Lebensereignis Trauerfeier

Trauer und Erinnerung brauchen einen Ort

Gräber sind sichtbare Orte der Erinnerung an einen Menschen. Sie bieten Angehörigen und Freunden einen Ort, an dem sie trauern, sich erinnern und beten können. Je nach religiöser Tradition sehen Gräber unterschiedlich aus. Sie werden meist mit einem Namensstein versehen, mit Blumen oder Pflanzen. Auch Grablichter, Fotos oder persönlichen Gegenständen des Verstorbenen erinnern dort an den Verstorbenen.

Die Bestattungsformen ändern sich. Längerfristige Bindungen in den Familien und religiösen Gemeinschaften weichen der Mobilität und Individualisierung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse. Und das verändert auch die traditionellen Formen der Bestattung und Trauer. Besonders in den Städten nehmen anonyme Bestattungen zu. Dabei werden die Verstorbenen in Gräbern ohne Namenssteine beigesetzt - oft ohne die Anwesenheit von Angehörigen.

Die Gründe für die Zunahme anonymer Bestattungsformensind vielfältig. Sie können dem individuellen Trauerempfinden entspringen. Sie können Folge eines einsamen Lebens und Sterbens eines Menschen sein, der keine Familie oder enge Bindungen an Menschen mehr besitzt. Oder Angehörige wohnen weit entfernt und sollen nicht mit der Grabpflege bzw. hohen Bestattungskosten belastet werden. Gleichzeitig tritt die Realität von Sterben, Tod und Trauer immer mehr aus dem Bewusstsein der Lebenden.

Auf Gedenkseiten im Internet können Menschen der Trauer Ausdruck verleihen, indem sie mit kurzen Texten oder Gedichten, Bildern oder Fotos, Tondokumenten oder Filmen eines Verstorbenen gedenken bzw. nach dem eigenen Tod ein Zeichen der Erinnerung setzen. Im Trauernetz der evangelischen Kirche können sich Menschen z.B. ins „Trauerbuch“ eintragen, ihrer Trauer Ausdruck geben oder lesen, wie andere Menschen mit ihrer Trauer leben.

Die Bestattungskultur der evangelischen Kirche orientiert sich daran, was den Trauernden dazu verhilft, in Würde Abschied zu nehmen. Angehörige haben oft große Schwierigkeiten, wenn sie für ihre Trauer keinen konkreten Ort finden können. Darum sollte bei der Wahl der Bestattungsform an die Menschen gedacht werden, die einen greifbaren Ort des Gedenkens und der Trauer suchen und ein Grab auch nach Jahren aufsuchen. Hier verleiht ein Grab mit Namensstein der Einzigartigkeit eines Menschen sichtbar Ausdruck. Das Grab verdeutlicht die Trennung des Verstorbenen von den Lebenden und erleichtert die Ablösung. Und es symbolisiert, dass die Toten ihren Ort der Ruhe und des Friedens finden. Und es kann von jedem besucht werden.
 
Auch bei anonymen Formen der Bestattung suchen Menschen nach Möglichkeiten und identifizierbaren Orten, um zu trauern. So gibt es zum Beispiel einen Blumenhügel neben dem anonymen Gräberfeld des Huckelrieder Friedhofes in Bremen. Dort können Blumen und Kränze hinterlegt werden. Und die Vielzahl der Blumen zeugen davon, dass viele in der Trauer die räumliche Nähe zur Grabstelle suchen.

Andere Orte der Trauer gewinnen in Zeiten der anonymen Gräber an Wichtigkeit. In Kirchen kann gebetet und eine Kerze angezündet werden. Und in bestimmten Gottesdiensten im Jahresverlauf wird in besonderer Weise der Verstorbenen gedacht, wie am Ewigkeitssonntag („Totensonntag“), dem Sonntag vor dem 1. Advent, oder dem Friedenssonntag („Volkstrauertag“), dem Sonntag vor dem Ewigkeitssonntag, an dem speziell an die Toten und die Opfer von Kriegen gedacht wird.