Die Passion Christi
in einer Inszenierung von Mel Gibson
"Es ist ein Spezifikum des Christentums, daß in seiner Mitte das Kreuz steht, dieses Zeichen des Todes. Soweit mir bekannt, gibt es in keiner Religion eine so starke Betonung des Leidens und des Sterbens, während Mythen der Wiederbelebung, der Rückkehr oder Auferstehung von den Toten häufig vorkommen. Müssen wir aus diesem religionswissenschaftlichen Vergleich die Folgerung ziehen, dass das Christentum todessüchtig, nekrophil, von Leiden und Tod besessen ist?... Ist es die Lust zu quälen und gequält zu werden, die dieses antike Marterholz zum zentralen Symbol des christlichen Glaubens gemacht hat? Ist es eine perverse Liebe zum Leiden, die die Christen dazu motiviert, einen gequälten Gott zu verehren?" (Dorothee Sölle, Gott denken. Eine Einführung in die Theologie, S. 159)
Mutet man sich den Film von Mel Gibson "Die Passion Christi" zu, so könnte es fast plausibel erscheinen, dies zu bejahen.
"Was aber wäre, wenn ... ein ganz realer (Kino-)Produzent und Regisseur sich mit der Geschichte Jesu so sehr identifizieren würde, dass er die notwendige Distanz (als Produzent) nicht mehr einzuhalten in der Lage ist? Dass er die grundlegende Differenz von historischem Geschehen, religiöser Deutung des Geschehens, der Umformung in theologische Lehre und einer künstlerischen Darstellung des Ganzen nicht mehr versteht, ja so tut, als sei all das dasselbe? Dass er die Erkenntnisse, die im Zuge der Kirchen- und Gesellschaftsgeschichte der letzten Jahrhunderte (nicht nur in Europa) gemacht wurden und vor allem die bitteren Erfahrungen und Lehren des 20. Jahrhunderts nicht begreift und offenbar auch nicht begreifen kann und will?"
"Die Evangelien sind in sich widersprüchlich, tendenziös und, wie schon länger bekannt, historisch unplausibel, vor allem was die Art der Beteiligung jüdischer Instanzen und die Weise betrifft, wie der römische Statthalter zur Hinrichtung Jesu gekommen ist. Eine historisch gerechte Darstellung der Umstände des römischen Prozesses und der Hinrichtung Jesu muss die soziopolitische und rechtliche Situation in der römischen Provinz Judäa im ersten Drittel des ersten Jahrhunderts n.d.Z. in Rechnung stellen. Die aber führt zu anderen Einschätzungen der jüdischen Beteiligung und der Motive des römischen Statthalters. Das Bemühen um historische Gerechtigkeit ist eine intellektuelle Verpflichtung, aber auch eine ethische. Denn alle Aussagen auf diesem Feld haben sich bewusst zu machen, dass sie im Kontext eines von den Evangelien selbst beförderten negativen Mythos über die Juden stehen. Dessen unmenschlichen Folgen sind bekannt."
"Nächtliches Dunkel liegt über der Kreuzigungsszene. Nur der Vordergrund steht im schmerzlich aufrührerischen Licht dissonanter Farbgebung. Die mit Schwären und Wunden bedeckte übermächtige Gestalt des Gekreuzigten zeugt vom qualvollen Todeskampf. Der schweißige Glanz auf dem salpetergrünen gemarterten Körper, das maulbeerrote Blut, das, aus den Wunden sickernd, bereits stockt, die weitgeöffneten Hände mit den gespreizten Fingern, die vor Schmerzen unter den eingedrungenen Nägeln zucken, ein erstarrter Aufschrei auf dem vom Schatten des Sterbens verschleierten Antlitz. Ein bleifarbener Himmel überspannt die düstere Landschaft der Grenzerfahrung menschlichen Leidens."
Seit dem 18. März (2004) läuft DIE PASSION CHRISTI in den deutschen Kinos.
Lesen Sie die Stimmen zum Film, von Andreas Mertin bis zu Karsten Visarius.
Sie finden Websites zum Film, Rezensionen und Foren.
Kontrovers diskutiert wird derzeit Mel Gibsons Film "Die Passion Christi". Deshalb hat die Bremer Tageszeitung, der WESER KURIER, Mel Gibsons Film "Die Passion Christi" am 27. März zum Thema des "Stadt-Schnacks", eines Leserforums, gemacht.
Einige Kritiker halten den Film nicht nur für ein blutiges und geschmackloses Gewaltepos, sondern auch für antisemitisch. Die Mehrheit der "Stadt-Schnacker" (48,7 %) meint, der Film gehe zu weit, 43,6% sind nicht dieser Meinung, 7,7% gaben an, kein Interesse an diesem Thema zu haben. Ein "Stadt-Schnacker" meint, er wolle Ostern lieber in die Kirche gehen, anstatt sich so einen Film anzuschauen.


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