Kirchengemeinde in der Neuen Vahr
Heilig-Geist-Kirche
Ihr Kern sammelte sich zuerst mit Pastor Dr. Werner Kallweit in einem Familien-Reihenhaus. Dann benutzte man zwei Jahre lang eine kleine hölzerne „Wanderkirche“, bis 1964 das Kirchenzentrum am Mittelkampsfleet bezugsfertig war. Wie sieht die Bilanz aus, wenn man auf eine Zeit voller Ansätze, Experimente, Abbrüche zurücksieht? Sie sei „eine Gemeinde ohne eindeutige Erfolgsgeschichte“, heißt es in einer Rückschau von „Heiliggeist“ recht nüchtern. Manchmal mute das kirchliche Tun an „wie ein Bahnhof: sie kommen und gehen.
Sicher trägt zu dieser Bilanz die spezielle Situation in dem Stadtteil bei. War die Gründungsphase gekennzeichnet durch den Zugang vieler junger Familien, die sich noch in großer Zahl zur Gemeinde zählten, so hat sich im Laufe der Zeit die Bevölkerungsstruktur erheblich verändert. Erwachsen gewordene Kinder zogen fort, der Anteil der Alten stieg. In freiwerdende Wohnungen ziehen vielfach ausländische Familien oder Aussiedler ein.
Dennoch hat es in der Heilig-Geist-Gemeinde zahlreiche Bemühungen gegeben, das Zentrum zu einer Begegnungsstätte für die „Vahraonen“ zu machen. Der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wurde Vorrang eingeräumt. Im Tagesheim mit 132 Plätzen gibt es inzwischen einen großen Anteil nichtchristlicher Kinder. „Anonyme Alkoholiker“ treffen sich im Zentrum ebenso wie Senioren und Frauengruppen. Bei allen diesen Aktivitäten ist man sich aber dessen bewusst, dass „Kirche nicht leben kann ohne den ständigen Bezug zur Bibel“. Dabei wird dem Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung größtes Gewicht beigemessen. So erklärte sich die Gemeinde in den achtziger Jahren zur „Atomwaffenfreien Zone“ und errichtete einen Friedensgedenkstein mit deutsch-türkischer Inschrift. Eine reiche Palette liturgischer Formen eröffnet immer neue Zugänge zur Frohen Botschaft. Alles in allem: eine problemorientierte Gemeindearbeit, die „sensibel ist für die derzeitige Tagesordnung“.
Das Zentrum der Heilig-Geist-Gemeinde ist als Mehrzweckbau errichtet worden. Eine „einfache, asketische, archaische Grundform“ hat ihm der Architekt Prof. Gerhard Müller-Menckens gegeben. Von einer Mauer mit Freitreppe eingerahmt, hebt es sich deutlich von seiner Umgebung ab. Der freistehende Turm markiert die Begrenzung des Kirchplatzes. Die Kirche zieht durch ihren warmen Grundton an, der von dem handgefertigten Ziegelbau und den naturbelassenen Materialien herrührt. Die Eingangstür, von Prof. Gerhart Schreiter entworfen, stellt das Speisungswunder dar und lädt zum Eintreten ein. Die blau-grün-graue Farbskala der Bleiglasfenster (Johannes Schreiter) wird gegen den Altarbereich zu immer heller, „als wenn ein Vorhang allmählich und immer kraftvoller angehoben würde“. Das kleine, stark rot getönte Fenster im Chorraum sowie ein Chorfenster, das dem Altarraum indirektes Licht gibt, stammen als Künstlerentwurf von Georg Höge. Der Altar selbst, die Kanzel und der Taufstein aus Basaltlava wurden mit den Details von Klaus-Jürgen Luckey gestaltet. Die Orgel ist von Alfred Führer hergestellt. Durch leichte Veränderungen ist das ursprünglich betont sakrale Kirchengebäude in einen mehr gemeinschaftsorientierten Gottesdienstraum verändert worden.


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