Montag, 16. August 2021

„Bremer Bibelhandschrift“ – Eindrücke beim Schreiben

„Bremer Bibelhandschrift“ – Eindrücke beim Schreiben

Ein besonderes Sprachprojekt ist auch durch unsere Gemeinde gegangen: Die Bremer Bibelhandschrift. Verschiedene Menschen haben ein Kapitel der Bibel abgeschrieben, haben sich hineingehört in die Erzählungen, haben dem Ganzen ihre Handschrift gegeben. Auch wir haben uns daran beteiligt, und zwar mit dem 1. Buch Mose.

An diesem Projekt ist wieder deutlich geworden: Das biblische Wort fällt nicht vom Himmel, sondern es geht durch unsere Hände. Alle, die sich hieran beteiligt haben, haben so ihre ganz eigenen Erfahrungen damit gemacht. Für die einen war es in Corona-Zeiten eine gute Alternative zu den Matheaufgaben, für andere eine wahre „Demutsübung“, wenn der „Verschreiber“ immer gerade am Ende des Textes passierte und dann alles noch einmal abgeschrieben wurde.

Auch das Herangehen war zögerlich bei den einen: Die Bibel abschreiben? Das klingt nach Strafarbeit oder unnötigem Aufwand, schließlich gibt es sie schon tausendfach gedruckt; aber: Warum eigentlich nicht? Andere hatten spontan Lust dabei zu sein, sich auf diese Weise den Bibeltexten der „Genesis“ anzunähern und nach dem Abschreiben festzustellen, in ein anderes als das alltägliche Leben eingetaucht zu sein.

Alle haben bemerkt, wie schnell man sich verschreibt. Wie dankbar können wir daher doch den vielen mittelalterlichen Mönchen sein, die nicht nur die Bibel, sondern auch die vielen römischen Texte abgeschrieben und so z. B. die wunderbaren Dichtungen von Catull, Vergil und Ovid für uns bewahrt haben!

Es ist gut, dass wir so sorgfältig mit den biblischen Texten umgehen, aber ebenso mit unseren Eindrücken und Beobachtungen. Die eigenen Gedanken beim Schreiben sind so wichtig zu nehmen wie das Geschriebene selbst. Nur so nimmt das Wort Platz unter uns und kann sich hier und da als Wort Gottes entfalten. Rechtzeitig zu Pfingsten, zum Fest des Heiligen Geistes, war unser Werk vollendet und wurde in der Predigt am 23. Mai gebührend gewürdigt