Kirchengemeinde St. Magni
Eine „Lüttje Kark" ganz aus Zeltplanen
Pfadfinder bauen eine Jurtenkirche für den Kirchentag
Bericht des Weserkurier vom 22.03.2009
Von Robert Goldberg
Löhnhorst. Eine Woche lang wunderten sich Autofahrer und Radler über ein merkwürdiges Zeltbauwerk beim Gemeindehaus in Löhnhorst: ein runder schwarzer Turm, ein rechteckiges Großzelt aus mehreren Teilen - so trist ist doch kein Zirkus? Was hier zu sehen war, ist der Testbau für die Jurtenkirche, die christliche Pfadfinder für den Bremer Kirchentag erbaut hatten.
Erbaut trifft es, inklusive Baugenehmigung; doch dazu später. Ein ganzes Wochenende waren christliche Pfadfinder mit dem Fällen von Fichten - 50 „Stangen" wurden für die beiden Riesenzelte gebraucht - und dem Zusammenknüpfen von Zeltbahnen beschäftigt; Dutzende von Holzpflöcken wurden benötigt, um den sieben Meter hohen Turm und das 200 Quadratmeter große Versammlungszelt abzuspannen.
Von 20 verschiedenen Pfadfindergruppen aus dem norddeutschen Raum liehen sich die Fährtensucher aus der Kirchengemeinde St. Magnus Zeltplanen, die aneinander gesetzt werden mussten. Dass die beiden „fliegenden Bauten", wie sie in der Fachsprache der Architekten heißen, dann schließlich standen, glich einem kleinen Wunder.
Denn: Das Jurtenzelt gab es bislang nur auf dem Papier. „Drei Modelle haben wir den Verantwortlichen des Kirchentages vorgelegt. Das erste war zu klein, das zweite mit elf Metern Standhöhe zu groß, für das dritte Modell mussten wir einen Kompromiss finden", erklärt Christian Poppe aus St. Magnus.
Eine Bauabnahme war nämlich zwingend erforderlich: Ab einer Fläche von 75 Quadrat-metern ist sie für sogenannte „fliegende Bauten" erforderlich. Ein Architekt wurde vom Kirchentag beauftragt, der die Statik überprüfen sollte. Überdies sollten die Pfadfinder ein sogenanntes Zeltbuch vorlegen. Doch: „Eine statische Berechnung war gar nicht möglich, weil es ja keine vorgefertigten Bauteile gibt, sondern nur Fichtenstämme und Planen", schmunzelt der 18-jährige Baumeister Tom Sebastian Bode, christlicher Pfadfinder.
Also einigte man sich auf einen klugen Kompromiss: Es handele sich nicht um ein Zelt über 75 Quadratmeter sondern um vier kleine unter jeweils diesem Maß. Die Bauabnahme wurde umgangen. Allerdings wurden vom Architekten und der Bremer Baubehörde Auflagen gemacht: Die sichernden Holzpflöcke müssen durch große stählerne Heringe ersetzt, die Fichtenstangen durch zusätzliche Abspannungen gesichert werden. Und ab einer bestimmten Windstärke darf das Zelt nicht mehr betreten werden. 
Ab Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 21. Mai, wird das Jurtenzelt, das die Pfadfinder liebevoll „Lüttje Kark" nennen, in der Bremer Überseestadt neben dem BLG-Forum neben dem Speicher XI aufgeschlagen. Platz für 200 Personen bietet das Versammlungszelt. Biergarnituren werden aufgestellt, eine kleine Bühne gebaut. Der nebenstehende Turm soll den Glockenturm der Kirchen symbolisieren, ein Kreuz wird noch oben drauf gesetzt.
Und vor allem die Jugend soll sich in dieser außergewöhnlichen Kirche mit den Außenmaßen von 20 mal 20 Metern versammeln. „Ich liebe dieses Leben" heißt die Auftaktveranstaltung am Donnerstag, „Nix wie weg" ist ein anderes Thema unter Planen, „Wie viel Schule brauchen Jugendliche?" wird dort im Rahmen der Veranstaltungsreihe Zentrum Jugend gefragt. Eine poetische Nacht wird am Freitagabend dort veranstaltet, der Sonnabendnachmittag gehört den Pfadfindern unter dem Titel „Typisch Pfadfinder? Spiele!"
Mächtig stolz sind die Pfadfinder auf ihre außergewöhnliche Kirche, das merkt man jedem der Jugendlichen und Jungen an. Und für sie bleibt es die „Lüttje Kark".


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