Gemeinde von Unser Lieben Frauen
Nachdenkliches
der da isst und trinkt und Gutes genießt bei all seinem Mühen,
das ist eine Gabe Gottes.
Monatsspruch für September aus Kohelet (Prediger Salomo) 3, 13
Kohelet schaut sehr nüchtern, oder besser gesagt realistisch auf das Leben: es ist ein Mühen! "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen" – so hat Gott den Menschen verheißen, als er sie aus dem Paradies vertrieb.
Jede und jeder kann ganz persönliche Mühsal nennen, bei der Arbeit oder in der Familie. Da fehlt die Begeisterung, man fühlt sich wie ein Hamster im Rad, arbeitet ohne Ziel. Das "muss ja" steht im Vordergrund. Und das Wort "Krise" ist in aller Munde.
Aber das Andere? Gutes genießen, gut essen und trinken?
Das scheint so gar nicht in unsere Zeit zu passen. Und das ist schon immer das Schicksal dieses biblischen Buches gewesen. Kohelet hat noch nie so richtig gut in die Zeit gepasst. Im Frankreich des 18. Jahrhunderts zum Beispiel haben Kirche und Staat das Buch des Predigers Salomo öffentlich verbrennen lassen. Die Worte von Kohelet waren störend, man wollte sie nicht hören. Sie sind wie ein Stachel, und wie eingeschlagene Nägel sind die einzelnen Sprüche – so heißt es am Ende des Kohelet-Buches (Kap. 12,11). Kurt Marti nennt dieses Buch die "unbiblischste Schrift der Bibel". Nur ganz selten wird darüber gepredigt.
BR>Also, mitten in aller Mühsal, mitten in der Krise das Gute genießen, geht das?
Jesus konnte es. In seinem kurzen öffentlichen Auftreten in Galiläa und Jerusalem hatte Jesus genug Mühe. Eine Krise folgte der nächsten. Spirituelle Krisen wie die in der Wüste oder im Garten Gethsemane. Politische Krisen mit den Herrschern seiner Zeit. Oder menschliche Krisen mit Jüngern und Familie. Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb: Jesus isst und trinkt und genießt Gutes. Er lässt sich gerne einladen zum Essen. Er erzählt Geschichten von groß angelegten Feiern, verwandelt Wasser in Wein. Er genießt die liebevolle Salbung einer Frau. Er lebt das, was der Prediger eine "Gabe Gottes" nennt: In aller Mühsal des Lebens das Gute genießen.
Und so verstehe ich den Monatsspruch als einen Aufruf, Lebensfreude zu wecken. Er will uns munter machen für gelingendes Leben. Er fragt: Was macht Dein Leben aus? Wie ist bei Dir das Verhältnis von Mühe und Genuss, von Arbeit und Pause?
"Gutes genießen", was könnte das für Sie sein? Sich treiben lassen; im Garten arbeiten; ein festliches Essen statt Fastfood; Urlaub; einer schönen Musik lauschen; eine lange Fahrradtour ...
Kohelet ruft uns zu: Vergesst das Genießen nicht! Auch in Krisenzeiten. Oder vielleicht gerade dann?! Denn wer genießt, erinnert sich dass er ein von Gott Begnadeter ist, eine Begnadete.
Gesche Gröttrup


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