Glaube & Leben

Gemeindegeschichte

In den Nachkriegsjahren sammelten sich die Menschen des östlichen Gemeindebezirks der Ev. Kirchengemeinde Hastedt um Pastor Berg in einer Gemeindebaracke, die auf dem Gelände der zerstörten Kinderbewahranstalt (Vorläufer der Kita) in der Glückstraße aufgestellt wurde. Der Anstieg der Bevölkerungszahlen und damit auch der Gemeindemitglieder auf ca. 20.000 machte jedoch einen zusätzlichen ausgebauten Standort notwendig, der dann ab 1958 an der Drakenburger Str. errichtet wurde. Gleichzeitig entschied der Kirchenvorstand, dass mit dem 1.1.1959 die beiden Gemeindebezirke in zwei selbständige Gemeinden getrennt werden sollten, und so wurde aus dem östlichen Gemeindebezirk der Hastedter Kirchengemeinde, die 1868 gegründet worden war, die Ev. Auferstehungsgemeinde Bremen-Hastedt. Die aus dem westlichen Gemeindebezirk hervorgegangene Gemeinde um die alte Kirche an der Bennigsenstr. benannte sich zur besseren Unterscheidung in Alt-Hastedter Ev. Kirchengemeinde um.

Der durch den Zweiten Weltkrieg und seine lange Gefangenschaft progressiv-pazifistisch eingestellte Gründungspastor Klaus Berg prägte nachhaltig das Profil der Gemeinde. So bildeten z. B. in den 1980er Jahren die Ziele des „Konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ einen Schwerpunkt der Arbeit und wurden auch in die Gemeindeordnung aufgenommen. Ein wichtiger Bestandteil wurde die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit, z. B. mit Polen [bitte verlinken mit 10f Polnische Zwangsarbeiterinnen] und England [bitte verlinken mit 1d Dudley-Austausch].

Seit Anfang des Jahres 2008 arbeitet die beiden evangelischen „Schwestern“ in Hastedt nun wieder enger zusammen. Eine „Frucht“ dieser Kooperation ist die 2019 entstandene Ausstellung zu Geschichte der evangelischen Kirche in Hastedt [bitte verlinken mit 10d Ausstellung].

Kooperation Alt-Hastedter Ev. Kirchengemeinde

In den 2000er Jahren haben die beiden Hastedter ev. Kirchengemeinden, die einst aus der Teilung der Muttergemeinde hervorgegangen waren, beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln, um gemeinsam aktive und lebendige evangelische Kirche im Stadtteil mit zukunftsfähigen Strukturen zu sein. Seit 2008 kooperieren die Ev. Auferstehungsgemeinde in der Drakenburger Str. und die Alt-Hastedter Ev. Kirchengemeinde in der Bennigsenstr. ganz offiziell und gestalten vieles gemeinsam. Inzwischen teilen wir uns einen Großteil des Personals sowie das Gemeindebüro, haben eine gemeinsame Kirchenmusik und einen gemeinsamen Konfirmandenunterricht, führen viele Veranstaltungen und Projekte gemeinsam durch, entwickeln ein gemeinsames Gottesdienstkonzept, und eine der Kita-Gruppen ist in der Bennigsenstr. beheimatet.

Seit Beginn unserer Kooperation wachsen auch die Menschen aus beiden Gemeinden zusehends enger zusammen und fühlen sich an dem jeweils anderen Standort vertraut. Waren wir zu Beginn noch sehr darauf bedacht, die unterschiedlichen theologischen Traditionen zu respektieren, so sind wir inzwischen zu einer gemeinsamen Beschreibung unserer Ziele und Aufgaben gekommen: Leitsätze der Kooperation

Zur Alt-Hastedter Gemeinde

Architektur

Die Auferstehungskirche war zur Zeit ihrer Entstehung der modernste Kirchbau Bremens. Der erste Pastor der Auferstehungsgemeinde, Klaus Berg, und der Kirchenvorstand hatten den Bremer Architekten Carsten Schröck mit dem Neubau beauftragt. „Das Gemeindezentrum der Auferstehungsgemeinde sieht aus wie eine kleine, in sich geschlossene Stadt, die gebildet wird von den vielen Räumen unterschiedlicher Größe, über denen hoch die Kirche aufragt, die sich zu allen diesen Räumen hin weit öffnet“; so beschrieb Carsten Schröck den Bau und gleichzeitig den Geist des Gemeindezentrums, der auch bei späteren Umbauten gewahrt blieb. Es ist mit seinen vielen Türen zum Stadtteil hin offen konzipiert und selbst der Fußbodenbelag in den Gängen, kleine unebene Blöcke aus Hirnholz, ahmen Straßenpflaster nach. Das Gemeindezentrum ist durchgängig ebenerdig; einzig erhöht ist der Altarraum, zu dem zwei Stufen hinaufführen. Die Kirche und das Gemeindezentrum sind durch große Glastüren eng miteinander verbunden. Darin spiegelt sich die enge Verbindung zwischen Geistlichem und Weltlichem im Gemeindeleben wider, das unsere Gemeinde bis heute prägt.

Der Volksmund nannte die Kirche bald den „Sessel des lieben Gottes“ und in Anspielung darauf sagte Klaus Berg in der Einweihungspredigt: „Ja, es kann uns nichts Besseres widerfahren, als wenn Gott mitten unter uns seinen Thron aufrichtet.“ Verbaut wurden bewusst die Materialien, die im damaligen Industriestandort Hastedt allgegenwärtig waren: Beton, Holz, Metall und Glas.

Bis heute vermittelt der Kirchraum eine Mischung aus Offenheit und Beheimatung. Der weiße Altarraum wird morgens (bei entsprechendem Wetter) durch das große Oberlicht von der Sonne durchflutet. Die gebogene Betonschale ist mit bunten Mosaikfenstern und einem Buntglasmosaik des Auferstandenen geschmückt, die der Quelkhorner Künstlers Erhart Mitzlaff entworfen hat. Taufbecken, Kerzenleuchter und Kanzel, gestiftet von dem Kunstschmied Hermann Carl Rippe, fügen sich harmonisch in den Altarraum ein. Und von der Empore erklingt im Gottesdienst die 1960 von Alfred Führer gebaute und 1976 von Rudolf Janke überarbeitete Orgel. Seit 2017 sind Kirche und Gemeindezentrum samt Glockenturm denkmalgeschützt.

Kirchenführungen

Unter dem Titel „Bögen und Brücken“ bietet unser ehrenamtlicher Kirchenführer Hellmut Lühmann Führungen für Gruppen an. Kirchgebäude, Gemeinde und Besucher im Spannungsfeld der Moderne. Sich auf den Weg machen. Immer wieder neu gucken und anders wahrnehmen. Eine Führung und Erkundung mit allen Sinnen. Die Führung/ Erkundung ist erlebnis- und kommunikationsorientiert gestaltet, enthält Mitmach-Aktionen und kann auf die Bedürfnisse der Gruppe ausgerichtet werden.

Kontakt: Hellmut Lühmann, Tel.: 0421-3506869

Kirche und Stadtteil im Wandel der Zeiten 1862-2019

DAZWISCHEN in Hastedt

Welche gemeinsame Geschichte verbindet uns? Was hat uns getrennt und trennt uns vielleicht noch immer? Und in was für einem Stadtteil sind wir als Kirche aktiv? Wie hat er die Gemeinden geprägt und wie die Gemeinden ihn? – Diese Fragen haben wir uns im Zuge des Kooperationsprozesses der beiden Hastedter ev. Gemeinden gestellt und unser Interesse für die Geschichte war geweckt. So hat eine Gruppe aus beiden Gemeinden um die beiden Ehrenamtlichen Dr. Annette Bartels und Eckart Behm-Blüthgen zusammen mit der Kulturwissenschaftlerin Dr. Andrea Hauser als Kuratorin die Wanderausstellung „DAZWISCHEN in Hastedt – Kirche und Stadtteil im Wandel der Zeiten 1862–2019“ erarbeitet, die die Geschichte der evangelischen Kirche in Hastedt erzählt – mit Exkursen zu anderen Glaubensrichtungen. Sie beleuchtet die vielfältigen Verbindungen und Wechselwirkungen zwischen der Institution und dem Stadtteil sowie mit seinen Einwohnerinnen und Einwohnern, die ja auch Mitglieder der Kirchengemeinde(n) waren. Die Ausstellung ist 2019 anlässlich des 60. Gemeindejubiläums in der Auferstehungsgemeinde eröffnet und anschließend in Alt-Hastedt und dem Hansa Carré in Hastedt gezeigt worden.
Das Team hat auch eine Broschüre zur Ausstellung erstellt.

Polnische Zwangsarbeiterinnen in Hastedter Betrieben 1939-1945

Im Bremer Stadtteil Hastedt kamen bei einem Luftangriff am 12.10.1944 in einem provisorischen Erdbunker zahlreiche polnische Zwangsarbeiterinnen ums Leben. Sie waren in der Großwäscherei Hayungs in der Drakenburger Str. eingesetzt, dort, wo sich seit 1959 das Gemeindezentrum der Auferstehungsgemeinde befindet.

Wir haben das Leiden und Sterben der jungen Frauen aus Polen seit 1987 zu unserem Thema gemacht. Seit dieser Zeit feiern wir den Gottesdienst am Buß- und Bettag zusammen mit der katholisch-polnischen Mission und dem Deutsch-polnischen Chor. In ehrenamtlicher Arbeit wurde eine Fotodokumentation zu diesem Thema erstellt. Der Historiker Friedhelm Grützner hat im Bremer Staatsarchiv recherchiert. Seine Arbeit trägt den Titel „Die polnischen Zwangsarbeiterinnen der Großwäscherei Hayungs als Teil der Polenversklavung in Bremen während des II. Weltkrieges“.

In einer Initiative Hastedter Bürgerinnen und Bürger um den Kunsthistoriker Chris Steinbrecher, an der unsere Gemeinde, die Stadtteilstiftung und das Ortsamt Hemelingen beteiligt war, ist am Ort des Erdbunkers an der Wendeschleife der Straßenbahnlinie 3 ein Gedenkstein aufgestellt und am 9. September 2012 eingeweiht worden. Darüber berichten die Artikel „Zwangsarbeit bis in den Tod“ und „Wir wollen unter uns keine Sklaven sehen“ aus unserem Gemeindebrief.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.zwangsarbeit-in-bremen.de

Dokumente zum Herunterladen:

F. Grützner: „Die polnischen Zwangsarbeiterinnen der Großwäscherei Hayungs als Teil der Polenversklavung in Bremen während des II. Weltkrieges

E. Behm-Blüthgen: „Zwangsarbeit bis in den Tod“ (Auferstehungsnachrichten Juni 2012)

E. Behm-Blüthgen: „Wir wollen unter uns keine Sklaven sehen" (Auferstehungsnachrichte September 2012)

Bildergalerie: Architektur