St. Ansgarii Gemeinde
Feste im Kirchenjahr
Reformation
St.Ansgarii hat einen ganz besonderen Bezug zur Reformation. Im Jahre 1522 hielt der niederländische Augustinermönch Heinrich von Zytphen die erste evangelische Predigt in Bremen, und zwar in einer Seitenkapelle der alten St.Ansgarii-Kirche. Zwei Jahre konnte er, geschützt durch den Rat der Stadt, hier wirken und die reformatorischen Ideen verbreiten. Er hatte in Wittenberg studiert und war Schüler von Luther gewesen. Später, außerhalb unserer Stadt, fiel er dann doch dem Bremer Erzbischof in Dithmarschen in die Hände, der ihn in Heide ohne Prozeß auf den Scheiterhaufen brachte. Nun kann man sich wohl auf Traditionen ausruhen, sich gelegentlich ruhmreiche Vergangenheit anstecken und damit sein Gewissen beruhigen. Aber es gilt der alte Grundsatz: ecclesia semper reformanda (Die Kirche ist beständig zu erneuern). Die Kirche hat in den darauf folgenden Jahrhunderten manchen Wechsel erlebt, St.Ansgarii war lutherisch, wurde reformiert, später gab es lutherische und reformierte Prediger gleichzeitig, dann war sie wohl spätestens im 20 Jhdt. uniert, versuchte wie viele andere Gemeinden die Gegensätze der beiden reformatorischen Richtungen zu überwinden. Heute ist sie volkskirchlich orientiert, versteht sich als integrative Gemeinde, in der Traditionen lebendig blieben, die aber auch aufgeschlossen ist für die Themen der Gegenwart. Gelegentlich mag dabei aber doch die Frage aufkommen, wo der rechte Weg zwischen Anpassung an Bedürfnisse der Gegenwart und dem Widerspruch gegen wertauflösende Tendenzen in unserer Gesellschaft liegt. Ist der reformatorische Impuls bis in die Gegenwart durchgeschlagen? Wie radikal geht die Gemeinde mit sich selbst um? Welche Werte vermittelt sie indirekt? Wie stark ist sie mit der Selbsterhaltung beschäftigt, dass sie ihrem Auftrag vielleicht nicht mehr gerecht wird? Auf einem Reformationsgespräch der Gemeinde Ende Oktober wurde ihr dies ins Stammbuch geschrieben: Sich nicht so sehr mit sich selbst zu beschäftigen, trotz knapper werdender Mittel, sondern zuversichtlicher zu sein und wagemutiger. Vielleicht auch fantasievoller. Ein durchaus reformatorischer Gedanke. Wir werden sehen, was sich aus ihm entwickelt.
Jürgen Mann
Passionszeit – Zeit der Leidenschaft Gottes
Nach dem Karneval der Aschermittwoch, und dann die Passionszeit: Bei uns Evangelischen merkt man von ihr nicht viel. In Bremen nimmt man es ohnehin mit dem Ende der Faschingszeit nicht so genau. Anders in katholischen Gegenden. Da wird nach dem Aschermittwoch nicht mehr gefeiert, die Fastenzeit beginnt. Und sie geht bis Ostern. Wir kennen das Fastengebot nicht, und deshalb ist auch diese ganze Zeit nicht so in unserem Bewusstsein. Sie heißt nach evangelischer Tradition Passionszeit, Zentrum evangelischer Theologie ist das allein selig machende Leiden und Sterben Jesu Christi.
Passion, dieses Wort kennen wir inzwischen hauptsächlich aus einem anderen Zusammenhang. Wir bezeichnen damit die Leidenschaft eines Menschen für irgendeine Sache, meist ein Hobby: Da ist jemand passionierter Koch oder passionierte Gärtnerin oder Briefmarkensammler oder … Aber wie in Leidenschaft steckt auch in Passion das Leiden drin: Man betreibt eine Sache so intensiv, dass man dafür auch Leiden in Kauf nehmen könnte. Und manchmal leiden auch andere unter unseren Passionen.
Die Passion Christi hat durchaus etwas mit Leidenschaft zu tun: Mit der leidenschaftlichen Liebe Gottes zu uns, die in ihrer Intensität bis zum Äußersten geht, bis zum Leiden, bis zum Tod. Für uns nimmt Gott alles auf sich. Aus keinem anderen Grund, als leidenschaftlich um unsere Gegenliebe zu werben. „Seht, solch eine Liebe hat Gott zu uns …“ heißt es in der Bibel. Dass dies ein Leidensweg ist, auf dem Gott verachtet, verstoßen und einsam wird, einsam bis zum Tod, so einsam, wie nur ein unbeirrbar Liebender sein kann, das zeigen uns die biblischen Geschichten der Passionszeit. Es sind Geschichten von diesem Weg Gottes, der in Jesus greifbar wird.
Erst wenn man mit diesen Geschichten durch diese Zeit geht, wird man ahnen, was hinter ihnen steht. Das war in alten Kirchenzeiten nicht nur zu den Sonntagen üblich, sondern auch im Alltag. Das wird übrigens – recht verstanden – keine traurige Predigt sein, wie manche annehmen. Wir sind nicht zum Mitleiden aufgefordert, sondern dazu, uns diese leidenschaftliche Liebe gefallen zu lassen.
Lesen Sie es doch mal nach: In der Bibel, im Neuen Testament, in den Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Jeder erzählt es ein wenig anders, auf dass wir uns einen Reim auf Gottes leidenschaftliche Liebe machen sollten. Sie haben keine Bibel? Sie haben Fragen zu diesen Geschichten? Wir, Pastorin und Pastor von St. Ansgarii helfen Ihnen gerne weiter.
Betrachtung des Gekreuzigten als Auferstehenden zur Passionszeit
Unbemerkt, in der Stille, im Wechsel von Nacht zum Tag die Auferstehung.
Keiner hört es, keiner sieht es. Gott ist mit sich allein. Er überwindet den Tod. Noch hält die Finsternis ihn fest. Noch ist zu sehen, woher er entstieg: Die alles verschlingende Dunkelheit. In ihr gibt es keine Konturen, da löst der Mensch sich auf. Hat keinen Anfang, hat kein Ende, sieht kein Ziel. Wird so zum Nichts.
Doch Gott ruft uns aus der Finsternis heraus. Sein Wort gibt uns Gestalt, macht uns zur Person. Wenn er uns anspricht, wird es licht um uns und wir sehen. Wir sehen uns und erkennen, wer wir sind.
Der Christus, der Gekreuzigte, hat die Füße noch im Dunkel. Doch oben ist er schon im Licht. So langsam gewinnt er Gestalt. Noch hält er wie in Todesstarre die Arme, noch ist er der Gekreuzigte. Und er wird es bleiben. Denn das wird nicht ungeschehen gemacht durch die Auferstehung. Die Spuren des Lebens, die Spuren des Todes, sie sind sichtbar. Das sind wir. Das macht uns aus. Das
gehört zu uns, macht uns unverwechselbar. Niemand außer uns lebt unser Leben. Wenn uns jemand fragt, wer wir sind, dann sagen wir: Ich habe so gelebt. Der, die bin ich.
Der Auferstandene wird an seinen Narben erkannt. Thomas legt seine Finger darauf. Erst dann kann er glauben. Auch wenn wir sterben
müssen, verlieren wir nicht unser Leben. An unserem Leben wird man uns erkennen. Aber wie es auch immer war, es wird neu im Licht von Ostern. Es beginnt zu leuchten, zu glänzen.
So schwarz die Tiefe auch ist, so dunkel auch der Wolkenhimmel, das Licht ist da. Das Licht des Morgens. Es wird sich durchsetzen. Und wir werden ganz im Licht sein. Wir werden ganz zu erkennen sein, auch die Füße sind nicht mehr in der Finsternis. So kommen wir ins Leben, als die, die wir waren, aber doch
neu. Im Anruf Gottes, in der Anrede an uns, in der Verheißung werden wir Mensch. Das heißt Auferstehung.
Jürgen Mann
Weihnachten
Weihnachten wird die Geburt Jesu Christi gefeiert. Gott wird in seinem Sohn Jesus Christus als Mensch geboren. Die davor liegende Adventszeit ist die Zeit des Vorbereitens und Wartens.
Weihnachten zählt zu den beliebtesten christlichen Festen. Der Charakter dieses Festes hat sich in den Jahrhunderten stetig verändert. Ab dem 16. Jahrhundert wurde Weihnachten zunehmend zum Kinderbeschenktag mit Christbaum und Krippe; ab dem 18. Jahrhundert entwickelt es sich zu einem Familienfest.
Karfreitag
Karfreitag wird der Kreuzigung Jesu Christi gedacht. Jesus wurde gekreuzigt, weil die Schriftgelehrten Jesus nicht glauben wollten, dass er Gottes Sohn ist. Sie empfanden dies als Gotteslästerung.
Für viele evangelischen Christen ist es der höchste Feiertag im Jahr. Karfreitag erlöschen die Kerzen als Zeichen für das lebendige Licht, das Jesus Christus selbst ist. Sie werden erst in der Osternacht wieder am Osterlicht entzündet.
Ostern
Ostern erinnert an die Auferstehung Jesu Christi und die Überwindung des Todes. Ostern wird darum auch als das Fest der Hoffnung gefeiert. Die Osterkerze steht für die Gegenwart des Auferstandenen unter den Menschen.
Der Ostertermin ist variabel; der Ostersonntag fällt immer auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.
Christi Himmelfahrt
An Christi Himmelfahrt wird 40 Tage nach Ostern der endgültige Eintritt von Jesus in die göttliche Herrlichkeit begangen. Die Präsenz Jesu Christi zeigt ihn nicht als der Welt entrückt, sondern auf eine neue Art und Weise in ihr anwesend. Mit der Auferstehung hat Jesus Christus den Himmel als Dimension des Einsseins von Gott und Mensch erst begründet.
Pfingsten
Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. 50 Tage nach Ostern kommt der Geist Gottes in den Menschen hinein und bestimmt sein Denken und Handeln. Pfingsten wird darum auch als der Geburtstag der Kirche verstanden.
Buß- und Bettag
Der Buß- und Bettag wird als Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben begangen, und zwar am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag (11 Tage vor dem ersten Adventssonntag).


kirche-bremen
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