Bericht zu Prävention, Intervention und Aufarbeitung

Schutz vor sexualisierter Gewalt

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) hat 2022 die Gewaltschutz-Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland übernommen. Das Kirchenparlament erhält regelmäßig Berichte zum Thema (sexualisierte) Gewalt.

Die stellvertretende Leiterin der Kirchenkanzlei, Dr. Jutta Schmidt, berichtete dem Kirchenparlament zum aktuellen Stand im Themenfeld sexualisierte Gewalt.

Nach der Veröffentlichung der ForuM-Studie zu Jahresbeginn habe man eine zusätzliche halbe Koordinierungs-Stelle für das Themenfeld eingerichtet. Die neue Mitarbeiterin, Nancy Janz (44), die umfassende Erfahrung aus dem Betroffenenbeirat mitbringt, hat zum 1. Mai die Arbeit aufgenommen. Sie stellte sich per Video zu den Delegierten vor. Der BEK ist es wichtig, eine neue, institutionell unabhängige Struktur für die Bearbeitung des Themas zu schaffen.

In der Familien- und Lebensberatung, gibt es eine neue Leitung. Die Diplompsychologinnen Kristin Glockow und Regine Spohr-Vankann bilden seit dem April dieses Jahres das Team der Ansprechstelle für vertrauliche Beratungen in Bezug auf sexualisierte Gewalt. Hier können im geschützen Rahmen, sowohl erlebte als auch beobachtete Übergriffe besprochen werden. Hier kann auch über weitere Schritte unmittelbar, zeitnah und vertraulich beraten werden. Die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym.

In Bezug auf die Vernetzung Betroffener gibt es ein neues Angebot auf Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland, die Vernetzungs-Plattform "BeNe" für Betroffene. Sie wurde mit einem Video vorgestellt. BeNe wurde von Betroffenen für Betroffene entwickelt und bietet FAQ, ein öffentliches Forum, aber auch die Möglichkeit zu vertraulichem Austausch Gesprächen. Dieser "Ort echter Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung" wird im Frühjahr 2024 starten.

Prävention

Pastorin Heike Wegener ist inzwischen im Umfang einer halben Stelle als BEK-Präventionsbeauftragte dafür zuständig, Gemeinden und gesamtkirchliche Einrichtungen bei der Erstellung von Schutzkonzepte zu begleiten, die bis Ende 2025 vorliegen müssen. Sie berichtet, dass zahlreiche Gemeinden und gesamtkirchliche Einrichtungen bereits sehr intensiv daran arbeiten. Sie bietet Beratung, Fortbildung und digitale Schulungen dazu an.

Der Leiter des Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder, Dr. Carsten Schlepper, stellte das schon lange erarbeitete und bewährte Kinderschutzkonzept für den Kita-Bereich vor. Es werde laufend aktualisiert. "Wir wünschen uns, dass Kinder in der Kita behütet und geschützt durch den Tag kommen", so Schlepper. Schutz vor physischer und psychischer Gewalt sei oberste Aufgabe, die schon lange und nicht erst seit der ForuM-Studie bearbeitet werde. Kita und Frühförderung hätten schon immer eine Aufsichtsinstanz von außen, man sei im ständigen Austausch mit dem Jugendamt. Bericht über Auffälligkeiten, gesetzliche Auflagen, regelmäßige Schulungen für alle Mitarbeitenden, auch hinsichtlich der  Sexualpädagogik, und Qualifizierung von Leitungen seien seit 2012 an der Tagesordnung. Für Verdachtsfälle gebe es ein standardisierendes Verfahren, das bei Verdacht eine sehr schnelle Klärung durch ein Kriseninterventionsteam mit externer Expertise gewährleiste, ergänzte Schlepper. Erhärtet sich ein Verdacht, erfolgt die sofortige Freistellung der verdächtigten Person und die Einschaltung der Ermittlungsbehörden.

Von den 42 selbstständigen Mitgliedseinrichtungen des Diakonischen Werks Bremen haben 26 % bereits ein Schutzkonzept erarbeitet, 60% beraten darüber oder entwickeln gerade eines.  Darüber berichtete die zuständige Referentin Ulrike Nachtwey.

Zum Stichwort Aufarbeitung berichtete Jutta Schmidt von der Einrichtung einer gemeinsamen Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission Bremen-Niedersachsen. Die Geschäftsführerin Ute Dorczok (56) hat am am 1. April ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist Diplompädagogin mit umfangreicher Erfahrung auf dem Gebiet Mädchenarbeit und Jugendhilfe. "Ohne Aufarbeitung gibt es auch keine gute Prävention und Unterstützung", so Dorczok. Zu ihren Aufgaben gehören die quantitative Erhebung bei Kirche und Diakonie in der Region, die qualitative Analyse, um Strukturen von Abhängigkeiten zu erkennen, die Evaluierung des Umgangs mit Betroffenen und die Beratung. Der  Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission Bremen-Niedersachsen werden neun Personen angehören, davon drei externe Experten und drei Betroffene.

Jutta Schmidt fasste die Konsequenzen aus der ForuM Studie zusammen:

  • Schweigen brechen – sprachfähig sein, offen mit miteinander kommunizieren, Bedürfnisse achten, Konsens herstellen
  • Aushalten können – unterschiedliche Interessen und Perspektiven – zum Beispiel von Betroffenen und Strafverfolgungsbehörden - berücksichtigen
  • Vergebung/ Reue - theologische Auseinandersetzung zu den Begriffen Reue  und Schuld, Vergebung und Versöhnung und Verantwortung. Vergebung kann nicht als Allheilmittel gesehen werden.
  • Vereinheitlichung von Verfahren und Anerkennungsverfahren – der Föderalismus zeigt hier seine Grenzen, Ungerechtigkeit, Intransparenz und Ungleichbehandlung gilt es zu beheben, Sicherheit und Orienierung geben
  • Chance und Risiko – Beziehungsarbeit ist Chance und Risiko -  Nähe und Grenzen müssen ausgelotet werden.

Zur aktuellen Situation in der BEK berichtete Jutta Schmidt von zwei Fällen, einem minderschweren, lang zurückliegenden Fall, der derzeit aufgearbeitet werde, sowie einem aktuellen. Die Bremische Evangelische Kirche habe, so Schmidt weiter, ein großes Interesse daran, Unrecht zu erkennen und aufzudecken, um dann aufklären und angemessen handeln zu können. Sie bat alle Delegierten darum, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen.

Dr. Jutta Schmidt

Stellvertretende Leiterin der Kirchenkanzlei

Assistenz:
Inga Verst

0421 5597291
0421 5597265
assistenz.kirchenkanzlei@kirche-bremen.de