Mittwoch, 04. März 2026
"Zeitenwende in der Friedensethik?" – Diskussionsabend zur EKD-Friedensdenkschrift mit Friedrich Kramer
Die Friedensdenkschrift der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) 2025 mit dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ ist in der Diskussion – auch in Bremen. Das Kirchenparlament der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), der Kirchentag, hatte die Initiative zu einer fundierten öffentlichen friedensethischen Diskussion ergriffen. Am Freitag, 6. März, ist dazu der EKD-Friedensbeauftragte, Landesbischof Friedrich Kramer (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) ab 18 Uhr im Bremer Domkapitelhaus zu Gast. Er erläutert die Kernpunkte der Friedensdenkschrift und die unterschiedlichen Positionen während des Entstehungsprozesses. In der anschließenden Diskussion sollen alle Aspekte der aktuellen friedensethischen Positionsfindung zur Sprache kommen.
Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat viele vermeintliche Gewissheiten ins Wanken gebracht. Folgt der zumindest rhetorisch proklamierten politischen „Zeitenwende“ nun auch die ethische Wende?
Unter dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im November 2025 eine neue Friedensdenkschrift veröffentlicht. Dass dabei grundsätzliche Spannungslinien aufbrechen, überrascht nicht. Die bisherigen Positionen, die in der letzten friedensethischen Denkschrift von 2007 sowie der Kundgebung der EKD-Friedenssynode von 2019 beschrieben sind, wurden durch den Überfall Russlands auf die Ukraine auf eine harte Realitätsprobe gestellt. Besonders die Frage danach, wie Solidarität mit dem Opfer einer kriegerischen Aggression aussehen muss, wird seither auch unter Christen kontrovers diskutiert. Wie weit trägt im Blick auf den Krieg in der Ukraine das „Primat der Gewaltfreiheit“?
Zur Position von Friedrich Kramer
Der EKD-Friedensbeauftragte steht nach wie vor zu diesen friedensethischen Grundlagen und hat seit dem Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine die deutschen Waffenlieferungen wiederholt kritisiert. Kramer betont, dass Waffenlieferungen aus Deutschland nicht zur Beendigung des Krieges beitragen, sondern stattdessen die Gewaltspirale verlängern und eskalieren könnten. Er hält es für gefährlich, sich in eine militärische Eskalationslogik hineinziehen zu lassen, weil das eine Aufrüstungsspirale auslöse und nicht zu Verhandlungen führe. Statt militärische Mittel des Gegeneinanders zu verstärken, müsse der Fokus auf Diplomatie und Konfliktlösung gelegt werden.
Auch die Rolle Deutschlands als Aggressor im 2. Weltkrieg dürfe man in der gegenwärtigen friedensethischen Diskussion nicht außer Acht lassen, so Kramer. Angesichts seiner Geschichte – zwei Weltkriege begonnen und enorme Verbrechen begangen zu haben – müsse Deutschland anders über Krieg und Waffenlieferungen nachdenken als andere Staaten.
Hintergrund
Die Friedensdenkschrift der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) 2025 mit dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ will eine aktualisierte evangelische Friedensethik als Orientierung in einer von Kriegen und Krisen geprägten Welt anbieten und wurde im November 2025 auf der EKD-Synode vorgestellt. Sie betont ein vielfältiges Verständnis von „gerechtem Frieden“: Schutz vor Gewalt, Freiheit, Abbau von Ungleichheiten und der Umgang mit Vielfalt gehören dazu. Dabei bleibt der Grundsatz der Gewaltfreiheit zentral, die Denkschrift räumt aber zugleich ein, dass zum Schutz vor Gewalt unter bestimmten Umständen auch Gegenwehr notwendig sein kann.
Die beiden Veranstaltungen
In insgesamt zwei öffentlichen Veranstaltungen unter dem Titel "Zeitenwende in der Friedensethik?" und "Atomare Bedrohung und christliche Friedensperspektiven" diskutieren auf Initiative des Kirchenparlaments Fachleute mit Beteiligung des Publikums in Bremen öffentlich über die anstehenden friedensethischen Herausforderungen, vor denen nicht nur die evangelische Kirche, sondern die Gesellschaft insgesamt stehen.
Fr., 06. März 2026 | 18:00 - 20:30 Uhr im Domkapitelhaus (Domsheide 8)
"Zeitenwende in der Friedensethik?" Diskussionsabend zur neuen Friedensdenkschrift der EKD
Diskussionsabend mit dem EKD-Friedensbeauftragten, Landesbischof Friedrich Kramer (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland)
Do., 16.04.2026 | 18:00 - 20:30 Uhr im Domkapitelhaus (Domsheide 8)
Atomare Bedrohung und christliche Friedensperspektiven"
Diskussionsabend mit Prof. Dr. Reiner Anselm und Dr. Friederike Krippner
„Atomare Bedrohung und christliche Friedensperspektiven“
Der Theologe Prof. Dr. Reiner Anselmist Mitglied im Steuerungsboard des Kammernetzwerkes der EKD und leitet den Fachbereich Kirche und Gesellschaft. Anselm ist Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Dr. Friederike Krippner hat Germanistik, Evangelische Theologie und Geschichte studiert und ist seit 2020 Leiterin der Evangelischen Akademie in Berlin.
Beide waren in der Leitung der EKD-Friedenswerkstatt und des Redaktionsteams maßgeblich an der Entstehung der neuen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland beteiligt. Anselm und Kripner verfügen über tiefe Einblick in Geschichte und Gegenwart der kirchlichen und politischen Friedensdebatte. Bereits mehrfach haben sie gemeinsam dazu öffentlich Stellung genommen, so auch in einem Video-Interview im Februar 2026.