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Lesetipps

Helmut Kuhn: Arm und reich und dazwischen nichts

Ein Lesetipp von Silvia Teuwsen

Arme Kinder sammeln Pfandflaschen, freiberufliche Journalistinnen und Anwälte leben an der Armutsgrenze, die vierte Generation der Sozialhilfeempfänger ist ohne Perspektive. Auf Sylt hingegen weiß man nicht wohin mit dem Geld: das Glas Wein zu 50 Euro, hydraulisch versenkbarer Swimmingpool im Garten, der Hund wird teuer begraben als ein armer Mensch.
Von den ganz Armen unserer Gesellschaft und den Reichen erzählt das packende Buch „Arm und Reich und dazwischen nichts?“ Kuhn beschreibt Statistiken und Forschungsergebnisse in gut lesbarer Form und stellt dar, wie die Mitte zwischen arm und reich immer mehr verschwindet.

Engagiert erzählt er vom Projekt „Arche“ in Berlin oder von einem Unternehmer, der trotz Insolvenz und viel Pech im Leben immer wieder aufsteht und sein Leben in die Hand nimmt. Es ist kein objektives oder gar distanziertes Buch, die Sympathie für die Arche und die Antipathie gegen Faulenzer, die auf Kosten anderer leben, ist unübersehbar. Das Buch rüttelt auf und rührt an, mensch möchte selber zur Arche gehen und mit anpacken. „Arm und reich und dazwischen nichts?“ zeigt den Stand der derzeitigen Gesellschaft, bereitet Zahlen und Zitate in lockerer Form auf und regt zum Nachdenken über Gerechtigkeit an. Es ist ein Tipp für alle, die seelsorgerlich oder diakonisch mit Menschen arbeiten, die beraten und begleiten, Kinder erziehen oder Alte pflegen. Lesenswert und diskussionswürdig ist es auch für Gemeindegruppen, die gerne nachdenken und / oder etwas bewegen wollen.

Kuhn, Helmut: Arm, reich - und dazwischen nichts? : Streifzüge durch eine veränderte Gesellschaft. - Bergisch Gladbach : Lübbe, c 2007. - Signatur: F  2729

 

Ute Leimgruber: Frauenklöster – Klosterfrauen

Ein Lesetipp von Silvia Teuwsen

Eine fröhlich lachende Zisterzienserin, die vor ihrer Zelle steht, eine Schwester, die dem Heiland am Kreuz mit Bürste und Reiniger zu Leibe rückt, eine forsche Karmeliterin, die in großen Schritten mit einer Harke über ihr Feld geht.
Dies sind drei der außergewöhnlichen, beeindruckenden und fotographisch hochwertigen Bilder aus dem Buch „Frauenklöster – Klosterfrauen“. Die Fotographien stammen von Eberhard J. Schorr, Ute Leimgruber hat die Texte zum „Leben in Ordensgemeinschaften heute“ geschrieben. In den Kapiteln Spiritualität, Gemeinschaft, Sendung und Beteiligte Gemeinschaften stellt sie sowohl persönliche Motive, Lebenswege und Ansichten der Klosterfrauen vor, als auch das Selbstverständnis der Frauenklöster mit ihren jeweiligen Besonderheiten. Ein informatives und ansprechendes Buch über das Ordensleben von Frauen, das man wegen seiner hochwertigen Aufmachung immer wieder gern zur Hand nimmt.

Frauenklöster - Klosterfrauen : Leben in Ordensgemeinschaften heute / Ute Leimgruber. - Ostfildern : Matthias-Grünewald-Verl., 2008. - 138 S. - Signatur: K 2888

 

Gärten meines Lebens: Publik Forum extra

Ein Lesetipp von Silvia Teuwsen

„Es fiel mir schwer, das Essen herunterzuschlucken“ sagt Anna Reimer – bis die Migrantin nach Deutschland kam, kannte sie nur Nahrungsmittel aus eigener Ernte, nicht aus dem Supermarkt. Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten bedeuten für sie ein Stück Heimat. Diese findet sie beim Projekt der Internationalen Gärten, die es mittlerweile in 50 deutschen Städten gibt. Hier bewirtschaften Menschen aus Bosnien, Russland, Deutschland und anderen Herkunftsländern den Boden. Das Publik-Forum Extra „Gärten meines Lebens“ erzählt von weiteren Gärten und denen, die darin arbeiten: Von den Freuden eines organisierten Kleingärtners in einer typischen Schrebergartenkolonie, von Guerilla-Gärtnern, die den Großstädten Fleckchen Grün abtrotzen oder von Schulgärten, in denen mittlerweile der gesamte Unterricht stattfindet. Natürlich findet sich hier auch der erste Garten der Menschheit seinen Platz, das Paradies, ein umfriedetes Stück Land. Im Extraheft des Publik Forum wird klar, dass ein Garten mehr ist als ein Ort für Gartenzwerge. Er kann der Integration dienen, eine Lebensaufgabe sein, Kindern den Umgang mit Natur ermöglichen. Und er ist die Verbindung zum Ursprung der Menschheit und für manche zur Spiritualität und zu Gott. Das reich bebilderte Heft, das auch Gedichte rund um den Garten enthält, ist eine unterhaltsame und informative Sommerlektüre, die den Blick auf Gärten weitet.

Gärten meines Lebens / [Red.: Britta Baas]. - Oberursel : Publik-Forum Verl.-Ges., 2008. - 34 S. : Ill. - (Publik-Forum Extra ; 3,2008. - Signatur: G 2919 Nr 2008,3

 

Henning Hensel: Aber auf dein Wort

Ein Lesetipp von Silvia Seim

Eine Auslegung der Evangelientexte zu den Sonn- und Festtagen des Kirchenjahres hat der Bremer Pastor im Ruhestand Henning Hensel zusammengestellt. Jeweils zwei bis drei sehr kurze Andachten zu einem Text aus den Evangelien sind jedem Sonntag zugeordnet und führen so durch das Kirchenjahr. Das Buch „Aber auf dein Wort“ kann als Vorbereitungshilfe für Predigt und Gottesdienst von PastorInnen, PrädikantInnen oder LektorInnen genutzt werden oder für als wöchentlicher Andachtsimpuls für interessierte LeserInnen.
In sehr komprimierter Form geht der Autor auf Kernstücke der Texte zu, legt sie auf den Punkt aus und liefert dabei Hintergründe biblischen Lebens. Eine Erklärung der lateinischen Namen der Sonntage sowie ein Bibelstellenregister helfen auch Laien, sich gut in dieser Auslegung der Evangelientexte der Predigtordnung im Rahmen des Kirchenjahres zurechtzufinden.

Hensel, Henning:  Aber auf dein Wort : eine Auslegung der Evangelientexte zu den Sonn- und Festtagen des Kirchenjahres. - Stuttgart : Calwer Verl. 2007. - Signatur: C 930

 

 

Arme habt ihr allezeit - vom Leben obdachloser Menschen in einem wohlhabenden Land

Ein Lesetipp von Silvia Seim

Lebensnah und berührend gibt das Buch „Arme habt ihr allezeit“ Einblick in das Leben auf der Straße. Die Evangelische Obdachlosenarbeit der Diakonie hat das Buch herausgegeben, das durch eindrückliche Texte und gelungene Fotos besticht. Wohnungslose Menschen erzählen von ihrem Alltag, davon, wie sie auf obdachlos wurden und von ihren Träumen. Die Fotos stammen zum Teil von Künstlern, die selbst obdachlos waren. Neben Interviews und Reportagen finden sich Gedichte und Lieder, die vom Leben auf der Straße erzählen. Einen Einblick erhalten die LeserInnen auch in die Obdachlosenarbeit der Diakonie in Deutschland und in besondere Projekte, wie das Hotels „marfino“ in Moskau. Die Künstlerin Mariam Kilali wollte das „schönste Obdachlosenheim der Welt“ schaffen mit unterschiedlich farbig gestalteten Räumen und durchlaufenden Goldbordüren. Ihre Idee: Reichtum für die Ärmsten: „Menschen, die scheinbar alles in ihrem Leben verloren haben, sollen eine Anlaufstelle und einen Zufluchtsort bekommen, der ihnen ein Gefühl von Würde und Respekt vermittelt.“. Diese Grundhaltung kommt im gesamten Buch zum Ausdruck

Arme habt ihr allezeit : vom Leben obdachloser Menschen in einem wohlhabenden Land / ... von Andreas Pitz. - Frankfurt : Hansisches Buchkontor, 2007. - (Chrismon Buch). - Signatur: M 136  

 

Günter de Bruyn: Als Poesie gut

Ein Lesetipp von Joachim Stoevesandt

Schinkel, Hegel, Fichte, Schleiermacher, Tieck, Schlegel, Herz, Humboldt, Kleist, Königin Luise, Napoleon, Levin, Novalis, Clausewitz, Zelter – einige Namen aus dem 14 Seiten umfassenden Namensregister dieser großen Darstellung der kulturellen Blütezeit Berlins.
De Bruyn erzählt Geschichte und Geschichten, entwirft biographische Skizzen der Frauen und Männer verschiedener Gesellschaftsschichten, die in dieser Zeit Berlin belebt und gestaltet haben. In seinen Schilderungen werden aus Namen Personen mit ihren Eigenarten, Begabungen, Verwicklungen.
Ich finde: ein wunderbares Buch zum Schmökern oder Nachschlagen, gefährlich, weil man sich leicht festliest und hintergründig, ironisch, witzig. Wie der Titel, den de Bryn gewählt hat:  „Als Poesie gut“.  Mit dieser Bemerkung lehnt 1811 König Wilhelm III. eine militärische Denkschrift ab und dokumentierte damit sein Unverständnis der neuen kulturellen Entwicklungen. „Bedenkt man, daß er mit der schönen und sensiblen, vielbedichteten und vom Volk geliebten Luise, mit der er sich in den Feldzugstagen am Rhein verlobt hatte, einen Beweis für die Macht des Poetischen an seiner Seite hatte, scheint seine Ignoranz unbegreiflich“.

Bruyn, Günter de: Als Poesie gut : Schicksale aus Berlins Kunstepoche 1786 bis 1807. - Frankfurt am Main : Fischer, 2006. - Signatur: N 1133

 

Volker Perthes: Orientalische Promenaden

Ein Lesetipp von Joachim Stoevesandt

Der Titel ist Programm. Der Autor ist Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin und gilt als einer der besten Kenner der nahöstlichen Szene. Er nimmt den Leser mit auf Streifzüge durch das chaotische Kario oder entlang der dreizehn Kilometer langen Einkaufsstraße Vali Asr in Teheran. Schildert Reisen durch Israel und Palästina, Saudi-Arabien  und das „milde Kurdistan.“  Seine Gespräche mit Partnern unterschiedlicher Herkunft und sozialer Stellung über Religion, Kultur oder Politik sind für mich das Interessantes in diesem Buch. Perthes begegnet seinen Gesprächspartnern mit Respekt vor ihren Traditionen und Überzeugungen, das spüren diese und können offen reden. Natürlich geht es immer wieder um den Islam in seinen verschiedenen Schattierungen. „Für uns ist Islam nicht nur eine Religion, sondern eine Art zu leben, ja das Leben selbst. Religion ist meine Identität“. So ein junger, beruflich erfolgreicher Saudi, groß geworden in  der wahhabitischen Interpretation des Islam. Anders Stimmen aus Ägypten, wieder anders Iraner, denen besonders wichtig ist: Wir sind keine Araber.
Faszinierend und verwirrend ist die Vielfalt dieser orientalischen Welt – Perthes sieht dennoch Chancen für friedliche Konfliktlösungen.

Perthes, Volker: Orientalische Promenaden. - München : Siedler, 2006. - Signatur: R 167

 

Jesus von Nazareth, zu Bethlehem geboren

Ein Lesetipp von Silvia Seim

Das reich bebilderte Buch „Jesus von Nazareth – zu Bethlehem geboren“ vermittelt einen Eindruck, wie Künstler unterschiedlicher Jahrhunderte die Weihnachtsgeschichte interpretiert haben. In neun Kapitel widmet sich das Sachbuch dem historischen Kern der Weihnachtsgeschichte, den Überlieferungen und den bildkünstlerischen Deutungen, zugleich informiert es über wissenschaftliche Einsichten. Themen sind unter anderem Lichtsymbolik, bebilderte Gesangbücher, historische Krippenfiguren, antike Bibeln oder Weihnachtsdarstellungen an Gebäudegiebeln. Es werden auch Ausflüge in die Inkarnationslehren anderer Religionen unternommen, alles mit farbenfrohen, aussagekräftigen Bildern hinterlegt. Das namhafte AutorInnen-Team aus Bibelwissenschaften, Kunstgeschichte, Musik- und Religionswissenschaften vermittelt einen Eindruck, wie unterschiedlich das Weihnachtsgeschehen durch die Zeiten und Weltanschauungen ausgelegt wurde. Das Buch ist eine gute Arbeitshilfe zur Vermittlung der Weihnachtsgeschichte, aber auch ein unterhaltsames Lesebuch – nicht nur zur Weihnachtszeit.

Jesus von Nazareth, zu Bethlehem geboren : die biblischen Überlieferungen im Spiegel von Kunst und neuer Forschung. - Freiburg [u.a.] : Herder, 2003. - Signatur: Q 1018

 

 

Luxusgut Sehnsucht

Ein Lesetipp von Silvia Seim

„Wer leistet sich heute noch eine wirkliche Sehnsucht?“ das ist Titel und Thema eines Buches, das sich der Beziehung von Maria von Wedemeyer und Dietrich Bonhoeffer annimmt. Ihre Liebe  fand hauptsächlich in Briefen statt, die sie sich in der Zeit der Gefangenschaft Bonhoeffers schrieben. Sogar die Verlobung geschah brieflich, ein gemeinsames Foto des Paares gibt es nicht.
Die Professorin für Biblische Theologie und Kirchengeschichte Renate Wind zeichnet anhand der Briefe die Beziehung zwischen dem Theologen und der späteren Statistikerin und Mathematikerin Maria von Wedemeyer nach. Die Autorin arbeitet heraus, dass die Partnerschaft trotz des großen Altersunterschiedes, unterschiedlicher Familienherkunft und Lebenssituation sehr gleichberechtigt war. Beide ringen um ihre Gefühle füreinander, suchen Wege trotz räumlicher Trennung beieinander zu sein, fantasieren über das gemeinsame Leben in friedlichen Zeiten. Das persönliche dauerhafte Glück war ihnen nicht gegeben, durch Bonhoeffers Ermordung wurden sie zu „abgebrochenen Riesen“.
Briefe, Fotos und eine kurze Biografie Wedemeyers runden dieses spannend zu lesende Buch ab.

Wind, Renate: Wer leistet sich heute noch eine wirkliche Sehnsucht. - Gütersloh, 2006. - Signatur N 1122

 

 

Brigitte Reuß: Tenever ist irgendwie

Ein Lesetipp von Silvia Seim

Nina und Kerry, Ali und Jwan, Werner, Jasmin und Tina – manche wohnen nur als Durchgangsstation in Tenever, manche aus Überzeugung seit vielen Jahrzehnten. Einige lieben die arabische Musik über ihnen, andere stören sich daran, dass man auf der Straße kaum deutsch hört. „Tenever ist irgendwie – 30 Jahre Osterholz Tenever“ zeigt Fotos und Interviews aus einem Stadtteil, der mit viel Euphorie geplant wurde, dessen Entstehen auf dem Reißbrett aber auch viele soziale Probleme mit sich brachte. Unterhaltsam und informativ nimmt Brigitte Reuß die LeserInnen mit durch die Planungsgeschichte von Tenever, hat Zeitungsausschnitte über den Stadtteil zusammengestellt und vor allem viel fotografiert. Beeindruckend sind die Interviews mit den Menschen, die im Stadtteil leben oder arbeiten. Sie nehmen die LeserInnen mit hinein in diese eigene Welt, auf die die meisten BewohnerInnen stolz sind. Durch die vielen Fotos wird das „Tenever ist irgendwie“ zu einem Bilderbuch, das sich trotz seiner vielen Informationen zur Entspannung am Abend oder auf Zugfahrten gut lesen lässt. Ein Tipp für alle, die sich für Menschen interessieren.

Reuß, Brigitte: Tenever ist irgendwie : 30 Jahre Osterholz-Tenever ; eine Dokumentation mit Fotos und Interviews - Bremen : Zelin, 2005. - Signatur: S 791

 

Fulbert Steffensky: Schwarzbrot-Spiritualität

Ein Lesetipp von Matthias Dembski (aus BEK-Forum, Mai 2006, S. 10-11)

„Worte können Irrlichter sein, und ich habe den Eindruck, Spiritulität ist ein solches geworden.“ So beschreibt der Hamburger Theologie Fulbert Steffensky, warum er sein neuestes Buch „Schwarzbrot-Spiritualität“ genannt hat. Steffensky stellt bei den Menschen eine zunehmende religiöse Sehnsucht fest, ein Bedürfnis nach tragfähigen Antworten des Glaubens für die alten Fragen des Lebens. Aber die gibt es nicht zum Nulltarif, mahnt der Autor. Sie wollen erarbeitet und die Rituale eingeübt werden. Sie gleichen dem „Schwarzbrot“, einem Grundnahrungsmittel, an dem man heftig zu kauen hat – karge Kost, aber gesund für Leib und Seele. Das Buch hat bereits entschiedene Anhänger, andere kritisieren es für seine deutlich moralisierenden Klischees.
(In der Ausgabe Mai 2006 von "BEK-Forum" sind zentrale Passagen in Auszügen abgedruckt.)

Steffensky, Fulbert: Schwarzbrot-Spiritualität. - Stuttgart : Kreuz Verl., 2005. - 234 S. - Signatur: G 3059