29. Juni 2021

Impuls 4. Sonntag nach Trin

Impuls 4. Sonntag nach Trin

Jakob ist tot.

Das wäre zu verkraften: Er hat ein gesegnetes Alter erreicht. Er starb wohlbehütet, im Kreis seiner Lieben. So wird es am Ende vom Buch Genesis erzählt.

Doch Jakob war auch Familienoberhaupt. Er war das Oberhaupt von der ganzen Sippe, die in den Hungerjahren nach Ägypten ausgewandert war. Vater von zwölf Söhnen war er. Doch einer dieser Söhne war schon eher als die anderen in Ägypten gewesen: Josef, der Lieblingssohn. Josef, den seine neidischen Brüder irgendwann an eine Karawane verkauft hatten. Erst Jahre später standen sie in Ägypten ihrem Bruder wieder gegenüber: Josef war mittlerweile angesehen, er hatte eine gute Stellung bekommen, er sorgte dafür, dass auch in den Hungerjahren alle gut versorgt waren. Josef gab seinen Brüdern Korn, und er bot ihnen an, mit dem Vater Jakob zusammen nach Ägypten zu kommen. Und sie kamen.

So weit so gut. Doch nun ist Jakob tot. Und die Brüder sind unruhig: Wird Josef nun, da der Vater verstorben ist, nicht doch Rache nehmen? Grund genug hätte er! So gehen sie zu Josef und behaupten, der alte Jakob hätte gesagt, Josef solle seinen Brüdern ihre Missetat vergeben. Und sie knien demütig vor Josef nieder und sprechen: Wir sind deine Knechte.

Josef aber beginnt zu weinen. Er fühlt mit seinen Brüdern. Es schmerzt ihn, dass sie solche Angst vor ihm haben. Und er spricht den denkwürdigen Satz: „Ihr gedachtet es böse zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“

Es ist Sommer, und manche Menschen finden Zeit, über ihre Familie nachzudenken. Was hat sich verändert? Wer ist gegangen? Welche Verhältnisse haben sich verschoben? Wer redet nicht mehr miteinander – oder wer hat es gerade wieder neu begonnen? Manches ist vielleicht schwierig.

Doch mich bewegen die Worte, die Josef zu seinen Brüdern spricht: „Ihr gedachtet es böse zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Menschen sollten nicht zum Bösen hin wirken, wo Gott etwas gut werden lassen will.

Vielleicht kann uns dieser Ausblick begleiten?

Susanne Kayser