Mittwoch, 09. November 2022

Stille Tage im November: Meditation und Gedenken

Die stillen Tage im November, vor Beginn der Adventszeit, stehen im Zeichen von Einkehr und Erinnerung. In der Bremischen Evangelischen Kirche gibt es aus diesem Anlass zahlreiche Gottesdienste, Andachten und Konzerte. Mit dem Gedenken an die Verstorbenen des vergangenen Jahres endet am Totensonntag – auch Ewigkeitssonntag genannt – das Kirchenjahr.

"Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“ lautete der Appell der Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 in Amsterdam. Doch seit Februar gibt es wieder Krieg in Europa. Zum Volkstrauertag am Sonntag, den 13. November gibt es in Bremer Kirchengemeinden Gottesdienste und Friedensgebete zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Verfolgung.

Der Buß- und Bettag am Mittwoch, den 16. November ist zwar kein gesetzlicher Feiertag, wohl aber einer der evangelischen Kirche. Zahlreiche Kirchengemeinden laden ein zu Gottesdiensten und Andachten.

"Und jetzt?" – Dieses Thema steht im Mittelpunkt des ökumenischen Rundfunkgottesdienstes, der ab 10 Uhr aus der Kirche Unser Lieben Frauen live auf Bremen Zwei übertragen wird. Die Kanzelrede zu diesem Tag des Umdenkens hält die Bremer Gesundheits- und Sozialwissenschaftlerin Annelie Keil. Für die musikalische Gestaltung sorgen Martin Kratzsch (Klarinette) Susanne Sasse ( Akkordeon) und Rolf Quandt (Orgel)
Der Gottesdienst wird live auf Radio Bremen Zwei übertragen

Der St. Petri Dom lädt um 19.30 Uhr zur traditionellen Nacht der Lichter ein. Jugendliche aus den evangelischen und katholischen Innenstadtgemeinden haben die Nacht der Lichter vorbereitet: Sie lesen biblische Texte der Hoffnung und beten für den Frieden. Die Mädchenkantorei und ein Workshopchor begleiten die meditativen Gebetsgesänge. Dem Geist der Communität von Taizé entsprechend, führt die Nacht der Lichter Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Nationalitäten zusammen. Lieder und Texte sind in unterschiedlichen Sprachen. Viele hundert Kerzen erleuchten den Dom und laden zu Stille und Meditation ein.

Der Totensonntag - auch Ewigkeitssonntag genannt - am  20. November ist der Tag, an dem Christen in Gottesdiensten und Andachten der Verstorbenen gedenken.

Von 11 Uhr bis 16.30 Uhr gibt es auf dem Riensberger Friedhof in diesem Jahr wieder die Aktion "Warmes für die Seele". Da die Kapelle umgebaut wird haben Friedhofs-Besucherinnen und -besucher in einem nahegelegenen Pavillon die Möglichkeit, eine Kerze zum Gedenken zu entzünden. Am Eingang Friedhofstraße werden Gäste in mehreren Pavillons von Haupt- und Ehrenamtlichen der Bremischen Evangelischen Kirche mit Tee und Punsch versorgt. An beiden Stationen und haben Pastorinnen, Pastoren sowie ehrenamtlich Seelsorgende für Gespräche ein offenes Ohr und verschenken Kerzen im Glaswindlicht.

In der Kulturkirche St. Stephani findet um 18 Uhr ein Kulturgottesdienst zum Totensonntag unter dem Titel "Abschied leben lernen vom ersten bis zum letzten Tag" statt. Mit biblischen und literarischen Texten wird der Verstorbenen gedacht, und es werden Kerzen für sie angezündet. Auch ein Gedenkbuch liegt aus. Liturgie und Texte tragen Pastorin Diemut Meyer und die Soziologin und Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Annelie Keil vor. Die Bremer Kantorei St. Stephani und Tim Günther an Klavier und Orgel gestalten den Gottesdienst musikalisch.

Hintergrund

Mit den stillen Feiertagen endet das Kirchenjahr. Der Volkstrauertag ist zwar kein kirchlicher Feiertag, sondern wurde 1952 zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft eingeführt. Als Friedenssonntag bekommt er heute in den Kirchen den Charakter des Gedenkens an aktuelle Kriegs- und Fluchtopfer und des Einsatzes für ein friedliches Zusammenleben. Der Buß- und Bettag war in früheren Jahrhunderten ein Tag der Buße und des Gebets angesichts von Notständen und Gefahren. Er ist ein Tag der Umkehr, der Neuorientierung und dient auch dem Nachdenken über gesellschaftliche Irrtümer wie Ausländerfeindlichkeit, Umweltzerstörung und soziale Ausgrenzung. Er findet jedes Jahr am Mittwoch nach dem Volkstrauertag statt. 1995 wurde der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen abgeschafft. Die evangelische Kirche bezeichnet die Abschaffung bis heute als Fehlentscheidung. Der Totensonntag - auch Ewigkeitssonntag genannt - geht als Alternative zum katholischen Allerseelentag auf die Reformationszeit zurück. Er steht im Zeichen des Gedenkens an die im Vorjahr Verstorbenen. Es geht darum, Abschied und Tod im Alltag zu bewältigen, den Toten ein ehrendes Andenken zu bewahren und der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung Ausdruck zu verleihen.