Gefängnisseelsorge der Justizvollzugsanstalt Bremen-Oslebshausen
Menschen in der JVA Bremen-Oslebshausen
… wie in einer kleinen Stadt: Neben ca. 500 Männern, 50 Frauen, 100 jugendlichen Männern in Unter- suchungshaft, Strafhaft und offenem Vollzug gibt es ca. 300 Bedienstete, die die Gefangenen bewachen, betreuen, beraten und die Anstalt verwalten. Es gibt z. B. eine Tischlerei, eine Schule, eine Bildhauer- werkstatt, die Sporthalle, das Lazarett usw.
Dies beginnt bei kurzen „Ersatzfreiheitsstrafen“ wegen Verschuldung oder häufigem Schwarzfahren und reicht bis zu Totschlag und Mord. In der Presse entsteht manchmal der Eindruck, hinter Gitter sitzen lauter „Monster“, die man nicht mehr hinauslassen dürfe. Natürlich gibt es „schwere Jungs“, die z. B. organisiert Raubüberfälle begehen. Die Vielzahl der Insassen sitzt aber wegen geringfügigerer Delikte ein. Viele haben z.B.. betrogen oder gestohlen, weil sie mit ihrem Geld nicht auskommen, spiel- oder drogen- süchtig sind. Oder sie haben Körperverletzungen begangen, weil sie es schon in der Kindheit nicht gelernt haben, Konflikte anders als mit Gewalt zu regeln. So vielfältig die Straftaten dieser Menschen sind, so sind es auch ihre Charaktere, ihre Bildung und Fähigkeiten. Viele aber kommen aus armen Bevölkerungsschichten.
Plötzlich ist alles reglementiert. Sie werden abhängig vom allgemeinen Vollzugspersonal, das ihren Alltag zwischen Essen, Arbeiten und Freistunden regelt. Wer keine Arbeit hat, z.B. in Unter- suchungshaft, sitzt die meiste Zeit des Tages allein auf Zelle. Man wird unselbständig. Die Kommunikation mit Familie und Freunden, Besuche, Telefonate, sind auf ein Minimum reduziert. Man wartet manchmal wochenlang, um ein Problem zu besprechen, oder Monate, um eine Therapie zu bekommen. Man bleibt über vieles im Ungewissen. Es bilden sich Hierarchien mit Gewalt und Unterdrückung heraus Tabak oder Dienstleistungen werden abgepresst. Und es wird mit Drogen gehandelt.
Laut Strafvollzugsgesetz soll der Gefängnisaufenthalt der Resozialisierung dienen. Alltagsleben und Arbeit sollen so gestaltet werden, dass der Insasse Perspektiven für ein straffreies Leben entwickeln kann. Das geht weit darüber hinaus, Menschen einfach wegzuschließen, erfordert jedoch Zeit und Personal, sich mit den Insassen zu beschäftigen. Und daran fehlt es zunehmend, denn die Kürzungen von Mitteln und Personal gehen wie in allen sozialen Bereichen auch am Gefängnis nicht vorbei. Die daraus entstehenden Probleme erleben wir Seelsorger hautnah. Tafel 3 beschreibt einen Tag im Gefängnis.



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