Gemeinde von Unser Lieben Frauen
Nachdenkliches
Illustration von Otto Ubbelohde (1907/1909)
zum Grimmschen Märchen "Der goldene Schlüssel"
in der Jubiläumsausgabe von 1912
des Leipziger Turm-Verlages
zum Grimmschen Märchen "Der goldene Schlüssel"
in der Jubiläumsausgabe von 1912
des Leipziger Turm-Verlages
Schatzsuche? Ja bitte!
Es gibt ein eher unbekanntes Märchen der Gerüder Grimm: Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, musste ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Hause gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bisschen wärmen. Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel. Nun glaubte er, wo der Schlüssel wäre, müsste auch das Schloss dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. „Wenn der Schlüssel nur passt“, dachte er, „es sind gewiss kostbare Sachen in dem Kästchen.“ Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein, dass man es kaum sehen konnte. Er probierte, und der Schlüssel passte glücklich. Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen... Wie ärgerlich, dass das Märchen hier abbricht.
Wie können uns die Gebrüder Grimm am Höhepunkt der Geschichte das Ende vorenthalten? Andererseits: Das wäre auch langweilig, oder? Ende gut, alles gut, der Junge wird reich und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute. Die Neugier gewinnt die Oberhand. Was ist in dem Kästchen – Gold, Silber, Edelsteine? Noch ist der Schlüssel ja nicht herumgedreht.
Da fällt mir eine Szene vom Spielplatz ein. Meine Tochter und ihre Freunde begannen eines Tages auf dem Spielplatz Löcher zu graben. Wochenlang blieben alle anderen Spiele uninteressant. Wann immer wir auf dem Spielplatz waren, gruben die Kinder tiefe Löcher. „Was macht ihr da eigentlich?“ fragte ich sie nach einigen Tagen – erstaunt über soviel konzentrierte Aktivität. „Wir suchen einen Schatz“, war die einhellige Antwort. Selbstsicher, ja fast entrüstet über die Nachfrage kam diese Antwort. Meine Erwachsenengedanken begannen sich in Bewegung zu setzen: „Glauben die Kinder wirklich, an einer x-beliebigen Stelle einen Schatz zu finden? Sollte ich sie davon überzeugen, dass Schätze nicht einfach so in der Gegend liegen? Werden sie enttäuscht sein?“ Aber ihre Gesichter gaben mir die Antwort: Es könnte ja sein, dass dort jemand einen Schatz vergraben hat, der jetzt nur darauf wartet, entdeckt und ausgegraben zu werden. Oder nicht? Naja, denke ich, sie haben nicht ganz unrecht, es könnte sein. Ich schalte meine Erwachsenengedanken aus und freue mich mit ihnen. Suchen macht Spaß.
Und dann fallen mir Texte aus der Bibel ein, die mir einen Schlüssel in die Hand drücken und mich auf den Weg schicken. So steht in Psalm 34,5: Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir. Er zog mich heraus aus allen meinen Ängsten. Oder in Matthäus 7,7: Bittet und es wird euch gegeben! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch aufgemacht! Was für ein schöner Auftrag an uns: In diesem Sommer kleine Schätze suchen, wo ich noch nie nachgesehen habe. Einfach losgraben und die Kästchen finden, die zu all den Schlüsseln passen, die mir Gott schon heute in die Hand gelegt hat.
Es gibt ein eher unbekanntes Märchen der Gerüder Grimm: Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, musste ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Hause gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bisschen wärmen. Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel. Nun glaubte er, wo der Schlüssel wäre, müsste auch das Schloss dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. „Wenn der Schlüssel nur passt“, dachte er, „es sind gewiss kostbare Sachen in dem Kästchen.“ Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein, dass man es kaum sehen konnte. Er probierte, und der Schlüssel passte glücklich. Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen... Wie ärgerlich, dass das Märchen hier abbricht.
Wie können uns die Gebrüder Grimm am Höhepunkt der Geschichte das Ende vorenthalten? Andererseits: Das wäre auch langweilig, oder? Ende gut, alles gut, der Junge wird reich und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute. Die Neugier gewinnt die Oberhand. Was ist in dem Kästchen – Gold, Silber, Edelsteine? Noch ist der Schlüssel ja nicht herumgedreht.
Da fällt mir eine Szene vom Spielplatz ein. Meine Tochter und ihre Freunde begannen eines Tages auf dem Spielplatz Löcher zu graben. Wochenlang blieben alle anderen Spiele uninteressant. Wann immer wir auf dem Spielplatz waren, gruben die Kinder tiefe Löcher. „Was macht ihr da eigentlich?“ fragte ich sie nach einigen Tagen – erstaunt über soviel konzentrierte Aktivität. „Wir suchen einen Schatz“, war die einhellige Antwort. Selbstsicher, ja fast entrüstet über die Nachfrage kam diese Antwort. Meine Erwachsenengedanken begannen sich in Bewegung zu setzen: „Glauben die Kinder wirklich, an einer x-beliebigen Stelle einen Schatz zu finden? Sollte ich sie davon überzeugen, dass Schätze nicht einfach so in der Gegend liegen? Werden sie enttäuscht sein?“ Aber ihre Gesichter gaben mir die Antwort: Es könnte ja sein, dass dort jemand einen Schatz vergraben hat, der jetzt nur darauf wartet, entdeckt und ausgegraben zu werden. Oder nicht? Naja, denke ich, sie haben nicht ganz unrecht, es könnte sein. Ich schalte meine Erwachsenengedanken aus und freue mich mit ihnen. Suchen macht Spaß.
Und dann fallen mir Texte aus der Bibel ein, die mir einen Schlüssel in die Hand drücken und mich auf den Weg schicken. So steht in Psalm 34,5: Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir. Er zog mich heraus aus allen meinen Ängsten. Oder in Matthäus 7,7: Bittet und es wird euch gegeben! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch aufgemacht! Was für ein schöner Auftrag an uns: In diesem Sommer kleine Schätze suchen, wo ich noch nie nachgesehen habe. Einfach losgraben und die Kästchen finden, die zu all den Schlüsseln passen, die mir Gott schon heute in die Hand gelegt hat.
Ragna Miller
Gemeinde von Unser Lieben Frauen


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