Denkanstoß
Himmlischer Dreiklang
Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Eine auf den ersten Blick nicht ganz unkomplizierte Dreierkombination, die am Ende aber nur als Dreiklang funktioniert. Und sie fällt komplett in den Zeitraum der Ausgabe unseres Gemeindebriefes, den Sie gerade in Händen halten. Riskieren wir also an dieser Stelle einen zweiten Blick.
Weihnachten hat es noch relativ leicht. Da wird ein Kind geboren, das kann man sich vorstellen. Baby Jesus, ein göttliches Geschenk des Himmels. Und sowas denken viele Eltern, so-bald sie ihr erstes Kind in Händen halten. Weihnachten: Das Kind. Zum Anfassen auf Heu und auf Stroh. Aber Ostern? Niemand von uns hat je einen Auferstandenen gesehen. Und Himmelfahrt, o weh, niemand hat je einen Menschen zum Himmel fahren sehen – jedenfalls nicht bei klarem Verstand. Und Pfingsten, nun ja; das Brausen vom Himmel?! Heilige Kraft von oben. Ist die manchmal zu spüren? Wir schauen chronologisch drauf.
Bei Ostern, da mag der allseits kritische Empörte denken: Bescheidenheit ist der Christen Sache nicht. Anstatt ihr irdisches Leben zu genießen, wollen sie es bis in alle Ewigkeit fortsetzen und erzählen, dass nach dem Tod alles noch besser wird. Und ja, ohne Gott wäre diese pessimistisch-aufgeklärte Verwunde-rung total einleuchtend. Wenn man Gott aber dazu nimmt, sieht die Sache – glaube ich – doch etwas anders, um nicht zu sagen heller aus. Wahrscheinlich hängt alles an dieser einen Frage: Mit Gott oder lieber ohne?
Wenn das Leben nun aber nicht aus dem Nichts, sondern aus Gott entspringt, dann wäre es geradezu fahrlässig von ihm, das Leben im Tod enden zu lassen. Sicher, die Ostergeschichte klingt ein wenig nach Zauber und Magie, aber irgendwie musste Gott ja nach Karfreitag aktiv werden, um bei uns neue Hoffnung zu wecken. Wie hätte er es sonst machen sollen? Da ist das mit Ostersonntag ein ziemlicher Knaller: Die Lebendigkeit Gottes ruht zwei Nächte und dann explodiert sie wieder. Gott kann nicht sterben, und weil er Leben will, hat auch der Mensch Anteil an der Ewigkeit. Ich persönlich finde das eigentlich ganz gut und wäre auch später noch ziemlich gerne dabei.
Soweit so gut. Jetzt haben wir aber Ostern plötzlich nicht nur die Hoffnung, sondern auch den Auferstandenen. Was sollen wir mit ihm machen? Er zeigt sich noch ein paar Mal in der Welt. Die Bibel spricht von 40 Tagen. Als Auferstandener kannst du aber nicht für immer bleiben. Nicht in dieser Welt. Der Auferstandene gehört an einen anderen Ort. Deswegen: Himmelfahrt.
Himmelfahrt ist landläufig heute als Vatertag bekannt. Mit Bollerwagen und vier Pils durch Feld und Wald und Wiese. Ab geht die Luzie! Religiös lässt sich vielleicht so die Brücke schlagen: Jesus hat ständig von seinem Vater gesprochen und kehrt nun schließlich zu ihm zurück. Und damit ist schon fast alles gesagt. Okay, wer bei Ostern nicht mitmacht, muss sich um Himmelfahrt nicht scheren. Aber für alle anderen gilt: Himmelfahrt ist nicht „Jesus fliegt auf einer Wolke in den Weltraum“. Da ist es kalt und karg. Himmelfahrt bedeutet einfach: Jesus muss weiter. Sein Auftrag ist erfüllt. Er kehrt zurück zu Gott, wohin alles zurückfließt. Und Himmel ist die Dimension, aus der Gott die Erde schützt.
Und wieso dann auch noch Pfingsten? Nun ja, wenn man bemerkt hat, dass man Gott nicht sehen kann und wenn einem dann noch auffällt, dass ja Jesus sich seit Himmelfahrt auch schon lange nicht mehr hat Blicken lassen, und wenn man trotzdem der Meinung ist, Gott wirkt, Gott hält die Welt am Leben, Gott haucht diesem Planeten und uns Lebensatem ein, kurz: Gott wirkt, aber so, dass wir ihn dabei nicht sehen können, kraftvoll, aber unsichtbar, dann bitte sehr, da ist er: der Heilige Geist. Das pfingstliche Brausen vom Himmel.
Pfingsten erfasste er die Menschen ganz be-sonders. Die Apostelgeschichte spricht vom Pfingstwunder. Menschen sind auf der Suche und wohl auch ein bisschen nervös: Wie geht das weiter, jetzt wo Jesus weg ist? Und es geht weiter; plötzlich und auch irgendwie ganz überraschend. Wahrscheinlich auch anders als gedacht. Menschen werden ergriffen und lassen sich ergreifen und erleben das Leben plötzlich noch mal ganz anders. Danach zählen nicht mehr die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeit und das ist, nebenbei bemerkt, auch sowas wie die Geburtsstunde der Kirche.
Und da knüpfen wir an. In den nächsten Wo-chen in unseren Gemeinden. Zum Beispiel in unseren Gottesdiensten. An Ostern in unseren Kirchen, an Himmelfahrt im Garten von St. Ans-garii und auf dem Liebfrauenkirchhof. Und auch an Pfingstsonntag in St. Ansgarii und Unser Lieben Frauen oder am Pfingstmontag beim gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst im Park am Fockemuseum. Ihr seht, es gibt im Leben immer auch mal was zu feiern. Am besten gemeinsam.
Herzlichst,
Pastor Sebastian Renz


