Montag, 17. August 2026

Gottesdienst zum CSD in Bremen: "Feiern und Weiterkämpfen gehören zusammen"

Die Präses der Bremischen Evangelischen Kirche, Maria Esfandiari, ist beim Christopher Street Day am kommenden Samstag (22. August) in Bremen dabei: "Ich frage mich: Wie echt ist unsere Solidarität eigentlich? Wie oft hängt Solidarität davon ab, ob sie gerade gut aussieht oder politisch gelegen kommt. Eigentlich könnte es doch so einfach sein: Jeder Mensch ist nach Gottes Ebenbild geschaffen. Jeder Mensch ist wertvoll. Jeder Mensch hat die gleiche Würde."

Der Christopher-Street-Day (CSD) in Bremen steht in diesem Jahr unter dem Motto „Generationen voller Pride – glücklich, sichtbar, stark“. Eingeladen sind alle, die sich gemeinsam mit Menschen aus der gesamten gesellschaftlichen Breite für die Rechte der LGBTIQ+-Community einsetzen möchten. Der CSD setzt ein buntes und lautes Zeichen für Akzeptanz und Vielfalt, gerade angesichts der massiv angestiegenen Zahl der Straftaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere Menschen. Die Zahl der Straftaten im Bereich „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ hat sich seit 2010 nahezu verzehnfacht. Im Jahr 2025 wurden bundesweit durchschnittlich täglich fast sechs queerfeindliche Gewalttaten registriert – mit einem vermutlich großen Dunkelfeld.

Der brutale Anschlag auf den Berliner CSD 2026 zeigt das erschreckende Ausmaß von Hass und Gewalt. Die Gewalttaten gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung sowie Hass und Diskriminierung im Denken und Handeln, die leider alltäglich geworden sind, müssen stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt werden. Eine Gewöhnung an das zunehmend vergiftete gesellschaftliche Miteinander kann und darf es nicht geben. Deshalb hat sich der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche auch solidarisch mit den Betroffenen des Berliner Anschlags erklärt

Angst und Gewalt dürfen unser Miteinander nicht vergiften. Als Kirche stehen wir an der Seite der LGBTIQ+-Community – im gemeinsamen Schmerz, aber auch im entschlossenen Eintreten für eine Welt, in der alle Menschen ohne Furcht sie selbst sein können.

 

Vor dem Demonstrationszug lädt die Bremische Evangelische Kirche wie jedes Jahr zum ökumenischen CSD-Gottesdienst ein. Unter dem Motto „wir teilen mehr als Brot“ sind ab 11 Uhr in der Stadtkirche Unser Lieben Frauen alle eingeladen, die in aller Vielfalt miteinander verbunden sind und die den Wunsch haben, so gesehen und angenommen zu werden, wie sie sind. Mit einem Mini-Schauspiel, das an die Stelle einer klassischen Predigt tritt, soll deutlich werden, dass es oftmals gar nicht so einfach ist, Vielfalt miteinander zu leben, wenn verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander treffen. Bei einem Agape-Mahl werden anschließend “mehr als Brot” geteilt, wie der Gottesdienst überschrieben ist, um deutlich zu machen, was Menschen trotz aller Verschiedenheit verbindet.

Für die musikalische Begleitung sorgt Sascha Kayser, es gibt eine Dolmetschung in deutsche Gebärdensprache.

Beides gehört für mich zusammen, das Feiern und das Weiterkämpfen. Der CSD ist uns als Kirche ein wichtiges Anliegen.  Ganz viele queere Menschen sind Mitglieder der Kirche, viele arbeiten bei uns. Deshalb feiern wir und engagieren wir uns aus der Mitte der Kirche heraus. Wir sind da, wir machen auch ein spirituelles Angebote an alle queeren Menschen, indem wir gemeinsam Gottesdienst feiern.

 

betont Dr. Antonia Rumpf, Gleichstellungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), Mitorganisatorin des Gottesdienstes. Viele Menschen machten noch immer “wirklich krasse Erfahrungen”, wenn sie sich outeten: Beziehungen brechen ab, Freundschaften zerbrechen oder Kontakte innerhalb der Familie reißen ab. “CSDs sind auch Tage, an denen diese manchmal sehr existenziellen Erfahrungen und Gefühle hochkommen." Umso wichtiger sei es für queere Menschen, die Community zu haben und auch miteinander Gottesdienst zu feiern, die die Gemeinschaft und Einzelne stärken und Menschen in ihrer Vielfalt zusammenführen, so Antonia Rumpf:

Queersein gehört zum Geschaffensein dazu. Menschen finden sich so vor, es ist keine Entscheidung, es ist keine Sache, die ich mir aussuche. Und damit geht dann ja auch die
Erkenntnis einher, dass man das nicht wegbeten kann, dass man nicht bestimmte Verhaltensregeln braucht, sondern dass wir an queere Beziehungen die gleichen Maßstäbe
anlegen wie an heterosexuelle Beziehungen.

 

Oasentag für queere Christ:innen: “Danke, dass ich wunderbar gemacht bin”

Am Samstag nach dem Bremer CSD (29. August)  bietet die „Kirche der Stille“ wieder einen Oasentag für queere Christ*innen an. Sich in ihrer Identität trotz aller kontroversen Erfahrungen als „wunderbar geschaffen“ wahrzunehmen, ist für queere Christ*innen nicht immer leicht. Deshalb geht es an diesem Tag um Vergewisserung, dass jeder Mensch „wunderbar geschaffen” ist. Was Kraft schenkt, wo und wie sich „Gottes Ja“ erfahren lässt, wie der Glaube für die queere Identität heilsam und fördernd wirkt und welche Erfahrungen dankbar machen – diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Oasentags im Oberdeck der Vegesacker Stadtkirche
Körperwahrnehmungsübungen, Sitzen in Stille, Hören auf biblische Psalmworte, gemeinsames Singen, Schweigen und Austausch sind wichtige Elemente des Tages, den die Pastor:innen Jennifer Kauther & Thomas Rothe gestalten. 
Kostenbeitrag: 55 €, ermäßigt 33 €, Anmeldungen beim Evangelischen Bildungswerk, Tel. 0421/ 3 46 15-35.