Pfingsten & Himmelfahrt

Der 50.Tag nach Ostern

Pfingsten

50 Tage nach Ostern ist Pfingsten (nach griechisch: pentecoste =„fünfzig“). Auch dieses Fest geht auf eine biblische Geschichte zurück. Darin hatten sich die Jünger Jesu nach seiner Himmelfahrt in Jerusalem in ein Haus zurückgezogen. Ein Wind öffnet Fenster und Türen, wirbelt alles im Haus durcheinander. Über den Köpfen der Jünger erscheinen kleinen Feuerflammen. Sie verlassen das Haus und beginnen auf der Straße zu predigen. Die Passant*innen verstehen sie, obwohl sie aus verschiedenen Ländern kommen und verschiedene Sprachen sprechen. 
Es ist eine Geschichte voller Bewegung. Resignation wird zu Aufbruchsstimmung. Sprachlosigkeit wird zu Kommunikation. Die Geschichte von Jesus verlässt den Kreis seiner engsten Vertrauten und zieht in die Welt. 
All dies geht nicht auf eine Wetterlage mit heftigem Wind zurück, sondern auf den heiligen Geist, der von Gott ausgesandt und von Jesus angekündigt worden ist. Er macht Menschen wach, beweglich, mutig und gesellig. Er bewirkt, dass die Geschichte Jesu zu einer guten Botschaft wird (griechisch: Evangelium = gute Botschaft) die weitergesagt wird. Das bedeutet Predigt. 
Darum gilt Pfingsten auch als Geburtstag der Kirche. Kirche ist da, wo das Evangelium ausgerichtet wird, also gepredigt wird. 

Symbole für den Heiligen Geist sind Feuerflammen, weil die Jünger „Feuer und Flamme waren, also begeistert.  Die Farbe des Pfingstfestes ist deshalb rot. Ein anderes Symbol ist die Taube, die auch in der Erzählung von der Taufe Jesu vom Himmel kam.  Sie ist zudem ein Symbol des Friedens. Da das Fest in den Frühling oder Frühsommer fällt, ist es auch ein Fest des Aufbruchs. Wie die Jünger damals verlassen Christ*innen die geschlossenen Räume und feiern draußen. Oder sie holen frisches Birkengrün in ihre Häuser und Kirchen. In vielen Gemeinden finden Taufen oder Konfirmationen statt. 
 

Bräuche & Symbole an Pfingsten

Tauben

Die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger und Jüngerinnen wurde im Mittelalter in Pfingstgottesdiensten durch das Herablassen einer Taube in der Kirche oder das Fliegenlassen von Tauben in der Kirche dargestellt, ist heutzutage aber kaum noch üblich. Darüber hinaus ist die Taube für Christen ein Symbol für Frieden und Versöhnung, denen die christliche Kirche in Wort und Tat weltweit dienen sollen.

Feuerflammen

Der Heilige Geist wird auch oft als Flamme dargestellt. Das Feuer ist ein Zeichen der Nähe und Offenbarung Gottes. In einem brennenden Dornbusch begegnet Gott Moses und verspricht ihm die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten zu befreien. Darum sind die Feuerflammen ein Symbol auch für das Pfingstfest.

Natur & Gründungstag der Kirche

An Pfingsten ist der Gründungstag der christlichen Kirche und die Entsendung in die Welt. Im Frühjahr zieht es viele Menschen in die grüne Natur. Darum finden Gottesdienste oft „unterwegs“ im Freien statt, auf Gemeindefesten oder im Rahmen von Gemeindeausflügen, vielfach mit Taufen, in der evangelischen Kirche besonders auch Erwachsenentaufen und Konfirmationen. Seit alters her fand die Aufnahme neuer Mitglieder in die christliche Kirche durch die Taufe vor allem zu Ostern und Pfingsten statt, ist darüber hinaus aber das ganze Jahr möglich.

Die Aufnahme Jesu Christi in den Himmel bei Gott

Himmelfahrt

Der Himmelfahrtstag erinnert an Christi Himmelfahrt, also die Aufnahme Jesu Christi in den Himmel bei Gott - 40 Tage nach Ostern und 10 Tage vor Pfingsten. In der Bibel wird erzählt, wie Jesus sich nach seiner Auferstehung 40 Tage lang den Menschen zeigte. In dieser Zeit machte er seinen Jüngern und Jüngerinnen Mut. Er sagte ihnen im Blick auf Pfingsten voraus, dass ihnen der Heilige Geist Gottes Kraft schenken werde, die christliche Botschaft unter den Menschen weiter zu sagen. Daraufhin wurde Jesus auf dem Ölberg in Jerusalem von einer Wolke aufgehoben und er fuhr in den Himmel auf zu Gott. Und zwei Engel kündigen an, dass er wiederkommen wird.

Als Juri Gagarin, der erste Astronaut, im Jahr 1961 im Weltall die Erde umkreiste, hat er gesagt, er habe Gott dort gesucht aber nicht gefunden. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn Gott befindet sich nicht „da oben“ auf einer Wolke oder in der Erdumlaufbahn. Die Rede vom Gott im Himmel, wie auch von Himmelfahrt Jesu umschreibt auf eine symbolische Weise das, was verborgen und unsichtbar ist, jedenfalls nicht räumlich oder naturwissenschaftlich definierbar.

Der Himmel bezeichnet den Wohnort Gottes, der überall sein kann und nicht nur auf den Himmel über uns beschränkt ist. Auch der Himmel befindet sich ja räumlich nicht nur über uns, sondern in allen Richtungen um uns. Darum ist dieser bildhafte Ausdruck auch für den modernen Menschen nachvollziehbar, der weiß, dass er auf einer Kugel lebt, den Himmel um sich herum. Und so beschreibt die Himmelfahrt Jesu Christi in symbolischer Sprache den Weg zu Gott. Der auferstandene Jesus verabschiedet sich von den Jüngern, da er nun nicht mehr in seiner „irdischen“ Form weiterlebt, sondern verborgen: in der Erinnerung, in der Hoffnung, mit dem Mut und in der Kraft, mit der die christliche Liebe und Versöhnung verkündet und praktisch gelebt wird.

Der Abschied von Jesus bedeutet so auch etwas Neues. Es ist der Beginn einer christlichen Gemeinschaft ohne den leiblich anwesenden Jesus. Mit der Himmelfahrt Christi wird der Blick schon auf das Pfingstfest gerichtet, dem Gründungsfest der christlichen Kirche. Die liturgische Farbe des Himmelfahrtstages ist weiß, als Farbe Jesu und Gottes.

Bräuche

In der frühen Christenheit war die Erinnerung an die Himmelfahrt Christi mit dem Osterfest verbunden. Seit dem 5. Jahrhundert setzte es sich als eigenständiges Fest in den christlichen Kirchen des Westens und Ostens durch. Die Zahl 40 hatte eine besondere Bedeutung entsprechend der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern.
Im Mittelalter wurde die Himmelfahrt oft dadurch veranschaulicht, dass eine Christusfigur in der Kirche hinaufgezogen wurde. Die Osterkerze, am Ostersonntag entzündet, wird vielfach am Himmelfahrtstag oder zu Pfingsten gelöscht. So wird der Abschied vom auferstandenen Christus und der Beginn der Pfingstzeit, als der Zeit und des neuen Weges der christlichen Kirche, zum Ausdruck gebracht.

Gottesdienste

In der evangelischen Kirche wird die Thematik des offenen Himmels des Himmelfahrtstages heutzutage gerne mit der Feier von Gottesdiensten unter freiem Himmel verbunden. Im Frühling und Wonnemonat Mai zieht es viele Menschen ins Freie. Darum feiern manche Gemeinden am Himmelfahrtstag z.B. Open-Air-Gottesdienste, im Rahmen eines Gemeindefestes oder Gemeindeausfluges, als Familiengottesdienst, auch gemeinsam mit anderen Gemeinden und mit Taufen. Wesernahe Gemeinden in Bremen feiern gelegentlich zu Himmelfahrt oder Pfingsten einen Gottesdienst mit Taufen an der Weser.
In diesem Rahmen bietet der Himmelfahrtstag als Familientag oder Gemeindeausflugstag auch eine Alternative zu den oft alkoholträchtigen Ausflügen der Väter an diesem auch als Namen „Vatertag“ bekannten Tag.