Denkanstoß

Drei in Eins (Da ist mehr drin)

Und noch immer leben wir in komplizierten Zeiten. Wir dürfen nicht alles, was wir gerne wollen. Unser Leben ist eingeschränkt, unsere Geduld wird manchmal überstrapaziert, vieles ist eintönig, Momente echter Freude sind bei den meisten Menschen eher rar. Wir leben in komplizierten Zeiten.

Vielleicht kommt da das Kirchenjahr genau richtig um die Ecke, spielt uns in die Karten. Die größeren Feste Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten haben wir hinter uns gelassen und bis Weihnachten ist es noch weit. Die Zeit dazwischen ist die vermeintlich kirchliche Saure-Gurken-Zeit, in der die Sonntage einfach mit dem Kürzel „nach Trinitatis“ durchnummeriert werden. 1. Sonntag nach Trinitatis, 2. Sonntag nach Trinitatis, 3. Sonntag nach Trinitatis und so weiter. Eine Zeit ohne größere Feste, eine Zeit ohne größere Höhepunkte, eine Zeit, die so dahinfließt und die erst nach dem 21. Sonntag nach Trinitatis am 6. November endet. Das ist noch lange hin und hoffentlich ist dann auch die Coronazeit zu Ende oder wenigstens gut im Griff.

Aber selbstverständlich hat die Trinitatiszeit ein Ass im Ärmel. Sie ist benannt nach dem auf den ersten Blick nicht ganz einfach zu verstehenden Glaubenssatz der Trinität. Bei dem Wort steigen die meisten Menschen in der Diskussion über Gott spätestens aus. Das ist aber vorschnell, denn so kompliziert ist es dann doch nicht. Trinität bedeutet zu Deutsch „Dreieinigkeit“ und sagt nichts anderes aus als: Bei Gott ist mehr drin!
Wer im Gemeindeblatt 4/2020 aufmerksam die Rubrik „theologie to go“ unter dem Titel „Trinität“ gelesen hat, dem sage ich wenig Neues, aber allen anderen doch dies: Trinität bedeutet seit alters her, Gott ist eines Wesens, aber er wirkt auf dreifache Weise. Er ist der Schöpfer der Welt, den wir manchmal auch Vater im Himmel nennen. In Jesus Christus kommt Gott (teilweise) in diese Welt. Er wirkt in Jesus Christus, den wir deshalb manchmal auch den Sohn nennen. Bei diesem Jesus merken die Menschen nämlich, hier spricht und wirkt kein gewöhnlicher Mensch, sondern einer, der das erfüllt, was wir von Gott selbst erwartet haben. Gott wirkt also doppelt.

Und schließlich wirkt Gott weiter, er wirkt noch immer, auch wenn Jesus nicht mehr zu sehen ist. Gott wirkt in dieser Welt mit reichlich Durchschlagskraft unsichtbar und das nennen wir manchmal Heiliger Geist. Gott wirkt also dreifach.

Gott wirkt noch immer, auch in den jetzt komplizierten Zeiten, in denen unsere Geduld manchmal überstrapaziert wird. Vielleicht im Moment nicht ganz so spektakulär, sondern eher im Kleinen, aber bei Gott ist mehr drin, das dürfen wir auch jetzt hoffen, in der grauen Zeit ganz farbenfroh. So wie auf unserer Titelseite. Bei Gott ist mehr drin und deshalb werden die Zeiten auch wieder besser. Und deshalb wartet hinter ein paar Ecken auch wieder reichlich Freude. Ich glaube fest daran.

Herzlichst, 
Pastor Sebastian Renz