Kirchentag berät über nachhaltige Kostenreduzierung bis 2030

Finanzplanung

Dem Kirchenparlament liegt ein Antrag zur mittelfristigen Finanzplanung vor.  Nachhaltige Haushaltsreduzierungen und ein perspektivisch wieder ausgeglichener Haushalt sind das Ziel.

Freiburger Studie gibt Anlass zur Sorge

Im Jahr 2019 wurde die Freiburger Studie veröffentlicht. Sie enthält Modellrechnungen zur Entwicklung der Mitgliederzahlen und des Kirchensteueraufkommens. Der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche rechnet aufgrund dieser Projektion bis 2025/2030 mit sinkenden Einnahmen und hält eine erhebliche Ausgabenreduzierung für notwendig. Erschwerend kommen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hinzu. Wer keine Einnahmen erzielt oder in Kurzarbeit ist, zahlt weniger Einkommenssteuer und folglich auch weniger bis gar keine Kirchensteuer.

Die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erwartet einen Kirchensteuerrückgang bis 2030 in Höhe von bis zu 15%. Hinzu kommt eine angenommenen Inflation (und Gehaltssteigerung) von 1,5 bis 2% pro Jahr, so dass mit einem Rückgang der Mittel um mindestens weitere 15% (Kaufkraft bereinigt) bis 2030 gerechnet wird.

Rückläufige Einnahmen voraussichtlich auch in Bremen

Auf der Basis der gegenwärtigen Erkenntnisse ist auch für die Bremische Evangelische Kirche eine Verminderung der Finanzkraft um ca. 30% bis 2030 zu erwarten. Deshalb empfiehlt der Kirchenausschuss, ausgehend vom Haushalt 2019, eine reale Aufwandsreduzierung um 20% bis zum Jahr 2025 und weitere 10% bis zum Jahr 2030. Hinzu kommt, dass die Bremische Evangelische Kirche seit 2019 immer auf ihre Rücklagen zurückgreifen musste, um einen ausgeglichenen Haushalt realisieren zu können.

Obwohl die Bremische Evangelische Kirche derzeit immer noch gut aufgestellt ist, rät der Kirchenausschuss zur Vorsicht. Noch ist nicht verlässlich absehbar, wie die Corona-Pandemie sich entwickeln und wann die Wirtschaft sich wieder erholen wird. Auch Mitgliederzahlen (176.040 zum 1. Januar 2021), Inflationsrate und Personalkostensteigerungen sind nicht exakt vorhersehbar. Hinzu kommen die Versorgungsverpflichtungen für Pastor*innen und Kirchenbeamte, die laut der versicherungsmathematischen Gutachten stetig ansteigen.

Reduzierung der Ausgaben erfordern Kriterien und inhaltliche Schwerpunkte

Eine Aufwandsreduzierung im Haushalt der Bremischen Evangelischen Kirche um real 30% (nominal 10 bis 15%) würde einen erheblichen Einschnitt in die Arbeit der Gemeinden und Einrichtungen bedeuten. Größter Kostenfaktor sind in den Gemeinden die Personalkosten, da kirchliche Arbeit vor Ort nah am Menschen geschieht und personalintensiv ist.
Im Kita-Bereich ergibt sich aus den Finanzverhandlungen mit der Stadt voraussichtlich eine Eigenanteilsreduzierung bis 2023 aufsteigend um ca. 2,5 Mio. Euro pro Jahr. Im gesamtkirchlichen Bereich (z.B. Bildungs-, Beratungs- und Seelsorge-Einrichtungen) wird eine Reduzierung um real 20% bis 2025 nicht gleichmäßig über alle Einrichtungen erfolgen können, sondern erfordert voraussichtlich Schwerpunktsetzungen.

Der Kirchentag hat mit großer Mehrheit beschlossen, mittelfristig bis 2030 eine Finanzstrategie zu entwickeln, die den erwartbaren Kirchensteuerrückgängen in Höhe von 30 % Rechnung trägt. Die Kürzungen sollen im Rahmen einer inhaltlichen Debatte zu den künftigen Schwerpunkten kirchlicher Arbeit erfolgen.