Donnerstag, 10. September 2026
Bremische Evangelische Kirche sendet Segenswünsche zu Rosch ha-Schanah
Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) gratuliert allen Jüdinnen und Juden in Bremen und Bremerhaven zum jüdischen Neujahrsfest (Rosch ha-Schanah), das am Abend dieses Freitags (11. September) beginnt und am Sonntag endet.
Zu Rosch ha-Schanah denken wir als Bremische Evangelische Kirche an Sie und wünschen Ihnen Schana towa umeworachat – ein gutes und gesegnetes neues Jahr 5787! Sie feiern in diesen Tagen ein Fest des Anfangs. Einen Anfang, der auch das bewusste Zurücklassen des Vergangenen kennt, und der zugleich die Erwartung und Hoffnung auf Neues in sich trägt.
heißt es in einer gemeinsamen Grußbotschaft von Präses Maria Esfandiari, Kirchenpräsident Dr. Bernd Kuschnerus und der BEK-Beauftragten für interreligiösen Dialog, Pastorin Sabine Groen. Sie erinnern in ihrem Schreiben auch an die Verbundenheit von Christ:innen und Jüd:innen im Glauben. Die Schöpfungserzählung am Anfang der Torah schaffe eine tiefe Verbindung:
Wir lesen in dieser Anfangserzählung, dass uns Freiheit und Fürsorge geschenkt und aufgegeben und dem Leben zugrunde gelegt sind. Immer wieder sind uns die Sätze aus dem Anfang der Torah Anlass, neu zu fragen, was ein guter Anfang – für Einzelne, für das Miteinander, für die Welt – eigentlich bedeuten kann.
Zugleich beklagen Esfandiari und Kuschnerus den wachsenden Antisemitismus in Deutschland, der viele Menschen jüdischen Glaubens mit Sorge in die Zukunft blicken lassen.
Wir nehmen wahr, dass sich manche in Bremen nicht mehr sicher fühlen und daran denken, das Land zu verlassen. Antisemitismus ist inakzeptabel. Jeder Mensch ist aufgefordert, ihm stets entschieden entgegenzutreten, wo immer er begegnet.
Die Bremische Evangelische Kirche schließt ihre Botschaft allen Jüdinnen und Juden mit persönlichen Wünschen für Gesundheit, Freude und Frieden.
Möge Gottes Segen Sie an diesem Fest mit Freude erfüllen und Sie auch durch die kommenden Tage bis Jom Kippur und darüber hinaus begleiten!
Hintergrund:
Das Jüdische Neujahrsfest Rosch ha-Schanah fällt in diesem Jahr auf Mitte September. Anders als das weltliche Silvester ist Rosch ha-Schanah kein ausgelassenes Partyfest.
Es erinnert an den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel. Die hebräischen Worte רֹאֹשׁ הַשָּׁנָה (Rosch ha-Schanah) bedeuten “Haupt/ Kopf des Jahres”. Der Schofar, das Widderhorn, wird am Beginn des Festes geblasen – in diesem Jahr allerdings erst am zweiten Festtag (13. September), da der erste Tag den Schabbat fällt, an dem traditionell kein Schofar geblasen wird.
Der durchdringende Ton des Widderhorns ruft zu Gebet und Buße auf. Zu Beginn des neuen Jahres sollen sich die Menschen vom Bösen abwenden. Das jüdische Neujahrsfest symbolisiert das Gericht Gottes über den Menschen, der Rechenschaft über sein eigenes Tun ablegen soll.
Der traditionelle Glückwunsch nach dem Gottesdienst in der Synagoge lautet hebräisch לשׁנה טובה תכתבו (leschana towa tikatewu):
Ihr möget zu einem guten Jahr eingeschrieben werden.
Der Hausherr taucht beim Festmahl in der Synagoge das Brot beim Brotsegen in Honig. Damit wünschen sich alle Mitfeiernden ein “süßes Jahr”. Süßspeisen sind typisch für das Neujahrsfest. Granatäpfel, Wein, Äpfel und Honig stehen symbolisch für den Feiertag.
Mit dem Versöhnungstag, dem Jom Kippur, endet die zehntägige Bußzeit nach dem Neujahrsfest. Dieser höchste Feiertag im jüdischen Festkalender beginnt in diesem Jahr mit Sonnenuntergang am 20. September.