Dienstag, 14. April 2026
BEK-Friedensbeauftragter zum Irankrieg: "Kein Friedensabkommen ohne Lösung der Atombombenfrage möglich"
Der Friedensbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche hält die Lösung der Fragen nuklearer Bedrohung vor dem Hintergrund der gescheiterten amerikanisch-iranischen Gespräche für unerlässlich. "Ein Friedensabkommen ohne die Lösung der für die Sicherheit nicht nur im Nahen Osten zentralen Atombombenfrage kann es nicht geben."
Zu Beginn dieser Woche ist die Frage nach der Einschätzung der nuklearen Bedrohung erneut in den Mittelpunkt gerückt. In der zentralen Frage der Verhandlungen zwischen Amerika und Iran – dem Verzicht des Iran auf die Entwicklung von Atomwaffen – stießen die Amerikaner auf eine kategorische Weigerung des Iran. Damit wurde es sinnlos, die übrigen Punkte eines möglichen Friedensabkommens weiter zu erörtern: Sollte sich der Iran das Recht vorbehalten, (wenn auch vielleicht erst mittelfristig) eine Atombombe zu erlangen, verliert jeder Krieg gegen ihn unmittelbar seinen Sinn (wenn Krieg überhaupt einen Sinn machen kann), da dadurch keine grundlegenden Probleme der internationalen Sicherheit gelöst würden.
kommentiert der Friedensbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Andreas Hamburg die aktuelle Konfliktlage im Nahen Osten.
“Diese aktuellen Entwicklungen zeigen, wie relevant und zugleich umstritten dieses Thema ist. Während einige argumentieren, dass nukleare Waffen Konflikte eindämmen oder sogar verhindern können, halten andere diese Annahme für gefährlich oder schlicht falsch.” Für besonders eindrücklich hält Andreas Hamburg in diesem Zusammenhang eine aktuelle Aussage des italienischen Verteidigungsministers Guido Crosetto:
„Man muss sich nur vor Augen führen: Es waren Menschen wie wir, die entschieden haben, dass selbst Hiroshima und Nagasaki akzeptable Mittel waren, um einen Konflikt zu beenden. Leider besitzen wir immer noch Atomwaffen … Wir haben nichts daraus gelernt.“
Dieses Zitat werfe, so der BEK-Friedensbeauftragte, grundlegende Fragen auf: “Wie real ist die nukleare Bedrohung heute? Sind Atomwaffen ein Mittel der Abschreckung – oder ein unkalkulierbares Risiko? Und welche Lehren ziehen wir tatsächlich aus der Geschichte?”
Um diese Fragen zu diskutieren, lädt der Friedensbeauftragte zu einem Diskussionsabend zur 2025 erschienenen Friedensdenkschrift der EKD unter dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ ein. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 16.4.2026 ab 18.00 Uhr ins Domkapitelhaus (Domsheide 8) statt. Dabei diskutieren die Vorsitzenden des Redaktionsteams der Denkschrift, Prof. Reiner Anselm und Prof. Friederike Krippner, über die aktuell besonders brennenden friedensethischen und sicherheitspolitischen Grundsatzfragen durch die nukleare Bedrohung.
Der Theologe Prof. Dr. Reiner Anselm ist Mitglied im Steuerungsboard des Kammernetzwerkes der EKD und leitet den Fachbereich Kirche und Gesellschaft. Anselm ist Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Dr. Friederike Krippner hat Germanistik, Evangelische Theologie und Geschichte studiert und ist seit 2020 Leiterin der Evangelischen Akademie in Berlin.
Beide waren in der Leitung der EKD-Friedenswerkstatt und des Redaktionsteams maßgeblich an der Entstehung der neuen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland beteiligt. Anselm und Krippner verfügen über tiefe Einblick in Geschichte und Gegenwart der kirchlichen und politischen Friedensdebatte. Bereits mehrfach haben sie gemeinsam dazu öffentlich Stellung genommen, so auch in einem Video-Interview im Februar 2026.
Hintergrund
Die Friedensdenkschrift der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) 2025 mit dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ will eine aktualisierte evangelische Friedensethik als Orientierung in einer von Kriegen und Krisen geprägten Welt anbieten und wurde im November 2025 auf der EKD-Synode vorgestellt. Sie betont ein vielfältiges Verständnis von „gerechtem Frieden“: Schutz vor Gewalt, Freiheit, Abbau von Ungleichheiten und der Umgang mit Vielfalt gehören dazu. Dabei bleibt der Grundsatz der Gewaltfreiheit zentral, die Denkschrift räumt aber zugleich ein, dass zum Schutz vor Gewalt unter bestimmten Umständen auch Gegenwehr notwendig sein kann.
Die Denkschrift ist bereits kontrovers diskutiert worden. Viele innerhalb wie außerhalb der Kirche – loben den Realismus der neuen Positionen. Andere hingegen kritisieren, dass dabei pazifistische Grundlinien früherer kirchlicher Friedensethik aufgegeben worden seien.