Sonntag
Sonntagsschutz in Bremen
Unter dem Motto „Gott sei Dank, es ist Sonntag“ startet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) eine Werbeinitiative zum Schutz des Sonntags. Der Schriftführer in der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Renke Brahms, nimmt Stellung zur Situation in Bremen.
Ich begrüße die Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Schutz des Sonntags. Hiermit knüpft sie an die erfolgreiche Aktion "Ohne Sonntag gibt´s nur noch Werktage" an, mit der sie 1999 erstmals auf die zunehmende Gefährdung der Sonntagsruhe aufmerksam gemacht hatte. Hintergrund der neuen Aktion ist die Tatsache, dass die Ladenöffnungszeiten immer deutlicher ausgeweitet werden. Wir beobachten dies seit Jahren mit wachsender Sorge. Deshalb unterstützt die Bremische Evangelische Kirche diese Initiative ausdrücklich.
Viele Menschen müssen sonntags arbeiten - zum Wohle der anderen sind sie in der Landwirtschaft, in Krankenhäusern oder bei Polizei und Rettungsdiensten tätig. Daneben wird sonntags aber mehr und mehr verkauft und eingekauft, mehr produziert und mehr gearbeitet. Was ist noch die Regel, was die Ausnahme? Die Grenzen sind fließend geworden. Viele Menschen empfinden Sonn- und Feiertage als besondere Zeiten für den besonderen Konsum. Die Kommunen folgen diesem Trend und genehmigen immer häufiger Ladenöffnungen an Sonn- und Feiertagen. Bäckereien bieten ihrer Kundschaft auch sonntags frische Brötchen, Tankstellen und Autowaschanlagen, Solarien und Fitnesscenter sind geöffnet und Call-Center erreichbar.
Ich halte es für besonders problematisch, dass es in Bremen nicht nur vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr gibt, sondern die Termine hierfür auch noch in den einzelnen Stadtteilen unterschiedlich festgesetzt werden. Diese Reihum-Öffnungen haben den Effekt, dass man eigentlich jeden Sonntag irgendwo in Bremen einkaufen kann, denn irgendein Shopping-Center ist sicher geöffnet. Doch sonntags einkaufen können nur die Menschen, die auch sonntags frei haben. Und die Belastung für die Familien und die zusätzlich sonntags Beschäftigten nimmt mehr und mehr zu.
Zudem beginnt nach christlicher Auffassung die Sonn- und Feiertagsruhe bereits am Vorabend. Deshalb ist es sehr bedauerlich, dass man in Bremen den Samstagabend nicht wenigstens ab 20 Uhr schützt. Hier beginnt der sonntägliche Ladenschluss erst um genau 0 Uhr. Beschäftigte in einem Supermarkt mit Abendöffnung haben kaum Zeit zum Atemholen und zur Einstimmung auf den Sonntag.
Wer den Sonntagsschutz in Frage stellt, der stellt auch den Schutz der Beschäftigten in Frage. Dem seit April geltenden Bremer Ladenschlussgesetz zu Folge können Arbeitnehmer an bis zu 22 Sonntagen pro Jahr beschäftigt werden und die meisten haben nur alle drei Wochen ein Recht auf einen freien Sonntag. Daran sieht man deutlich, dass der Sonntagsschutz in Bremen auf der Kippe steht.
Für die Bremische Evangelische Kirche gilt: Der Sonntag ist ein wertvolles Geschenk für alle Menschen. Woche für Woche wiederkehrend, verlässlich wie Tag und Nacht, Abend und Morgen, gibt er dem gesellschaftlichen Leben den notwendigen Zeitrhythmus.
Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen in Bremen, dieses Kulturgut entschlossen und nachhaltig zu schützen, damit der Sonntag auch zukünftig vom Werktag unterschieden werden kann. Leben ist mehr als kaufen und verkaufen, produzieren und konsumieren, leisten und schuften, daran erinnert uns der Sonntag. Er unterbricht den Alltag zum Ausspannen und Aufatmen. Er schafft freie Zeit und Freiraum für Muße und für die Fragen nach Grund und Perspektiven des Lebens und des Zusammenlebens. Gott sei Dank, es ist Sonntag!


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