Lebensereignis Trauerfeier

Trauerkultur & Bräuche

Bestattungsbräuche und Rituale

Bestattungsbräuche und Rituale verändern sich. Sterben und Tod werden stärker als in vergangenen Jahrhunderten aus dem Leben ausgeblendet. Die meisten Menschen sterben im Krankenhaus oder Pflegeheim. In einer Großstadt wie Bremen sind das bis zu 90%. Werbung und Fitnesskultur spiegeln uns eine junge, gesunde und vitale Welt vor, während die Gesellschaft in Wirklichkeit immer älter und das Gesundheitssystem immer kostspieliger wird. Über allgemeine Themen wie Sterbehilfe, Organspende, Abtreibung wird viel diskutiert, über den eigenen Tod und das persönliche Sterben aber nur wenig gesprochen.

In vergangenen Jahrhunderten war der Tod viel näher an den Menschen. Man starb früher und meist zu Hause. Die Bestattung war viel stärker eine Familienangelegenheit: Vom Waschen der Leiche, über das Tragen des Sarges bis zum Leichenschmaus, dem gemeinsamen Essen, das die Trauernden verband und den Abschied besiegelte. Und auch das alltägliche Leben war allgemein durch den Glauben an ein Jenseits und die Hoffnung in den Himmel zu kommen geprägt.

Bestattungsrituale lösen sich von den traditionellen Formen der Kirchen. Einerseits finden heute öfter als früher individuell gestaltete Bestattungen statt. Das reicht von besonders gestalteten Särgen über sehr persönlich gestalteten Ansprachen und die Wahl einer besonderen Musik bei der Trauerfeier bis zu außergewöhnlichen Grabsteinen und sehr persönlichem Grabschmuck. Andererseits verlieren Bestattungen allgemein an Bedeutung, weil Menschen häufiger einsam sterben und bestattet werden. Dies wird besonders deutlich an der Zunahme anonymer Bestattungen bzw. der Zunahme an Gemeinschaftsgräbern. Viele Menschen leben und sterben ohne Angehörige. Viele wünschen schon zu Lebzeiten, später niemandem mit der Grabpflege zur Last fallen zu wollen oder halten sich nicht wert, dass ihrer später auf einem Friedhof gedacht werde. Auch das Totengedenken ist zunehmend Überlegungen nach Wirtschaftlichkeit unterworfen. Kann ich es mir noch leisten zu trauern? Es scheint, dass auch die Trauer immer schneller erledigt sein soll.
 
Trauerfeiern und Bestattungen werden längst nicht mehr nur durch die Kirchen begleitet. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von „freien“ Trauerrednern / Trauerrednerinnen. Sie bieten Trauerbegleitung für Menschen an, die nicht Mitglied einer Kirche waren oder ausgetreten sind. Dabei unterscheiden sich Ablauf und Inhalte dieser weltlichen Trauerfeiern weniger von denen kirchlicher, als viele denken. Auch dort werden oft Gebete oder das Vaterunser gesprochen. An die Stelle von Bibeltexten, Psalmen oder christlicher Deutung treten entsprechend Gedichte, Weisheitssprüche oder philosophische Gedanken. Andererseits verlaufen viele kirchliche Trauerfeiern längst nicht so traditionell kirchlich, wie manche Klischees etwa im Fernsehen glauben machen. Vielfach findet man in ihnen eine Verbindung von traditionellen Formen und einer individuellen und persönlichen Gestaltung. Auch bei anonymen Bestattungen ist eine kirchliche Trauerfeier und eine kirchliche Begleitung zum Gräberfeld möglich.

Interessante Einblicke in die Bestattungskultur bietet das Sepulkralmuseum in Kassel.