Dienstag, 27. Oktober 2026

Bremische Evangelische Kirche bekommt Nagelkreuz von Coventry

Am 1. November wird das Nagelkreuz von Coventry feierlich an die Bremische Evangelische Kirche übergeben. Bremen wird damit Teil der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft, festliche Übergabe in Bremen, die sich weltweit für Frieden und Versöhnung einsetzt. Das Nagelkreuz hat seinen Ursprung in der kriegszerstörten Kathedrale von Coventry in England. Seit 1945 setzt sich die gleichnamige Gemeinschaft für Frieden und Versöhnung in Europa und weltweit ein.

Mit der Bremische Evangelische Kirche (BEK) wird erstmals eine ganze Landeskirche Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft. Damit ist die Aufgabe verbunden, das Versöhnungsgebet von Coventry und damit die Bitte um Vergebung und Versöhnung in Kirche und Stadt zu tragen.

Am Sonntag. 1. November um 10 Uhr übergibt Reverend Dr. Canon Kate Massey, Amtierende Dekanin von Coventry, im St. Petri Dom feierlich zwei Nagelkreuze an die Bremische Evangelische Kirche. Eines wird im kommenden Jahr fest auf den Treppenstufen vor dem Dom installiert, so dass es an einem öffentlichen Ort jederzeit für alle Menschen offen und zugänglich ist. Das zweite Kreuz soll seinen Weg durch die Gemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche antreten. Dieses “mobile Nagelkreuz” soll vor Ort Gesprächsanlässe und Denkanstöße schaffen.

Für die Bremische Evangelische Kirche geht am   1. November ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Das Nagelkreuz als sichtbares Zeichen des Friedens im Herzen der Stadt drückt aus, wofür wir als Kirche uns tagtäglich einsetzen: Frieden im Kleinen wie im Großen. Wir beten darum und wir arbeiten mit unseren weltweiten Partnern, ob in der Ukraine, Polen oder in Westafrika daran.

so Pastorin Inge Kuschnerus, Beauftragte für die Nagelkreuzaktivitäten der Bremischen Evangelischen Kirche.

Den Gottesdienst gestaltet sie gemeinsam mit Kirchenpräsident Pastor Dr. Bernd Kuschnerus, Pastor Christian Naegeler (Domprediger) und Pastor Andreas Hamburg (Markus-Gemeinde, Friedensbeauftragter der Bremischen Evangelischen Kirche) sowie Sandra Langhop (Teilnehmerin Coventry-Reise der Nagelkreuzgemeinschaft).  Die Predigt hält Canon Kate Massey.

Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, Präsident des Senats, und Canon Dr. Oliver Schuegraf, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe und Vorsitzender der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland  e.V.  sprechen die Grußworte. Eingeladen sind auch Gäste aus Bremens Partnerstädten, u.a. aus Gdańsk und Odesa. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Paul in Odesa ist seit 7. Juli 2013 die erste und bisher einzige ukrainische Gemeinde, der das Nagelkreuz verliehen wurde.

Musikalisch wird der Gottesdienst zur Nagelkreuz-Verleihung durch Domkantor Dr. Tobias Gravenhorst und den ukrainischen Frauenchor Gloria UA unter Leitung von Yana Wermuth begleitet.

Die Bitten im Nagelkreuzgebet, das Menschen weltweit verbindet, sind aktueller denn je. Es tut gut, unsere Sehnsucht nach Frieden und dem, was uns als Menschen über alle Grenzen verbindet, vor Gott zu bringen.  Liebe, nicht Hass, Frieden, nicht Krieg, sind Gottes Wille. Unser menschliches Versagen vor dieser Aufgabe und unsere ungebrochene Sehnsucht im Gebet auszusprechen, macht uns stark, auch die scheinbar kleinen Schritte auf dem Weg des Friedens weiterzugehen. Das Nagelkreuz von Coventry zeigt eindrucksvoll: Die Hoffnung ist letztendlich stärker als die uns oftmals leider überkommende Resignation vor Hass, Gewalt und Krieg.

betont Kirchenpräsident Dr. Bernd Kuschnerus anlässlich der Verleihung des Nagelkreuzes an die Bremische Evangelische Kirche.

Hintergrund

In der BEK stammt die Idee, Teil der Nagelkreuzgemeinschaft zu werden, von den beiden damaligen Friedensbeauftragten, Jasper von Legat und Andreas Hamburg. Um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, ist ein Antrag sowohl bei der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft als auch bei der Dachorganisation in Coventry erforderlich, den diese prüfen und befürworten müssen. Zum Aufnahmeprozesses gehört auch ein Besuch im Coventry (die sogenannte “Pilgrimage”), die für die BEK Pastorin Inge Kuschnerus und Frauke Langhop gemeinsam gemacht haben.

Damit die Idee des Nagelkreuzes lebendig wird, wird es in Bremen Friedensandachten und eine weiterhin aktive Auseinandersetzung mit den Grundgedanken des Nagelkreuzes geben. In der Friedensarbeit der BEK wird das Nagelkreuz künftig eine wichtige Rolle spielen. Pastorin Inge Kuschnerus wird diese Aktivitäten als Nagelkreuz-Beauftragte in der BEK initiieren und koordinieren. Geplant ist etwa, künftig im Rahmen des Mittagsgebets im St. Petri Dom immer freitags ein Friedensgebet zu gestalten.

Zur Geschichte des Nagelkreuzes

Die Nagelkreuzgemeinschaft nahm ihren Ausgang in der kriegszerstörten Kathedrale von Coventry in England und widmet sich seit 1945 der Arbeit für Frieden und Versöhnung in Europa und weltweit. Heute gehören ihr weltweit mehr als 160 Zentren, in Deutschland 85 Partner und zahlreiche Einzelmitglieder an. Dazu zählen bekannte Kirchen wie die Dresdner Frauenkirche oder die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

Was ist das Nagelkreuz? 

Ein Symbol für Versöhnung und Neuanfang: Es entstand nach einer Bombennacht im November 1940 aus den Trümmern einer englischen Kathedrale und entwickelte sich von dort aus zu einer Idee: Feindschaft ist wandelbar, Versöhnung ist möglich.

Geformt aus drei mittelalterlichen Nägeln der zerstörten St.-Michaels-Kathedrale Coventry wurde es zum Symbol für Hoffnung und Freundschaft, vor allem von Briten und Deutschen nach 1945. Mit dem Wiederaufbau der Kathedrale von Coventry im Jahr 1962 wurde das ursprüngliche Nagelkreuz im Hochaltarkreuz eingebettet.

Nach der Zerstörung der Kathedrale von Coventry durch deutsche Bombenangriffe ließ der damalige Dompropst Richard Howard die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand der Ruine meißeln – sie sind die Grundlage des 1958 formulierten Gebets, das immer freitags um 12 Uhr weltweit gebetet wird.

Warum gibt es eine Nagelkreuzgemeinschaft?

In den Trümmern des Zweiten Weltkrieges fragten Menschen überall auf der Welt nach den Ursachen, vor allem aber nach den Bedingungen für einen dauerhaften Frieden. Heute ist diese Suche nicht weniger drängend. Ein Kreuz aus Nägeln wurde von Coventry aus nach Deutschland gebracht. Heute verbindet das Nagelkreuz Städte, Kirchen und Gemeinschaften in sehr vielen Ländern, über Kontinente hinweg

Warum ist Bremen nun auch dabei?

Nicht nur die Erfahrung von Krieg und Zerstörung verbindet uns mit anderen Städten und Ländern. Die Nagelkreuzgemeinschaft ist ein wachsendes Netzwerk. Es fördert Begegnungen und Projekte über Grenzen hinweg. Es sucht nach ermutigenden Beispielen für Versöhnung und die Überwindung von Konflikten. Es hält das Gebet für den Frieden in einer weltumspannenden Gemeinschaft wach. 

Das Bremer Nagelkreuz bringt diesen Impuls nun auch in unsere Stadt.

Ein Video zur Geschichte der Kathedrale von Coventry und des Nagelkreuzes finden Sie hier.