Donnerstag, 03. November 2022

Gedenken an NS-Pogromnacht

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Nazi-Deutschland mehr als 1400 Synagogen und jüdische Bethäuser in Brand gesteckt, etwa 30.000 Menschen in Konzentrationslager verschleppt und 400 ermordet.

Auch die Bremer Hauptsynagoge in der Kolpingstraße und die Aumunder Synagoge in der Kirchenstraße wurden zerstört. Noch in der Nacht ermordeten SA-Gruppen in der Bremer Neustadt die Fahrradhändlerin Selma Swinitzki und den Kaufmann Heinrich Rosenblum und in Bremen-Nord das Arztehepaar Adolph und Martha Goldberg und den Monteur Leopold Sinasohn. In Bremerhaven setzte eine SA-Horde die Synagoge in der Schulstraße in Brand. Geschäfte und Privatwohnungen wurden zerstört. In der Seestadt wurden Kurt Davidsohn, Dagobert Kahn, Henry Liepmann und einige andere blutig geschlagen und kamen in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Dagobert Kahn wurde später in Auschwitz ermordet.

Zum Gedenken an die Opfer der November-Pogrome vor 84 Jahren gibt es in der Bremischen Evangelischen Kirche Veranstaltungen, u.a. an den Orten des Erinnerns, und Rundgänge zu den Stolpersteinen.

In der Kulturkirche St. Stephani wird Angelika Antpöhler, die Witwe des Künstlers Hajo Antpöhler (1930-2011) unter dem Titel Rauch sind die hier beteten … am Dienstag, den 8. November um 19 Uhr über ihre Erinnerungen sprechen: Am 10. November 1938, am Tag nach der Reichspogromnacht, wollte Hajo Antpöhler zu Hause seinen achten Geburtstag feiern, keine 300 Meter entfernt von der Synagoge in Bremen-Aumund. Einer seiner Freunde sagte ihm gleich bei der Einladung ab, weil er wusste, dass sein Vater dann als Feuerwehrmann im Einsatz sein würde.

Die Kirchengemeinde Alt-Aumund gedenkt gemeinsam mit der Friedensschule Bremen Nord und dem Ortsbeirat Vegesack am Mittwoch, den 9. November ab 17 Uhr am Jacob-Wolff-Platz und um 18 Uhr mit einer szenischen musikalischen Lesung in der Kirche Alt Aumund.

Die Bremische Evangelische Kirche bekennt sich zur Erinnerungskultur in Deutschland und der Notwendigkeit, auch zukünftig für ein friedliches Miteinander und ein gesichertes Existenzrecht Israels einzutreten.