Liebfrauenkirche

Daten zur Baugeschichte der Kirche von Unser Lieben Frauen

Die Gemeinde von Unser Lieben Frauen hat eine 1000-jährige Geschichte und die Liebfrauenkirche ist nach dem Bremer St.-Petri-Dom der älteste Kirchenbau Bremens. "Unser Lieben Frauen" ist die alte Rats- und Marktkirche Bremens und steht mitten im Herzen der Stadt direkt neben dem Rathaus. Der erste Vorgängerbau wurde 1020 aus dem Holz sächsischer "heiliger Haine" als erste Kirche Bremens außerhalb des umfriedeten Dombezirks errichtet und erhielt die Rechte einer Pfarrkirche. Sie war zunächst dem heiligen St. Vitus geweiht. Ein Neubau Mitte des 12. Jh. aus Stein, von dem u.a. noch der Beinkeller des ehemaligen Liebfrauenkirchhofs mit mittelalterlichen Fresken und der alte (kleinere) romanische Südturm erhalten ist, wurde dann unter den Schutz der Jungfrau Maria "Unser Lieben Frauen" gestellt. Auch dieser Bau wurde jedoch bald zu klein, um der schnell anwachsenden Stadtbevölkerung genügen zu können.

Der bis dahin einzige Pfarrsprengel der Stadt wurde in vier neue Kirchenbezirke aufgeteilt und ab 1229 ein neues Gotteshaus, die heutige frühgotische Hallenkirche mit drei Schiffen errichtet. Ihr wurde um 1300 im Süden noch ein viertes Schiff angefügt, welches durch offene Arkaden mit dem Kirchenraum verbunden war. Auf der mit Schaugiebeln geschmückten Südseite zum Markt befand sich bis Anfang des 19. Jh. das Ratsportal, denn bis zur Errichtung des Rathauses diente die Kirche auch als Versammlungsraum der Ratsherren. Noch bis 1910 wurden hier alle Dokumente des Rates in der so genannten Tresekammer im Nordturm aufbewahrt. Die reiche Innenausstattung des Mittelalters in der Kirche ging im Bildersturm Ende des 16. Jh. verloren. Anfang des 18. Jh. wurde die geschnitzte Predigtkanzel gestiftet. Im 19. Jh. wurde das südliche vierte Kirchenschiff vom Innenraum abgemauert, um dort eine Gemeindeschule und Versammlungsräume einzurichten. In die Seitenschiffe wurden hölzerne Emporen eingebaut. Außerdem erfolgte eine Umgestaltung der Westseite (Turmseite) der Kirche nach dem Entwurf von Max Salzmann. Dabei wurde der bisherige Haupteingang durch den Südturm in eine neue Vorhalle zwischen die beiden Türmen verlegt und ein Westwerk im historisierenden Stil mit Rundfenster und Galerie geschaffen.

Im Zweiten Weltkieg waren zum Brandschutz Kanzel und Bänke ausgelagert und die Seitenemporen ausgebaut worden. Im Dezember 1943 wurde die Kirche durch einen Luftangriff schwer beschädigt und war nur noch eingeschränkt nutzbar. Anfang Oktober 1944 brannte der Nordturm nach einem Bombentreffer vollständig aus. Trümmer fielen brennend in einen Teil der Kirche, zerstörten die Orgel, konnten jedoch gelöscht werden. Nach Ende des Krieges 1945 konnte man die Kirche nur notdürftig wieder instand setzen. Die Emporen, deren Material in der brennstoffarmen Nachkriegszeit verheizt worden war, wurden nicht wieder erneuert. Der ausgebrannte Nordturm erhielt ein Notdach.

Nach Plänen des Hannoveraner Architekten Prof. Dieter Oesterlen wurde von 1958 bis 1965 der Innenraum der Kirche völlig neu gestaltet. Aus akustischen und ästhetischen Gründen schlug man den Putz von allen Innenwänden ab und die Baugeschichte aus 9 Jahrhunderten wurde im dunklen Ziegelrot des Mauerwerks ablesbar. Die in früheren Epochen teilweise zugemauerten Fenster im Chor und zum Südschiff wurden wieder geöffnet. Man versetzte die Orgel vom Mittelschiff in das Südschiff, wodurch das Rundfenster vollständig sichtbar wurde. Eine neue Sakristei an der Nordseite des Chores ersetzte einen Anbau von 1914. Der nördliche Turm erhielt seinen spitzen Turmhelm zurück. Von 1964 bis 1979 setzten der französische Maler Alfred Manessier und seine Glasmeister François Lorin und Gérard Hermet aus Chartres die neuen Glasfenster ein. Die östlichen drei Stirnfenster und das westliche Rundfenster thematisieren verschiedene Aspekte der Verkündigung des Wortes Gottes. Alle anderen Fenster ordnen sich als farbige Lichtvorhänge diesen 4 Hauptfenstern unter. 1992 wurde auch der ehemalige Beinkeller durch einen direkten Zugang zum Kirchenraum als St.-Veits-Krypta wieder öffentlich zugänglich gemacht. 2011 wurde die Anfang des 20. Jh. in der ehemaligen Tresekammer eingerichtete Gedächtniskapelle für die Gefallenen des 1. Weltkrieges umgestaltet zu einem Gedächtnis- und Gebetsraum für die Getöteten aller Kriege. 

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