Denkanstoß

Halloween

Jetzt auch noch die Kirche! Ja ist sie denn verrückt geworden? Springt auf den Zug von Halloween auf und betitelt das Gemeindeblatt mit einem Kürbis. Dieser irische oder keltische oder von mir aus auch amerikanische Blödsinn?!

Dabei ist doch Reformationstag. Aber anstatt „Ein feste Burg ist unser Gott“ zu summen, sollen auch hierzulande mancherorts verkleidete Nachwuchs-Horden lieber durch die Straßen ziehen und an Haustüren Süßigkeiten abziehen. „Süßes oder Saures!“ Das gleicht fast einer räuberischen Erpressung. „Ich geb` dir gleich Saures“, möchte der genervte Hausbewohner vielleicht erwidern.

Tja, aber immerhin müssen wir auch in der Kirche wohl zugeben, dass die Stimmung auf den Halloweenpartys des Öfteren ausgelassener ist als im Reformationsgottesdienst. Muss uns das beunruhigen? Wie gehen wir damit um?

Ganz einfach: Wir feiern den Reformationstag. Wir feiern den wichtigen Hinweis, dass man sich das Seelenheil nicht verdienen oder erkaufen kann. Wir feiern die reformatorische Entdeckung, dass Gott uns gerecht macht, dass wir sein können, wie wir sind, und dass wir nicht verloren gehen. Und wer dann noch Lust hat, der zieht sich danach einen Kürbis über den Kopf und besucht die nächste Halloweenparty.

Und wir verweisen auf die Bedeutung des Wortes Halloween und schlagen die Brücke zur religiösen Wurzel und zu unseren katholischen Schwestern und Brüdern.

Halloween wird ja nicht nur am evangelischen Reformationstag „gefeiert“ sondern gleichzeitig am Vorabend des katholischen Feiertages Allerheiligen. Und Halloween bedeutet dann nichts anderes als Abend vor Allerheiligen:

all hallows` eve.

Allerheiligen. Das Fest, an dem in der katholischen Kirche der Heiligen gedacht wird. Und die sind recht zahlreich. Menschen, die sich im christlichen Glauben auf besondere Weise hervorgetan haben. Die Vorbilder sind. Mahner und Helfer gleichermaßen. Menschen vielleicht auch mit einer ganz besonderen Verbindung zu Gott. Heilige haben oft einen eigenen Tag, aber es gab derer viele. Nicht für jeden konnte ein eigener Tag gefunden werden, es gibt ja nur 365 Tage und deutlich mehr Heilige. Da ist so ein Allerheiligenfest doch eine gute Sache. Ob man jetzt zu denen beten kann, da unterscheiden sich die evangelischen und katholischen Geister in gewisser Hinsicht, aber geschenkt.

Wir haben also ein evangelisch-katholisches Doppelfest und Halloween mittendrin. Da dürfte doch für jede und jeden etwas dabei sein. Es lebe die Reformation und es lebe Allerheiligen. Und von mir aus auch noch Halloween, wenn die Leute ihre geschnitzten Kürbisse vor die Tür stellen und ein Licht anzünden. Jedenfalls gibt es wenig Grund, sich aufzuregen, außer vielleicht, es klingelt an der Tür und man muss Süßes geben, wenn man nicht Saures ernten will. Aber bleiben Sie entspannt, der Spuk ist bald wieder vorbei, und seien Sie herzlich gegrüßt

Pastor Sebastian Renz