Von Edda Bosse und Bernd Kuschnerus

Weihnachtsgruß

Die Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Edda Bosse, und der geistliche Repräsentant, Pastor Bernd Kuschnerus, wünschen allen Bremerinnen und Bremer fröhliche und gesegnete Weihnachten.

Liebe Bremerinnen und Bremer,

erneut feiern wir Weihnachten mitten in einer Corona-Welle. Aber wie können wir angesichts der Hiobsbotschaften vom Frieden auf Erden sprechen und Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen? Schließlich hat die Pandemie in Deutschland schon mehr als 100.000 Menschenleben gekostet, etwa fünf Millionen weltweit. Die Intensivstationen sind überlastet, Patienten werden ausgeflogen. Und wir erleben so viel Unfrieden: An den Grenzen zur Ukraine marschieren Truppen auf. Der belarussische Machthaber schickt Menschen in eiskalte Wälder, um Europa zu erpressen. Ein junger Mann wird in einer Tankstelle ermordet, weil er einen Kunden auffordert, eine Maske zu tragen. Vor dem Haus einer sächsischen Politikerin ziehen wütende Randalierer auf. Nicht wenige betrügen ihre Mitmenschen mit gefälschten Impfausweisen, und ein ganzes Land wird durch unbelehrbare Ideologen drangsaliert. Wie können wir da von Frieden sprechen?

Wir können es und wir müssen es, damit Leid und Mutlosigkeit nicht die Oberhand behalten. Der Friede wächst mit jedem Pfleger und jeder Ärztin, die trotz aller Erschöpfung bei der Stange bleiben, mit allen, die Kultur, Einzelhandel und Gastronomie unterstützen, mit jeder Wissenschaftlerin und jedem Ordnungsdienst, die gegen Impfverweigerung informieren und argumentieren. Der Friede wächst, wenn wir Menschen respektieren anstatt sie an den Pranger zu stellen. Mögen einem manche Argumente auch noch so absurd oder unsolidarisch erscheinen – es ist wichtig, nicht passiv- resignativ zu reagieren, sondern im Gespräch zu bleiben.

Friede wächst mit der Verantwortung für ein gutes Miteinander und mit Solidarität. Und nicht zuletzt wächst der Friede mit Ihnen, die Sie sich an alle Regeln halten, sich impfen lassen, Ihre Angehörigen unterstützen und im Freundes- und Bekanntenkreis dazu stehen.

In der Bibel ist vom Frieden Gottes die Rede, der höher ist als alle Vernunft. Damit ist die Treue Gottes gemeint, mit der er uns begegnet, auch wenn wir selbst ihm untreu werden. Im Frieden Gottes sind wir tief im Innern geborgen und geliebt, auch wenn wir uns sorgen, weil im Leben draußen ein Sturm tobt. Gott hat uns unwiderruflich seinen Frieden geschenkt, als er in Jesus Christus zu den Menschen kam. Daran erinnert uns das Weihnachtsfest.

Die Bremische Evangelische Kirche schließt nicht die Türen und wartet, bis der Spuk vorbei ist. Sie steht den Menschen, die in dieser schwierigen Zeit kraftlos oder isoliert und einsam sind, an vielen Orten mit Seelsorge und Trost zur Seite.

Wir wünschen Ihnen, dass Sie dieses zweite Weihnachten in der Pandemie friedvoll erleben, ohne Krankheit und Schmerzen, Erschöpfung oder Zukunftsangst. Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien, den inneren Frieden Gottes, der höher ist als alles, was uns von außen bedrängt. Wir wünschen Ihnen gesegnete Weihnachten.

Edda Bosse und Bernd Kuschnerus