Dienstag, 24. Februar 2026
Kirchenpräsident Dr. Bernd Kuschnerus: Der brutalen Absurdität des Kriegs die Stirn bieten
Aus Anlass des vierten Jahrestags des russischen Überfalls auf die Ukrainer erklärt Pastor Dr. Bernd Kuschnerus, Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche:
Ich kann und will mich nicht an die brutale Absurdität des Kriegs gewöhnen, der nach Gottes Willen niemals und nirgends sein darf. Am heutigen Tag (24. Februar 2026) erinnern wir als Kirchen an diesen zentralen friedensethischen Grundsatz, den der Weltkirchenrat 1948 nach den Erfahrungen zweier verheerender Weltkriege formuliert hat. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der nun schon vier leidvolle Jahre andauert, offenbart die ganze Monstrosität des Bösen, die ein Krieg über die Menschen bringt. Es macht mich traurig und fassungslos, dass zentrale geschichtliche Einsichten immer wieder beiseite geschoben werden und die Zivilisation preisgegeben wird. Als Christinnen und Christen müssen wir unsere Stimme erheben und das Böse verurteilen. Der Krieg gegen die Ukraine hat einen Verursacher, der das ukrainische Volk wie sein eigenes Volk ins Verderben stürzt. Er nimmt sinnloses Sterben und die gezielte Vernichtung von Menschenleben nicht nur in Kauf, sondern erhebt sie zum Prinzip, um eigene Machtinteressen durchzusetzen, koste es, was es wolle. Wo Menschenleben, Würde und Freiheit nichts zählen, ist die moralische und politische Legitimation eines Regimes am Ende.
Jeder Tag, den der Krieg gegen die Ukraine weiter andauert, ist einer zu viel. Wir beten, wir reden und predigen für den Frieden, für Einsicht und Klugheit, für Freiheit und Gerechtigkeit – gegen alle hohlen Machtideologien und das kalte Kalkül, mit dem diese gegen das freie Volk der Ukraine durchgesetzt werden sollen.
Es ist notwendig, dass über ein Ende der Kämpfe verhandelt wird. Ein gerechter und nachhaltiger Friede muss das Wohl der Menschen im Blick haben. Er ist über keinen schnellen Deal zu erreichen, der das ausblendet. Das erleben die Ukrainerinnen und Ukrainer und wir gemeinsam mit ihnen schmerzhaft Tag für Tag. Es ist unerträglich, dass das Töten unterdessen immer weitergeht und kein ernsthafter Wille auf Seiten des russischen Aggressors erkennbar ist, in ernsthafte Gespräche mit der Ukraine und dem restlichen Europa einzutreten. Unsere Rolle als Europäer muss stärker werden, wir können das Ringen um Frieden nicht denen überlassen, die einen unfairen, schmutzigen Deal auf Kosten freier Menschen als “Frieden” zu verkaufen versuchen.
Der vierte Jahrestag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist ein Trag der Trauer. Wir suchen nach Hoffnung, wir möchten unseren Schmerz gemeinsam mit dem gequälten Volk der Ukraine herausschreien. Wir finden uns nicht ab und wir bleiben den Menschen in die Ukraine in Solidarität verbunden.
Unsere Hilfe, auch im Bremer Bündnis aus der Stiftung Solidarität Ukraine, dem Bremer Senat und der Bremischen Evangelischen Kirche gemeinsam mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern aus unserer Stadt, ist für mich ein echter Mutmacher. Das schenkt mir Hoffnung, dass wir gemeinsam in der Lage sind, der Absurdität des Kriegs die Stirn zu bieten. Mit Gutem das Böse überwinden (Die Bibel, Brief des Paulus an die Römer, Kap. 12,21), das ist unsere Perspektive als Christinnen und Christen. Danke an alle Bremerinnen und Bremer, die Menschen in der Ukraine, aber auch Geflüchtete hier bei uns unterstützen. Wir stehen zusammen, das gibt uns gemeinsam bei aller Verzweiflung Kraft und Mut.
Das obige Foto zeigt Kirchenpräsident Pastor Dr. Bernd Kuschnerus (1. v.li.) zusammen mit dem ukrainischen Soldaten WaldemarShlothauer, Pastor Andreas Hamburg (St. Markus-Gemeinde Bremen), Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer und Ronald Speidel, Kurator der Stiftung Solidarität Ukraine, in der St. Pauls Kirche in Odessa bei einem Besuch 2024.
Unten: Kirchenpräsident Pastor Dr. Bernd Kuschnerus auf einem Soldatenfriedhof in Odessa.

