Samstag, 06. Juni 2026

Aufsuchende Seelsorge in der Bremer City als volle Stelle verstetigt

Der Kirchentag beriet auch über den Antrag von 14 Gemeinden, die Stelle ‚Aufsuchende Seelsorge‘ für Menschen in Armut und ohne Wohnung, vor allem in der Bremer City, ab 1. September 2027 zu einer Vollzeitstelle (38,5 Wochenstunden) auszubauen und längerfristig finanziell abzusichern. Das Kirchenparlament stimmte dem einstimmig zu.

“Kirchliches Profil ist da, wo kirchliche Arbeit ein Gesicht hat”, führte Pastor Stephan Klimm (Horn) für die Antragsteller vor den Delegierten aus. Die Schlüsselfrage sei, ist Kirche da oder nicht, sieht sie hin oder nicht.

“Deshalb beantragen wir die Verstetigung der Aufsuchenden Seelsorge. Es ist nicht nur eine soziale Aufgabe, sondern eine zutiefst geistliche, christliche Aufgabe. Diese Stelle verdient verlässliche Unterstützung, damit sie selbst verlässlich arbeiten kann.”

 

Drittmittel einzuwerben, funktioniere zwar erfolgreich, bedeute aber immer auch Unsicherheiten und ein Weiterhangeln von Jahr zu Jahr.

Der Antrag des Kirchenausschusses, so Pastor Klimm, sei im  Sinne der Antragsteller. “Wir möchten weiter Mittel zur Refinanzierung der Stelle einwerben." 30.000 Euro jährlich seien für die kommenden Jahre bereits eingeworben. "Es macht aber einen Unterschied, ob wir von Jahr zu Jahr schauen und planen müssen.” 

Der Ruf “Wo bist du?” darf künftig nicht ins Leere laufen, dafür müssen wir sorgen.

 

Dr. Jutta Schmidt, Theologische Referentin und stellvertretende Leiterin der Kirchenverwaltung , führte aus, dass es Kernaufgabe von Kirche sei, an der Seite von Menschen in schwierigen Lebenssituation zu sein. Kirchengemeinden seien mit viel Engagement in der sozialdiakonischen Arbeit aktiv, v.a. mit Caféangeboten. Der Kirchenausschuss spreche sich daher für eine Zentralanstellung von Diakon Maximilian Müller in Vollzeit aus, um die Stelle abzusichern. Die Stelle bleibe beim Bremer Treff angedockt. Der KA sehe neben der Chance auf Drittmittel, deren Einwerbung der über die Fachstelle Fundraising unterstütze. 

“Es geht bei dieser Stelle nicht nur um soziale Arbeit, sondern um Seelsorge, Zuspruch auf Augenhöhe.”

 

Seit September 2023 füllt der Sozialarbeiter und Diakon Maximilian Müller die Stelle “Aufsuchende Seelsorge” aus. 

“Ich gehe dorthin, wo Menschen sind und mich brauchen. Es geht um kontinuierliche Begleitung von Menschen in Armut, ob auf der Straße oder im Krankenhaus. Die Armut und Einsamkeit sind groß. Politische Maßnahmen zur Vertreibung dieser Menschen aus dem öffentlichen Raum verschärfen ihre Lage. Von Anfang 20 bis Ende 80 sind diese Menschen. Wohin diese Menschen gehen sollen, wenn sie von ihren Schlafplätzen verdrängt werden? -Unklar! Sie zu suchen, kostet Zeit, die jeder einzelne Mensch natürlich wert ist.”

 

Aufsuchende Seelsorge verbinde sozialdiakonische Angebote, auch ökumenisch. Und sie sei eine politische Lobby für diese Menschen. Das öffentliche Interesse an seiner Arbeit sei groß, es gebe viele positive Rückmeldungen wie diese: “Eigentlich habe ich mit der Kirche nichts mehr am Hut, aber gut, dass es euch gibt.”

Dort wo wir Farbe bekennen, für Menschen Partei ergreifen, sind wir als Kirche relevant. Die Arbeit mit Menschen in Armut geht uns alle was an, die in ganz Bremen über die Stadt verteilt unter uns leben.

 

so Max Müller.

Der Kirchentag stimmte dem Antrag zur Verstetigung der Arbeit des aufsuchenden Seelsorgers auf einer vollen Stelle mit 100 Prozent zu.