kurz & gut
Mittwoch, 4. April 2012
Passionsgeschehen: Verrat
Verrat. Was in der Karwoche geschehen ist, ist offenbar zeitlos. So wie sich die Menschen verhalten haben, so verhalten sie sich heute. Das ist wohl eine menschliche Konstante. Verrat gehört dazu.
Ich denke an Judas. Er gehört zu den Jüngern, er ist Teil einer verschworenen Gemeinschaft. Er ist sicher ein glühender, vielleicht allzu glühender Anhänger Jesu. Aber er hat ihn ganz und gar und überhaupt nicht verstanden. Er hat seine vorgefasste, überlieferte Vorstellung vom Messias. Von dem, der Macht und Herrlichkeit bringen soll, der endlich aufräumen soll mit den römischen Besatzern. Und so hilft er nach. Er verrät Jesus, damit er endlich seine Macht zeigt, damit er endlich demonstriert, was ein Messias ist. Er hat nichts begriffen, und als er das erkennt, verzweifelt er und bringt sich um - mit den läppischen Silbertalern hat das nichts zu tun.
Auch wir sind gerne Anhänger, bringen uns ein. Wenn wir allerdings merken, dass es nicht nach unseren Vorstellungen geht, dann werden wir radikal, dann werden wir fundamentalistisch. Das ist zu beobachten in allen Religionen, auch bei Christen. Dann erklären wir andere zu Ketzern, dann sprechen wir Bannflüche aus. So tun es Fundamentalisten jeglicher Religion. So tun sie es wie Judas. Und wie er haben sie nichts begriffen. Wie er verraten sie den oder das, wofür sie angetreten sind.
Ich mag keine Radikalen, ich mag keine Fanatiker, ich mag keine Fundamentalisten. Mir erscheinen sie wie religiöse Besserwisser. Judas war auch einer. Einer, der im Grunde nichts begriffen hat. Und damit alles verraten hat.
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kirche-bremen
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