Donnerstag, 05. Februar 2026
EKD-Ratsvorsitzende in Bremen: "Stark bleiben in einer gestressten Demokratie"
Unsere Demokratie steht nach Ansicht der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs unter "Dauerstress". Angesichts von Angriffen auf Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenschutz dürfe Schweigen keine Option sein. Fehrs warb beim Bremer Heinrich-Albertz-Symposium für mehr Dialog und Verständigung. Demokratie lebe vom Gespräch, auch von kontroversen Auseinandersetzungen, so Fehrs in ihrem Vortrag in der Kulturkirche St. Stephani am 26. Januar. Kirchen und Vereine sollten dafür Begegnungsräume schaffen.
Die Demokratie stehe national wie international unter erheblichem Druck, sagte Kirsten Fehrs. Rechtspopulismus, Nationalismus und autoritäre Versuchungen nähmen zu, demokratische Regeln würden relativiert, Minderheiten abgewertet. Die Vielzahl globaler Krisen führe zudem zu gesellschaftlicher Erschöpfung, Angst und Polarisierung. Besonders soziale Medien trügen zur Verwischung von Fakten und Meinungen bei.
Christliche Hoffnung mache Mut, Verantwortung zu übernehmen und dem Zerstörerischen standzuhalten, unterstrich die Hamburger Bischöfin. „Aus dieser Hoffnungskraft heraus sind wir gefordert, alles uns Mögliche zu tun, damit die Saat der Angst und des Hasses, die rechtsextreme, islamistische, terroristische, antisemitische, rassistische Saat all der Menschen- und Demokratiefeinde nicht aufgehen wird.“
„Wenn aus christlicher Sicht das große Ganze auf dem Spiel steht, wenn der gesellschaftliche Frieden und die Menschenwürde bedroht sind, dann haben wir die Pflicht, dagegen aufzustehen.
(…) Weil Gott die Welt liebt, dürfen wir sie nicht einfach aufgeben. Wir sind aufgerufen zur Nächstenliebe, zur Barmherzigkeit und zur Verantwortung füreinander und unsere ganze Mit-Welt oder Mit-Schöpfung. Wir müssen davon reden.“
Das komplette Vortragsmanuskript „Frei, mutig, gelassen – Wie wir stark bleiben in einer gestressten Demokratie“ der EKD-Ratsvorsitzenden zum Nachlesen finden Sie hier.
Das Heinrich-Albertz-Symposium wird jährlich gemeinsam vom Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Bremischen Evangelischen Kirche ausgetragen. Es erinnert an das Wirken des Pastors, Politikers und AWO-Bundesvorsitzenden Heinrich Albertz (1915-1993) und dessen Engagement für den Frieden und den Sozialstaat.