08. Februar 2022

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Seit der ökumenischen Dekade „Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ zwischen 1988 und 1998, also seit mehr als zwanzig Jahren, steht für die Bremische Evangelische Kirche (BEK) im Focus, Ursachen für körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt zu erkennen und sicherzustellen, dass ein derartiges Verhalten in Gemeinden und Einrichtungen der Bremischen Evangelischen Kirche und der Diakonie nicht möglich ist. Sexualisierte Gewalt  kann jede und jeden überall treffen. Wir möchten das verhindern und arbeiten geschehenes Unrecht der Vergangenheit konsequent auf. Die Bremische Evangelische Kirche ist bei dieser Aufgabe geleitet von den Grundsätzen der Unabhängigkeit der Aufarbeitung und der Beteiligung Betroffener.

Bis heute sind zwei Hinweise auf sexuell grenzverletzendes Verhalten von Mitarbeitenden in Gemeinden in den 50er bis 70er Jahren bekannt geworden. In beiden Fällen sind die Beschuldigten verstorben, weshalb eine strafrechtliche Verfolgung nicht mehr möglich war. In beiden Fällen fand die historische und individuelle Aufarbeitung bislang im direkten Kontakt mit den einzelnen Betroffenen statt, die über erlittenes Unrecht oft erst Jahre, wenn nicht Jahrzehnte später sprechen konnten. Den Betroffenen war eine geschützte Atmosphäre wichtig, in der gemeinsam nach tragfähigen Lösungen gesucht wird. Sie wünschten sich Unterstützung dabei, das Erlebte zu bearbeiten, auch und gerade, da eine strafrechtliche Verfolgung nicht mehr möglich war. Bei einem dieser Fälle handelt es sich um eine Grenzverletzung durch Pastor Abramzik, der in der St. Petri Domgemeinde tätig war. Hier werden derzeit weitere Schritte der Aufarbeitung vorbereitet. Dieser Fall wird in die wissenschaftlich unabhängige große Aufarbeitungsstudie ForuM  aufgenommen.

In der täglichen Arbeit gelten für die Bremische Evangelischen Kirche drei Grundsätze:

Prävention: Es gibt ein Kinderschutzkonzept, regelmäßige Präventions-Schulungen und Schulungsmaterial für Mitarbeitende. In der Kinder- und Jugendarbeit ist die regelmäßige Vorlage eines aktuellen erweiterten Führungszeugnisses verpflichtend.

Transparenz: Unmittelbare Zusammenarbeit mit der BEK-Meldestelle, den Ermittlungsbehörden, Beratungseinrichtungen und dem Jugendamt. Freistellung beschuldigter Mitarbeitender;

Schutz von Betroffenen: Gerade bei sexualisierten Grenzüberschreitungen sind die intensive Zusammenarbeit mit Betroffenen, Beratung, und Achtung ihres eigenen Willens sowie Vertraulichkeit der persönlichen Daten oberstes Gebot