefe. Mit denen konnten sich die Menschen von den zeitlichen Strafen vor Gott für ihre Sünden freikaufen, in dem Glauben, sie erlangten so die Vergebung Gottes. Die Einnahmen dienten dem Papst z.B. dazu, die Peterskirche in Rom zu bauen. Manche Bischöfe finanzierten mit dem Ablasshandel die Abzahlung eigener Schulden. Hierzu bezog Luther mit seinen Thesen kritisch Stellung. Und seine Thesen entfalteten in kurzer Zeit eine große öffentliche Wirkung.
Die Reformatoren wollten die bestehende Kirche erneuern und sie zum geistigen Ursprung der neutestamentlichen Botschaft zurückführen, eben re-formieren.
Luther wollte ursprünglich nur klären, ob weiterhin Ablassbriefe verkauft werden sollten. Ein zentrales reformatorisches Anliegen Luthers war z.B. die Rückbesinnung auf das unverfälschte Wort der Bibel in der Landessprache. Er erkannte während seiner intensiven Bibelstudien als Kernaussage des Evangeliums, dass Gott die Vergebung von Strafe und Schuld auch ohne Ablassbriefe und Zahlungen an die Kirche gewährt, wenn der Christ wirkliche Reue und Leid über seine Sünden empfindet (These 36). Weil sich die mittelalterliche Papstkirche einer aber Reform verweigerte, wurden seine Thesen, nach früheren erfolglosen Reformversuchen durch andere, zum Auslöser für eine weitreichende Reformation der Kirche. Dabei wurde Luther zu einer zentralen Leitfigur dieser Erneuerungsbewegung in Deutschland. In der Schweiz waren es der Züricher Reformator Ulrich Zwingli (1484-1531) und der Genfer Reformator Johannes Calvin (1509-1564), unter deren Führung sich die Reformation dort vollzog. Im weiteren Verlauf kam es zu der von Luther ursprünglich nicht beabsichtigen Bildung der evangelischen Kirche(n). Neben der katholischen Kirche wuchsen nun die evangelische, lutherische Kirche in Deutschland und die reformierte, calvinistische Kirche in der Schweiz zu eigenständigen Konfessionen heran.
Die Reformation veränderte das religiöse, kulturelle und politische Leben der folgenden Jahrhunderte in vielen europäischen Ländern.
Der Christ war nach reformatorischem Verständnis in seinem Glauben vor allem seinem Gewissen vor Gott verantwortlich, weniger der Kirche und ihrer Lehren. Als Orientierung und Maßstab diente die Bibel und das Evangelium von Jesus Christus. Damit die Christen es selbst bedenken und verstehen konnten, übersetzte z.B. Luther die Bibel ins Deutsche. Die Gottesdienste und Predigten erfolgten nun in der jeweiligen Landesprache. Aus dieser Religiosität entsprang eine Vielzahl neuer Predigten, Gebete und Lieder, die durch den aufkommenden Buchdruck schnell eine große Verbreitung erfuhren. In der Feier des Abendmahls wurde der Bedeutung des einzelnen Christen auch darin Ausdruck verliehen, dass Brot und Wein mit allen Gläubigen geteilt wurde, als Zeichen der Zugehörigkeit zur Gemeinde unter dem Priestertum aller Laien und der geschenkten Vergebung Gottes. Bibel und Kelch erscheinen so oft als Symbol der Reformation.
Die Reformation gab seitdem eine Vielzahl wichtiger Impulse bis in unsere Zeit hinein.
Sie förderte das allgemeine Schulwesens und die Volksbildung. Das protestantische Prinzip der Gewissensfreiheit trug zur Bildung säkularer, vom kirchlichen Recht unabhängiger Staaten bei, und ermöglichte Entwicklungen hin zu demokratischen Verfassungen auf der Wertebasis einer christlichen Kultur. Die weltliche Berufstätigkeit eines Menschen erfuhr eine besondere Wertschätzung. Nicht nur der Mönch oder Priester, sonders auch der Christ als Laie in seinem weltlichen Leben und Arbeiten ist von Gott in seiner Verantwortung für die Welt auf eine jeweils besondere und einzigartige Weise gesandt und gesegnet. Viele Mönche gaben wie Martin Luther das Leben im Kloster auf, dienten Gott in einem weltlichen Beruf und durften von nun an auch eine Ehe führen.
Der Reformationstag gilt für die evangelische Kirche darum heute nicht nur als Gedenktag an die Reformationszeit, sondern gleichzeitig auch als Gelegenheit zur Selbstbesinnung und Selbstprüfung.
Denn eine Kirche der Reformation bleibt auf Erneuerung und neue Aufbrüche angewiesen. In den einzelnen Landeskirchen wurde der Feiertag je nach dem Termin der Einführung der Reformation zu verschiedenen Zeiten gefeiert. Johann Georg II. von Sachsen bestimmte 1667 den Tag des "Thesenanschlags" zum Reformationstag, der sich allgemein durchsetzte. Der Reformationstag ist nur in den neuen Bundesländern, nicht aber in Berlin und im alten Bundesgebiet gesetzlicher Feiertag. In Thüringen wird dieser Tag nur in überwiegend evangelischen Gegenden als gesetzlicher Feiertag begangen. Die liturgische Farbe des Reformationstages ist rot, als Farbe des Wirkens des Heiligen Geistes und der verändernden Liebe Gottes.
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