Fahrplan zur Kostenreduzierung bis 2030

Mittelfristige Finanzplanung

Dem Kirchenparlament liegt der Bericht einer Koordinierungsgruppe zur mittelfristigen Finanzplanung vor. Nachhaltige Haushaltsreduzierungen und ein perspektivisch wieder ausgeglichener Haushalt sind das Ziel.

In den nächsten Jahren muss die Bremische Evangelische Kirche (BEK) ihre Ausgaben reduzieren, um das strukturelle Haushaltsdefizit zu beseitigen und Ausgaben und Einnahmen miteinander in Einklang zu bringen. Der Kirchentag hatte im März 2021 mit großer Mehrheit beschlossen, mittelfristig bis 2030 eine Finanzstrategie zu entwickeln, die dem erwartbaren Kirchensteuerrückgang in Höhe von 30 % Rechnung tragen soll. Dazu sollte ein Fahrplan entwickelt werden. Eine Aufwandsreduzierung im Haushalt der Bremischen Evangelischen Kirche um real 30% (nominal 10 bis 15%) würde einen erheblichen Einschnitt in die Arbeit der Gemeinden und Einrichtungen bedeuten. Größter Kostenfaktor sind die Personalkosten, da kirchliche Arbeit vor Ort nah am Menschen geschieht und personalintensiv ist.

Der Kirchentag hatte sich im März und im Mai 2021 mit Rahmenbedingungen für diesen Konsolidierungsprozess befasst und eine Koordinierungsgruppe eingesetzt, die mit externer Beratung und in Abstimmung mit den Ausschüssen Vorschläge erarbeiten soll. Diese Gruppe hat dem Parlament nun einen ersten Fahrplan vorgestellt: Sie hat zwischenzeitlich verschiedene Interessengruppen identifiziert wie z.B. Mitarbeitende, Kita-Eltern, Diakonie, Kirchensteuerzahler oder Gemeinden. Ferner hat sie Ideen entwickelt, wie künftige Arbeitsschwerpunkte einer moderne Kirche in einer Stadtgesellschaft herausgearbeitet werden können. Z.B. sollen durch  Befragungen, Workshops und vertiefende Gespräche die Erwartungen der verschiedenen Interessengruppen an die Kirche herausgearbeitet werden. Ferner sollen auch die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie und die Anforderungen für eine kirchliche Arbeit in der digitalen Gesellschaft berücksichtigt werden.

Die Koordinierungsgruppe will Beteiligungsformate entwickeln und ein transparentes Verfahren sowie einen ergebnisoffenen Prozess sicherstellen. Die zentrale Frage lautet: Wie sieht eine "Kirche 2030" aus? Deshalb will die Gruppe darauf hinwirken, dass sich die Gemeinden und die gesamtkichlichen Arbeitsfelder künftig als EINE KIRCHE begreifen, anstatt Partikularinteressen zu verfolgen. Dafür soll ein möglichst breites Spektrum der BEK - vor allem auch jüngere Menschen - angemessen an dem Prozess beteiligt werden.

Hintergrund: Die Freiburger Studie gibt Anlass zur Sorge

Im Jahr 2019 wurde die Freiburger Studie veröffentlicht. Sie enthält Modellrechnungen zur Entwicklung der Mitgliederzahlen und des Kirchensteueraufkommens. Der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche rechnet aufgrund dieser Projektion bis 2025/2030 mit sinkenden Einnahmen und hält eine erhebliche Ausgabenreduzierung für notwendig. Erschwerend kommen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hinzu. Wer keine Einnahmen erzielt oder in Kurzarbeit ist, zahlt weniger Einkommenssteuer und folglich auch weniger bis gar keine Kirchensteuer.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erwartet einen Kirchensteuerrückgang bis 2030 in Höhe von bis zu 15%. Hinzu kommt eine angenommenen Inflation (und Gehaltssteigerung) von 1,5 bis 2% pro Jahr, so dass mit einem Rückgang der Mittel um mindestens weitere 15% (Kaufkraft bereinigt) bis 2030 gerechnet wird.

Rückläufige Einnahmen voraussichtlich auch in Bremen

Auf der Basis der gegenwärtigen Erkenntnisse ist auch für die Bremische Evangelische Kirche eine Verminderung der Finanzkraft um ca. 30% bis 2030 zu erwarten. Deshalb empfiehlt der Kirchenausschuss, ausgehend vom Haushalt 2019, eine reale Aufwandsreduzierung um 20% bis zum Jahr 2025 und weitere 10% bis zum Jahr 2030. Hinzu kommt, dass die Bremische Evangelische Kirche seit 2019 immer auf ihre Rücklagen zurückgreifen musste, um einen ausgeglichenen Haushalt realisieren zu können.

Obwohl die Bremische Evangelische Kirche derzeit immer noch gut aufgestellt ist, rät der Kirchenausschuss zur Vorsicht. Noch ist nicht verlässlich absehbar, wie die Corona-Pandemie sich weiter entwickeln und wann die Wirtschaft sich wieder deutlich erholen wird. Auch Mitgliederzahlen (176.040 zum 1. Januar 2021), Inflationsrate und Personalkostensteigerungen sind nicht exakt vorhersehbar.