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Konzert zum 50-jährigen Orgeljubiläum in der Kirche St. Magnus

So, 07.11.2021 | 17:00 - 18:00 Uhr

Ort der Veranstaltung: Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Magni - Kirche, große Kirche St. Magnus | Unter den Linden 24, 28759 Bremen

Veranstaltungs-ID: 6020

Wohl jeder kennt es: das sogenannte Niedersachsenhaus, diesen Jahrhunderte alten Bauernhaus-Typ mit seiner charakteristischen Dachform und den manchmal gekreuzten Pferdeköpfen obendrauf. Es gibt ihn nicht nur als echt historisches Gemäuer, sondern auch als durchaus zeitgemäße, neue Wohnimmobilie – sie ist beliebt, weil dieser Haustyp, wie man hört, „gut in die Landschaft“ passt.

Genau so verhält es sich bei den Orgelinstrumenten. Die St. Magni-Orgel, von der renommierten Firma Karl Schuke/Berlin vor 50 Jahren erschaffen, orientiert sich in ihrer Klang-Architektur an einem Orgeltyp, der im 18.Jahrhundert in Norddeutschland seine vollkommene Ausprägung gefunden hat (oft verbunden mit dem Orgelbauernamen Schnitger). Doch sie ist keineswegs eine historische Kopie, sondern ein mit den technischen Mitteln der Gegenwart entworfenes und handwerklich hervorragend gearbeitetes Instrument, das – obwohl modern – dem besagten Wohnhaus vergleichbar „gut in die Landschaft“ passt.

Nun also sein 50jähriges Jubiläum. Das muss begangen werden, ein Festkonzert ist obligatorisch. Jürgen Blendermann hatte den Einfall, es heuer genau an dem Tag und Datum stattfinden zu lassen wie weiland das Einweihungskonzert 1971, nämlich am

Sonntag, 7. Nov.2021 um 17 Uhr,

und es obendrein zu besetzen mit dem damaligen und ganz eng mit diesem Orgelbau verbundenen Kantor.

Doch was soll bei dem Jubelkonzert gespielt werden? In den 5 Jahrzehnten seines Bestehens ist auf dem Instrument quasi alles erklungen, was die Orgelmusik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert zu bieten hat. Neben vielem Beeindruckenden war allerdings auch manches dabei, was nicht so recht in die vorerwähnte „Landschaft“ passen wollte .

Ich habe mich folglich bei meiner Auswahl sehr um tatsächlich Passendes bemüht, jedoch in ausgrenzender Weise. So enthält das Programm nur sogenannte ‚freie’, also keine choralbezogenen Werke. Damit bin ich – um sofort die wichtigste Ausgrenzung zu nennen – an dem gewaltigen liturgisch-choraliter gebundenen Teil des Œvres von Johann Sebastian Bach einfach vorbeigegangen, habe aber ihn selbst trotzdem zum Schwerpunkt meines Programms werden lassen. Ich möchte in einer Auswahl von vier seiner freien Werke die organistische Entwicklung Johann Sebastian Bachs nachzeichnen. Sie läuft von einem (fast) ‘Nur’-Virtuosen (in der berühmten d-Moll-Toccata, die das Konzert eröffnen wird) über den atemberaubend einfallsreichen Improvisator (in der g-Moll-Fantasie, deren aufschäumende Harmonik selbst noch von einem Wagner nicht wirklich hat getoppt werden können) bis hin zum vollendet ausbalancierten Komponisten der Trio-Sonate in Es-Dur und dem h-Moll-Präludium, der aber – und das sei ausdrücklich hinzugefügt –seine Improvisations-Lust und technische Brillanz dennoch nie aufgegeben hat.

Eingeschoben ins Programm sind zwei ‚Fremde’, weder Vorgänger noch Nachfolger Bachs im traditionellen Sinne, aber durchaus mit ihm verknüpft. Mit dem einen, dem seinerzeit berühmten französischen Klavieristen Louis Marchand, war in Dresden durch Freunde von Bach ein musikalischer Wettstreit angezettelt worden, dem sich der Franzose aber durch Flucht in letzter Minute entzogen haben soll... Zu seiner Ehrenrettung spiele ich von ihm eine Orgelsuite, die erst posthum und nur in Frankreich herausgekommen ist, aber aufgrund ihrer tollen musikalischen Anlage einem Bach gewiss viel Freude bereitet und Anerkennung abgenötigt hätte. Außerdem ist sie ein Beispiel für die grundlegend andersartige Struktur barocker französischer Orgelmusik gegenüber der norddeutschen, in deren Tradition Bach sich bewegt hat.

Der andere ist Franz Liszt, der als Pianist die moderne Klaviertechnik entscheidend beeinflusst hat, aber kein Orgelspieler war. Gleichwohl hat er mit seinem ‚Präludium und Fuge über BACH’ eines der markantesten original für die Orgel gedachten Werke des 19.Jahrhunderts geschaffen. Seine Hommage an Bach, mit der unser Jubiläums-Programm endet, ist ganz unzweifelhaft inspiriert von dem brillant-virtuosen Feuerwerk der eingangs gehörten d-Moll-Toccata.

Die Darstellung von Liszts ‚BACH’ auf unserer Orgel markiert allerdings auch einen Grenzbereich für das Instrument und fordert seine gesamten technischen Möglichkeiten. Die sich dabei auftuenden Fragen sind vielschichtig und hochinteressant für alle, denen die Orgelmusik an St. Magni etwas bedeutet. Sie sollen auf einem Workshop im Rahmen des Orgeljubiläums erörtert werden.

Heinz-Rüdiger Drengemann

 

Veranstaltungsort

Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Magni - Kirche

große Kirche St. Magnus

Unter den Linden 24
28759 Bremen

Mitwirkende

Heinz-Rüdiger Drengemann

Veranstalter

Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Magni

Unter den Linden 24
28759 Bremen

www.st-magni.kirche-bremen.de