Donnerstag, 01. September 2022

Suche den Frieden und jage ihm nach Ps 34, 15

Erklärung der Friedensinitiative Unser Lieben Frauen zum Antikriegstag am 1. Sept. 2022

Der durch nichts zu rechtfertigende Überfall Russlands auf die Ukraine macht uns fassungslos. Die von Putin entfesselte Furie Krieg wütet mit entsetzlichem Schrecken in der Zivilbevölkerung. Ein Ende des verbrecherischen Krieges ist nicht abzusehen. Ohnmacht, Rat- und Hilflosigkeit machen sich in unseren Herzen breit.

Zweifellos verdient das ukrainische Volk unsere Solidarität, wie sie sich ja auch in der herzlichen Aufnahme der Flüchtlinge und in den humanitären und medizinischen Hilfeleistungen zeigt.

Es scheint verständlich, wenn sich zurzeit die politisch Verantwortlichen auf harte Sanktionen gegen Russland, auf Aufrüstung in bisher ungekanntem Ausmaß und auf von der Ukraine geforderte Waffenlieferungen konzentrieren. Aber wir haben unsere Zweifel, ob diese eindimensionale Strategie, die darauf abzielt, Putin zu nötigen, seinen Angriffskrieg zu beenden, erfolgreich sein kann. Das sich erneut abzeichnende Wettrüsten wird die Welt nicht friedlicher machen. Im Gegenteil, es bindet notwendige Ressourcen für die Herausforderungen, die mit dem Klimawandel, den weltweit zu erwartenden Hungerkatastrophen und den immer größer werdenden Spaltungen auch in unserer Gesellschaft vor uns liegen.

Im Vertrauen auf Gott glauben wir, dass der Frieden auf unserer Erde und in unserer Zeit eine Zukunft hat. Deshalb halten wir an der Vision des einen Hauses Europa fest, in dem selbstverständlich die Ukraine wie Russland und alle anderen Staaten Europas einen festen und guten Platz haben sollen. Politisches Handeln muss aufhören, vor allem in den Krieg zu investieren und nur wenig in die Diplomatie. Stattdessen treten wir für eine Friedenslösung für alle beteiligten Seiten ein, die eine gemeinsame Sicherheits- und Friedensarchitektur in den Blick nimmt.

Der Krieg wird mit unverminderter Härte weiter gehen, wenn sich kein Moderator unter Schirmherrschaft der UNO findet, der ihm Einhalt gebietet. Ein Waffenstillstand wäre der erste Schritt für einen Friedensschluss, der nur dauerhaft Frieden bringen wird, wenn alle Konfliktparteien ihm vorbehaltlos zustimmen können. Militärisch wird der Krieg nicht zu gewinnen sein – weder für Russland noch für die Ukraine. Wie lange sollen das Sterben und Leiden, die Kriegsverbrechen und unvorstellbaren Zerstörungen, die das Leben in der Ukraine auf viele Jahre hin erschweren werden, noch weitergehen?

Wir halten fest an dem Wort Jesu: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Deshalb unterscheiden wir zwischen dem Putin-Regime und der russischen Bevölkerung. Gesprächsfäden zu den vernünftigen Kräften im Lande dürfen nicht abreißen, denn selbst in der russisch-orthodoxen Kirche kritisieren hunderte Priester in einem offenen Brief den Krieg. Wir nehmen nicht nur die kaum für möglich gehaltene Widerstandskraft der ukrainischen Armee wahr. Wir hören auch von den gewaltfreien Aktionen von Friedensinitiativen in der Ukraine und selbst in Russland und hoffen, dass sie auf lange Sicht Wirkung zeigen und so Verständigung und Versöhnung möglich wird.