Donnerstag, 20. August 2026
150 Jahre St. Jakobi – 150 Jahre Nähe und Gemeinschaft am Kirchweg
Die evangelische St. Jakobi-Gemeinde in der Bremer Neustadt feiert mit einem umfangreichen Jubiläumsprogramm im nächsten halben Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Auftakt der Feierlichkeiten: Ein bunter Nachmittag voller Musik, mit Tanz und noch mehr Spaß am kommenden Sonntag, 23. August. Im Dezember, zum eigentlichen Gründungsdatum, ist Kirchenpräsident Pastor Dr. Bernd Kuschnerus beim Festgottesdienst in St. Jakobi zu Gast und hält die Predigt. "Nahet Euch zu Gott, so nahet er sich zu Euch." (Die Bibel, Brief des Jakobus, Kapitel 4, Vers 8) - so lautet die Inschrift über dem Kirchenportal, mit der die Gemeinde ihre Besucher:innen und Passanten seit ihrer Erbauung vor 150 Jahren begrüßt. Die Geschichte von St. Jakobi ist über anderthalb Jahrhunderte hinweg auch eine Geschichte von Nähe durch Gemeinschaft und Heimat für Menschen in der Bremer Neustadt.
Das feiert die Gemeinde bis zum Jahresende deshalb ordentlich. Am 23. August ab 14.30 Uhr startet die Jubiläumsauftakt-Veranstaltung mit einem Sommerfest (St. Jakobi Bremen-Neustadt, Kirchweg 57). Die Gebrüder Jehn, ein Kontrabass-Gitarren-Duo, sorgen mit einem Konzert (nicht nur) für Kinder nach einer kurzen Andacht für einen furiosen musikalischen Auftakt. Zu Gast sind außerdem das Tanzstudio Bounce & Boogie und Frank Fiedler mit Musik für und mit Kindern. Der Nachmittag endet mit Auftritt der Irish Dance School Bremen und im Anschluss mit dem Abendsegen. Den Nachmittag über erwarten zahlreiche Mitmachaktionen wie eine Fotobox, eine Schätzaktion, Basteln, Seifenblasen und eine Popcorn-Maschine die Gäste. Fürs leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt.
Mit einem Open Air-Gottesdienst am Werdersee am 30. August, einer Jubiläumskonfirmation am 20. September, Erntedank mit Musik und Wein, einem Filmeabend und dem traditionellen Adventsmarkt Ende November geht das Festprogramm weiter. Kurz vor Weihnachten enden die Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem besonderen musikalischen Highlight: Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach erklingt in der St. Jakobi-Kirche.
Alle Veranstaltungen zum Jubiläum von St. Jakobi mit Terminen & Zeiten auf einen Blick.
Die Geschichte
Mit dem Bau der Kirche am Kirchweg/ Ecke Kornstraße in den Jahren 1875-1876 beginnt die Geschichte der St. Jakobigemeinde. Sie war zunächst noch nicht eigenständig, sondern eine Filialgemeinde von St. Pauli. Damit geht ein lange gehegter Wunsch der Neustädter Bevölkerung rund um den Buntentorsteinweg in Erfüllung. Grundstücksschenkungen und Spendensammlungen legten den Grundstock für einen Kirchenbau, 1874 hat man schließlich die nötigen Mittel beisammen, um den Plan umzusetzen. 550 Sitzplätze soll der Bau nach den Plänen des Architekten Rippe haben, dazu kommen Plätze auf der Empore. 5.000 Mitglieder zählt die Gemeinde damals bereits. Ein Neuenlander Bauer sorgt mit einer großzügigen Zuwendung dafür, dass die Kirche ihren 150 Fuß (fast 46 Meter) hohen Turm bekommt, der an der Ecke Kirchweg/ Buntentorsteinweg das Stadtbild im Buntentor bis heute prägt. Interne Querelen mit der Nachbargemeinde St. Pauli prägen diese Zeit. Trotzdem kann die Gemeinde, die vor allem aus Arbeitern im Buntentorsviertel besteht, am 3. Dezember 1876 die Einweihung der St. Jakobi-Kirche feiern. Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen oder Trauerfeiern bleiben der St. Pauli-Gemeinde vorbehalten, erst Im Oktober 1884 billigt der damals für die Kirchenleitung und -aufsicht zuständige Bremer Senat die Bildung einer selbständigen St. Jakobigemeinde, ein erster eigener Kirchenvorstand kann gebildet werden.
Immer wieder kam es in der schnell wachsenden Neustadt zu Überschwemmungen durch Hochwasser der Weser und der Ochtum, die das Leben in der Neustadt erschwerten. Zeitweise mussten den Neustädter den Buntentorsteinweg per Boot passieren. Den Werdersee gab es damals noch nicht, wohl aber den Buntentorsdeich. Erst nach der Sturmflut 1962 wurde in die Kleine Weser oberhalb ihrer Mündung in die Weser ein Wehr eingebaut, das sie von der Tide abschirmt.
Das Zigarrenmachen sicherte für viele Menschen den Broterwerb, wenige Jahre nach dem Kirchenbau siedelte sich die Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld, damals noch inmitten von Feldern und Äckern, am anderen Ende des Kirchwegs an. Sie fertigt später auch die Abendmahls-Geräte für die St. Jakobi-Kirche. Die erste Glocke stammt aus der Gießerei Otto in Hemelingen, 1880 hat man das nötige Geld für eine Orgel zusammen. Auch die Bezahlung des ersten Pastors ist für die junge Gemeinde eine Herausforderung, die sie dank regelmäßiger Beiträge ihrer Mitglieder und großzügiger Schenkungen schließlich meistern kann. Zwischenzeitlich vermietete man kurzerhand den Kirchenkeller, um das Gehalt aufzubringen.
Nach und nach wächst und gedeiht die Gemeinde: Eine Gemeindeschwester kann angestellt werden, ein Posaunenchor, ein Gesangsverein, ein “Jünglingsverein” und ein “Jungfrauenverein” bilden sich. St. Jakobi prägt nicht nur das kirchliche, sondern auch das soziale Leben im Buntentor. Farbige Kirchenfenster und ein Kupferdach für den Turm werden gespendet. Immer wieder sind es Gemeindemitglieder aus dem Stadtteil, die aus Verbundenheit die Gemeinde großzügig fördern.1893 wird das ebenfalls in Backstein gehaltene Gemeindehaus erbaut, daneben das Pfarrhaus.
Zum 150. Bestehen der St. Jakobi-Kirche gibt die Gemeinde eine neue Gemeindechronik heraus, die am 11. Dezember mit Musik und Lesung vorgestellt wird.



