Bremen übernimmt Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland

Schutz vor sexualisierter Gewalt

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat eine Richtlinie zum Schutz gegen sexualisierte Gewalt erarbeitet, die von der Bremischen Evangelischen Kirche und der Diakonie Bremen zum 1. Juli 2021 übernommen wird.

Prävention, Intervention und Aufarbeitung sind die Ziele einer Gewaltschutzrichtlinie, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) entwickelt worden ist. Die Übernahme dieser Richtlinie mit dem Ziel eines verbindlichen Verfahrens in allen Landeskirchen der EKD war eigentlich bereits für den Kirchentag im Mai des letzten Jahres vorgesehen, der pandemiebedingt allerdings abgesagt werden musste. Die Beauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) für Fragen zu sexualisierter Gewalt, Dr. Jutta Schmidt, führte in den Tagesordnungspunkt ein.

Die Richtlinie regelt die grundsätzlichen Anforderungen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in Kirche und Diakonie. Gemeint ist damit jede Form unerwünschten sexualisierten Verhaltens in Wort und Tat, das die Würde einer Person verletzt. Es bedarf also nicht erst körperlicher Übergriffe.

Schwerpunkt ist das Schutzgebot für alle Personen, die kirchliche Angebote wahrnehmen oder als Mitarbeitende in der Kirche tätig sind. Sexuelle Kontakte sind insbesondere zwischen Mitarbeitenden und anderen Personen innerhalb einer Seelsorge- und Vertrauensbeziehung unzulässig. Das Nähe- und Distanzempfinden des Gegenübers ist zu achten.

Wer wegen einer einschlägigen Straftat rechtskräftig verurteilt worden ist, kommt grundsätzlich für eine berufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit in Kirche oder Diakonie nicht in Betracht. Bestehende Beschäftigungsverhältnisse sind bei rechtskräftiger Verurteilung wegen einer dieser Straftaten grundsätzlich zu beenden. Ist dies nicht möglich, ist auszuschließen, dass die betreffende Person bei ihrer Tätigkeit Kontakt zu Minderjährigen oder zu Volljährigen in Abhängigkeitsverhältnissen hat.

Bislang hatte die Bremische Evangelische Kirche in Jutta Schmidt eine Ansprechpartnerin für Fragen rund um sexualisierte Gewalt. Jetzt sollen im Zuge der Richtlinie Melde- und Ansprechstellen eingerichtet werden. Bei der Meldestelle können Mitarbeitende Vorfälle melden. Es besteht eine unverzügliche Meldepflicht. Betroffene, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, erhalten bei der Ansprechstelle einen geschützten Raum, in dem ihren Erlebnissen respektvoll begegnet wird.

Aufgrund der Zustimmung des Verwaltungsrates der Diakonie Bremen im Dezember 2020 wird die Richtlinie dann auch dort gelten. Die gemeinsame Ansprechstelle soll in der Familien- und Lebensberatung angesiedelt werden. Kirche und Diakonie werden aber je eine Meldestelle einrichten, damit Mitarbeitende, die einen Vorfall melden wollen, sich in ihrem Arbeitsbereich schnell orientieren können. Parallel dazu gibt es die von der EKD eingerichtete unabhängige Anlaufstelle help sowie externe Beratungsstellen.

Im  Kontext der Aufarbeitung hat der unabhängige Forschungsverbund ForuM seine Arbeit aufgenommen. Die aktuellen Konflikte um die Arbeit des Betroffenen-Beirates, die derzeit ausgesetzt ist, müssen, so Jutta Schmidt, ebenfalls rasch aufgearbeitet werden: "Es wurde deutlich, dass  die bisherige Konzeption nicht trägt. Deshalb wird die Arbeit des bisherigen Gremiums zunächst ausgesetzt und extern ausgewertet, um die Perspektive der Betroffenen künftig noch besser einzubeziehen."

Weiteres Infomaterial: Broschüre "Helfen, handeln, hinschauen"

 

Infos & Kontakt:

Dr. Jutta Schmidt

Stellvertretende Leiterin der Kirchenkanzlei
Assistenz:
Annika Kluge

0421 5597291
0421 5597265
jutta.schmidt@kirche-bremen.de