Donnerstag, 05. November 2026
Die stille Zeit im November: Meditation & Gedenken
Der November gilt traditionell als Monat des Gedenkens und der Trauer. Mehrere stille Gedenktage erinnern an Verstorbene, gefallene Soldaten sowie Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Werden und Vergehen, der Wechsel der Jahreszeiten, Buße und Neuanfang prägen diese Zeit des Jahres. In der Bremischen Evangelischen Kirche gibt es aus diesem Anlass zahlreiche Gottesdienste, Andachten und Konzerte. Mit dem Gedenken an die Verstorbenen endet am Ewigkeitssonntag – auch Totensonntag genannt – das Kirchenjahr.
Volkstrauertag
Zum Volkstrauertag, am Sonntag, dem 15. November, gibt es in Bremer Kirchengemeinden zahlreiche Gottesdienste, Friedensgebete, Kranzniederlegungen und Konzerte zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Verfolgung. "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“, lautete der Appell der Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948, der angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, aber auch die von Terror, Gewalt und Zerstörung geprägte Situation in Israel und den Palästinensergebieten nichts an Aktualität verloren hat.
Buß- und Bettag
Der Buß- und Bettag am Mittwoch, am 18. November ist zwar kein gesetzlicher Feiertag mehr, aber ein für evangelische Christen unverzichtbarer Tag des Innenhaltens. Zahlreiche Kirchengemeinden laden ein zu Gottesdiensten und Andachten.
Anlässlich des Buß- und Bettages kommen im ökumenischen Rundfunkgottesdienst aus der Brückengemeinde Bremen (Westerholzstr. 19) unter dem Motto “Bitte wenden!” evangelische und katholische Stimmen zu Wort. Ab 10 Uhr überträgt Bremen Zwei live.
Der St. Petri Dom lädt um19 Uhr zur traditionellen Nacht der Lichter ein. Jugendlichelesen biblische Texte der Hoffnung und beten für den Frieden. Viele hundert Kerzen erleuchten den St. Petri Dom und laden zu Stille und Einkehr ein.
Das Fest der Lebenden und der Toten – gemeinsam . essen . erinnern
„Das Fest der Lebenden und der Toten“ feiert die Kulturkirche St. Stephani am Donnerstag, den 19. November um 18 Uhr in der Kulturkirche St. Stephani. Dabei lässt sich die über die Lebensgrenze hinweg bleibende Verbundenheit schmecken, zum Beispiel mit einem Lieblingsgericht der Verstorbenen. Die Kulturkirche lädt an eine festliche Tafel mit den Lieblingsspeisen der Toten. Miteinander zu essen, zu lachen und zu weinen, lässt die Gäste eine tiefe Verbundenheit zu spüren. Wer teilnimmt, bringt die Lieblingsspeise seines oder seiner Toten mit und darf auf ein besonderes Mahl gespannt sein. Johannes Grundhoff begleitet die Feier am Akkordeon. Der Eintritt ist frei. Die Teilnahme ist nur nach Anmeldung bis zum 13.11.2026 unter info@kulturkirche.de oder telefonisch (0421/ 30 32 294) möglich.
Ewigkeitssonntag – auch Totensonntag genannt
Der Ewigkeitssonntag - auch Totensonntag genannt – am 22. November ist der Tag, an dem evangelische Christen in Gottesdiensten und Andachten der Verstorbenen gedenken.
Bereits am Samstag, den 21. November um 15 Uhr findet mit Pastorin Barbara Dietrich in der Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche in Bremerhaven (Bürgermeister-Smidt-Str. 45) ein Gottesdienst für Auf-See-Gebliebene und -Bestattete statt. Anschließend gehen alle Teilnehmende gemeinsam zur Kaje und übergeben (wer mag) einen Blumengruß an das Meer.
Am Totensonntag lädt auf dem Riensberger Friedhof in Schwachhausen (am Eingang Friedhofstraße) ein Pavillon der Bremischen Evangelischen Kirche Besucher*innen auf ein Heißgetränk und zum Gespräch ein. Unter dem Motto „Warmes für die Seele“ gibt es zwischen 11 und 16.30 Uhr Kaffee, Tee und alkoholfreien Punsch. In der Friedhofskapelle können Besucherinnen und Besucher eine Kerze anzünden, Namen und Gedanken in ein ausgelegtes Buch schreiben oder still ihrer Verstorbenen gedenken.
Zu einemGedenkgottesdienst für wohnungslos Verstorbene,die in Bremen gelebt haben, laden Mitarbeitende der Wohnungslosenhilfe der Inneren Mission um 11 Uhr in die Friedhofskapelle des Waller Friedhofes (Im Freien Meer 32) ein. Daran schließt sich ein Gedenken an den Grabstellen vor Ort an.
Gemeinsam gesungen und für die Menschen gebetet, die im vergangenen Kirchenjahr heimgerufen wurden, wird auch in dem Gottesdienst „Ein neuer Himmel, eine neue Erde“ mit dem Gospelchor Sounds of colour in der Kirche St. Magni (Unter den Linden 24).
Unter dem Motto „Beim Namen“ laden die drei Gemeinden am Weserdeich ein in die Christuskirche Woltmershausen um 10 Uhr (Woltmershauser Str. 376), um 15 Uhr nach St. Jacobi in Seehausen (Seehauser Landstr. 168) oder um 17 Uhr nach Rablinghausen (Rablinghauser Deich 1). Außerdem gibt es um 15.30 Uhr eine Andacht auf dem Friedhof in Woltmershausen. Den ganzen Tag liegen auf den Friedhöfen in Seehausen und Rablinghausen „kleine Seelenwärmer für die Tasche“ zum Mitnehmen aus.
Musik zum Ewigkeitssonntag gibt es um 17 Uhr in der St. Ansgarii Kirche (Schwachhauser Heerstr. 40). Es erklingt Johann Sebastian Bachs Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, Orgelwerke und A-cappella-Musik zu den Themen Vergänglichkeit, Trost und Ewigkeit.
Am Samstag, 28. November findet um 17 Uhr ein Gottesdienst für Angehörige von Suizid-Opfern mit Pastorin Ulrike Oetken und Pastor Tim Zuber in der Kirche St. Ansgarii (Schwachhauser Heerstr. 40) statt.
WeserSegen unterstützt bei der individuellen Gestaltung von Trauerfeiern
Die Service-Agentur der Bremischen Evangelischen Kirche, WeserSegen, unterstützt Menschen, die sich von geliebten Angehörigen oder Freund*innen verabschieden müssen, bei der Organisation und individuellen Gestaltung von Trauerfeiern. “Der endgültige Abschied fällt oft unsagbar schwer und die Zeit vor und nach der Bestattung ist für viele Trauernde eine riesige emotionale Belastung”, sagt Pastor Tim Zuber, Leiter von WeserSegen. Er berät Menschen zu den vielen Fragen rund um die Trauerfeier, zeigt Wege auf, wie sich die Wünsche von Verstorbenen und Angehörigen z.B. zum Ort, zur Gestaltung oder der Musik verwirklichen lassen.
Ob allein, im engsten Familienkreis oder mit einer großen Trauergesellschaft, ob traditionell gestaltet oder freier gehalten – wir finden gemeinsam den Rahmen für ein passendes Gedenken
so Pastor Tim Zuber. In der evangelischen Kirche sei viel mehr möglich, als Menschen gemeinhin annehmen. “In der schweren Zeit des Abschieds kann es Menschen helfen, wenn sie die Trauerfeier persönlich mitgestalten können – sei es durch eine eigene Rede, ein Gebet oder Rituale, die sie mit der Erinnerung an den Verstorbenen verbinden. Dabei unterstütze ich sie gerne.”
Pastor Tim Zuber ist unter 0176 60970969 und wesersegen@kirche-bremen.de erreichbar.
Hintergrund
Mit den stillen Feiertagen endet das Kirchenjahr. Der Volkstrauertag ist zwar kein kirchlicher Feiertag, sondern wurde 1952 zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft eingeführt. Als Friedenssonntag bekommt er heute in den Kirchen den Charakter des Gedenkens an aktuelle Kriegs- und Fluchtopfer und des Einsatzes für ein friedliches Zusammenleben. Der Buß- und Bettag war in früheren Jahrhunderten ein Tag der Buße und des Gebets angesichts von Notständen und Gefahren. Er ist ein Tag der Umkehr, der Neuorientierung und dient auch dem Nachdenken über gesellschaftliche Irrtümer wie Fremdenfeindlichkeit, Umweltzerstörung und soziale Ausgrenzung. Er findet jedes Jahr am Mittwoch nach dem Volkstrauertag statt. 1995 wurde der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern (außer in Sachsen) abgeschafft. Für die evangelische Kirche ist die Abschaffung bis heute eine Fehlentscheidung. Der Ewigkeitssonntag - auch Totensonntag genannt - geht als Alternative zum katholischen Allerseelentag (2. November) auf die Reformationszeit zurück. Er steht im Zeichen des Gedenkens an die im Vorjahr Verstorbenen. Es geht darum, Abschied und Tod im Alltag zu bewältigen, den Toten ein ehrendes Andenken zu bewahren und der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung Ausdruck zu verleihen.