Kirche & Gebäude

Die Hemelinger Kirche von 1890 bis 1965

 

Hemelingen war früher ein kleines Dorf, dessen Einwohner Ackerbau und Viehzucht betrieben. Im Jahre 1796 zählte es 348 Einwohner. Jahrhunderte hindurch gehörte es zum Kirchspiel Arbergen, dessen ehemalige Kirche(nur der Turm stammt aus älterer Zeit) wahrscheinlich um 1200 erbaut worden ist. in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl infolge der Ansiedlung von Industriebetrieben nach und nach auf einige Tausend.

Daher gaben in den siebziger Jahren einige Hemelinger Familien die Anregung zur Bildung einer selbständigen Gemeinde. Das Konsistorium in Hannover entschied aber, für Arbergen einen Hilfsgeistlichen(Kollaborator) mit Sitz in Hemelingen einzustellen, der hier die kirchlichen Amtshandlungen zu versehen hatte. Um aber das Anliegen der Hemelinger zur Bildung einer selbständigen Kirchengemeinde voranzutreiben, taten sich mehrere Einwohner zusammen und gründeten den Kirchenverein. Zweck dieses Vereins war „die Unterhaltung eines evangelischen Gottesdienstes am hiesigen Ort“. Mitglieder des Vereins waren diefenigen, die zu obigen Zweck einen Beitrag gaben. Bald hatte der Verein 23 Mitglieder. Gottesdienste und andere Amtshandlungen wurden im Prüfungszimmer der Schule an der Glockenstraße abgehalten. Dieser Raum wurde vom Kirchenverein mit einem einfachen Altar, einer Kanzel, einem Harmonium und mit Sitzplätzen für 300 Personen versehen.

Am 2. Sonntag nach Epiphanias 1880 wurde der erste Gottesdienst abgehalten. Da die Besucherzahl ständig zunahm, erwies sich der Saal bald als zu klein, und der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wurde laut. Zu diesem Zweck stifteten einige Gemeindeglieder im Jahre 1883 30.000,- Mark. Die Verhandlungen mit dem Konsistorium in Hannover zerschlugen sich jedoch. Der Hilfsgeistliche war vom Pastor in Arbergen abhängig. Dorthin mußten die Gebühren für alle Amtshandlungen abgeführt werden, auch wurden die Kirchenbücher in Arbergen geführt. Die jungen Geistlichen trachteten daher immer danach, bald eine selbständige Pfarrstelle zu bekommen. Dieser häufige Wechsel in der Person des Geistlichen führte oft zu Vakanzen, und die alten Notstände traten immer wieder hervor.

Da schenkte Minna, Die Witwe des Fabrikanten Diedrich Wilkens, ein Grundstück für Kirche und Pfarrhaus im Werte von 10.000.- Mark. Die Westerholzstraße 17 und 19. Darauf ließ Wilhelm Wilkens für 14.500.- Mark ein Pfarrhaus errichten.

Dieses Haus wurde von den damaligen Geistlichen 1886 bezogen. Wilhelm Wilkens ließ durch den Architekten Karl Börgemann, Hannover - Spezialist für Kirchenbauten, einen Plan für den Kirchbau entwerfen. Der Kirchenverein sammelte für den Bau 7.500,- Mark und die Familie Wilkens zeichnete 30.000,- Mark. Mit dieser Summe (37.500,- Mark) wurde am 10. Juni 1888 feierlich der Grundstein für die Kirche gelegt.

Hemelinger Handwerksmeister führten den Bau in rotem Ziegelstein aus. Im Frühjahr 1890 stand das Gotteshaus fertig da mit seinem 47 Meter hohem Turm als Meisterwerk damaliger Baukunst. Die Kirche ist in neugotischem Stil errichtet, der Grundriss hat die Form eines Kreuzes. Die gesamten Baukosten betrugen 106.000,- Mark, die bis auf die früher gesammelten 7.500,- Mark von der Familie Wilkens getragen wurden. Dazu schenkten die verschiedenen Glieder der Familie Wilkens Altar, Kanzel, Orgel und die bunten Fenster. Die Turmuhr wurde von der damals in Hemelingen ansässigen Jutespinnerei gestiftet. Der Turm erhielt zunächst nur eine Glocke.

Am Trinitatissonntag, dem 1. Juni 1890, wurde die Kirche geweiht. Bei dieser Feier war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz besetzt. Bis zum 8. November 1890 gehörte Hemelingen noch zum Kirchspiel Arbergen. Am 9. November 1890 wurde die Kirchengemeinde Hemelingen selbständig, seitdem werden hier auch die Kirchenbücher geführt.

Bis zum Jahre 1900 hatte die Kirche nur eine Glocke. 1901 wurde von der Spende einer Hemelinger Familie eine zweite Glocke beschafft. Am 2. Juni 1917 musste die erste Glocke (die größere von den Beiden, mit einem Gewicht von 1.342 Kg) für Kriegswichtige Zwecke abgeliefert werden. Nach der Inflation trachtete man danach, wieder ein würdiges Geläut zu bekommen. Es wurde in der Gemeinde zu einer Sammlung aufgerufen, mit dem Erfolg, dass drei Glocken gegossen werden konnten, die am Sonntag, dem 29. Mai 1927 im vollbesetzten Gotteshaus geweiht wurden. Zwei dieser Glocken wurden ein Opfer des zweiten Weltkrieges. Im Jahre 1954 wurde das Dreier-Geläutwieder vollständig, und am 16. Dezember 1962 wurde eine von den Torfitwerken gestiftete 4. Glocke den Toten beider Weltkriege geweiht.

Infolge starken Anwachsens der Einwohnerzahl Hemelingens wurde am 1. Juli 1910 eine zweite Pfarrstelle errichtet und infolge weiterer Industrialisierung und damit einer weiteren Erhöhung der Einwohnerzahl wurde am 28. Oktober 1956 in der Eisenbahner-Kolonie ein dritter Pfarrbezirk mit der Einweihung des so genannten "Kirchsaals" gegründet und am 26. April 1959 dort ein ordentlicher Pastor eingeführt. Am 1. April 1962 wurde der dritte Pfarrbezirk als Tochtergemeinde von der Kirchengemeinde Hemelingen abgetrennt und als "Gemeinde des guten Hirten" selbständig. Nach dem zweiten Weltkrieg ist viel zur  inneren Verschönerung der Kirche getan worden. Durch hochherzige Spenden wurden farbige Kirchenfenster beschafft. Drei große Altarfenster zeigen den über Kreuz und Grab hinaus triumphierenden Christus. Auf 11 kleineren Seítenfenstern sind Bilder aus dem Erdenleben Jesu und aus der ersten Christengemeinde dargestellt.

Am Sonntag, dem 13. Juni 1965 wurde die im Jahre 1963 bei der Orgelbau-Firma Führer in Wilhelmshaven in Auftrag gegebene Orgel eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Sie ist auf der ersten linken Seitenempore aufgestellt, um klanglich besser zur Geltung zu kommen. Am Sonntag, dem 27. Juni 1965 wird das 75-jährige Bestehen des Gotteshauses von der Gemeinde feierlich begangen. Im Festgottesdienst um 10 Uhr hält der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor D. Besch, die Predigt. Am Abend findet um 20 Uhr ein Geistliches Konzert unter der Leitung der Kantorin Bärbel Schiffer statt, in dem auf der neuen Orgel Werke großer Meister zu Gehör gebracht werden und die Bach-Kantate "Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut" aufgeführt wird.

Bau des neuen Gemeindehauses

Das alte Gemeindehaus ist in einem nicht mehr so guten baulichen Zustand. Dies trifft den Kindergarten noch mehr. Die Renovierung, Verbesserung der Energiebilanz und behindertengerechte Umbauten würden sehr viel Geld kosten. Nach Bewertung von Nutzen und Kosten, zusammen mit der Kirchenkanzlei, haben wir uns für den Neubau eines Gemeindehauses mit Kindergarten entschieden.Nach der Auslobung, an der sich sechs Architekten beteiligt haben, viel die Entscheidung auf die IBUS-Architekten mit Prof. Lübkemeyer. Dies bedeutet auch einen neuen Umweltstandard für Gemeindehäuser. Das Gemeindehaus wird im 'Passivhausstandard' gebaut. Mit den niedrigen Energiekosten haben wir dann ein zukunftfähiges Gebäude, welches wir mit Leben füllen werden.

 

Der letzte Gottesdienst im alten Gemeindehaus

Am 18. März 2018 fand der letzte Gottesdienst im alten Gemeindehaus in der Christernstraße 6 statt. Den Gottesdienst führte Saskia Schultheis zusammen mit Ursula und Hans Martin Hertzberg. Hier der Predigttext zum herunterladen. Sehr gefreut haben wir uns über den Besuch von Pastor Triebel. Wir bedanken uns für die musikalische Begleitung bei Ilia Kulikov. Hier folgen nun ein paar Bilder von Susanne Alm.